Russland orientiert sich neu

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Von der ehemaligen Aufbruchstimmung um die Jahrtausendwende ist nur noch ein Katzenjammer geblieben. Mit der Ost- (besser gesagt Nordost-) Erweiterung der EU kamen immer mehr Störfaktoren – meist emotionaler Art – in die EU-Politik gegenüber Russland. Viele in den baltischen Staaten fühlten sich jetzt mit der mächtigen EU im Rücken stark und sagten „was sie schon immer mal sagen wollten“.

Mit der Zeit wurde in den EU-Staaten der vorsichtig optimistische Blick in die Zukunft immer mehr auf das Trennende gelenkt. Die Visionen Russlands von einer Wirtschaftszone von Madrid bis Wladiwostok wurden immer trüber, Russland begann mehr und mehr zu reagieren, statt zu agieren. Erst glaubte Russland, Missverständnisse aus dem Weg räumen zu können, musste aber immer mehr feststellen, dass dies gar nicht gewollt war, dass man in der EU glaubte, Russland müsse so handeln, wie es die EU für richtig hält.

Die Scharfmacher hatten Oberwasser und profilierten sich auf einfachste Art – mit Instinkten.

Das konnte auf die Dauer nicht gut gehen, denn die Russen sind ein sich ihrer Größe bewusstes, stolzes Volk. Die Euphorie der neunziger und nuller Jahre verschwand.

Der russische Bär, der schon seit historischen Zeiten an einem „Einkesselungstrauma“ leidet, musste erkennen, dass man ihm – offensichtlich nicht freundlich gesinnt – immer mehr auf den Pelz rückte. Der Bär tat das, was er immer macht, wenn er sich feindlich umzingelt fühlt, er sucht erst einmal einen Ausweg, bevor er zum letzten Mittel – zum Angriff – übergeht.

Das ist genau die Situation, in der sich die russische Politik befindet, und es ist aufgrund der Struktur und der Gesetze der EU nicht abzusehen, dass dies sich in absehbarer Zeit ändern wird. Es fehlt in der Zwischenzeit an positiver Grundeinstellung und statt aussichtsreiche Politik zu machen, wird – wie in den Kindertagen – gerechtet. Offensichtlich müssen erst eine ganze Reihe von Gefühlen und Selbstverständnissen sterben, bis ein neuer Anfang, der dann aber ein anderer sein wird, möglich sein wird.

Schade, Russland schwenkt nach Asien.

hmw