Russland ist Weltspitze bei Hackerattacken im Internet

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[Hartmut Hübner] Russland ist unbestrittener Führer unter den Ländern, in denen sich die Benutzer von Personalcomputern dem größten Risiko der Infizierung durch das Internet im 1. Quartal 2016 aussetzen.

Wie die Daten der Kasperski-Labs belegen, waren von Januar bis März über ein Drittel (36,3 %) der russischen User das Ziel von Hackerangriffen. Die Plätze in diesem zweifelhaften Rating hinter Russland belegen Kasachstan, China, Aserbaidschan und die Ukraine, schreibt die „Rossijskaja Gazeta“.

Eine der jüngsten massiven Attacken war der Diebstahl von mehr als 272 Millionen Nutzerkonten der populärsten E-Mail-Services. Laut Angaben der IT-Sicherheits-Consultingfirma Hold Security hatten es die Hacker auf die Internetdienste Yahoo!, Microsoft und Google abgesehen. Mehr als die anderen hat aber andere hat der e-Mail-Dienst Mail.ru gelitten, wo die Passwörter und Logins von 57 Mio. Accounts geknackt wurden. Nach Meinung der Experten für IT-Sicherheit ist der Angriff das Werk von russischen Hackern, die bereits die Logins und Passwörter der gehackten Benutzerkonten zum Kauf angeboten haben.

Der bisher krasseste Zwischenfall im Jahr 2016 war die Geschichte mit der Cyberattacke auf Energie-Unternehmen der Ukraine. Obwohl sie Ende des vorigen Jahres passierte, kam die Sache erst jetzt heraus. Den Hackern gelang es, die Systeme der Stromverteilung in der West-Ukraine abzuschalten.

Attacken gehen auch 2016 weiter

Neue Ziele für die Angriffe in diesem Jahr waren medizinische Einrichtungen. Im 1. Quartal 2016 gab es eine Reihe Zwischenfälle mit der Infizierung von Klinik-Computersystemen durch verschiedene Trojaner, mit denen umfangreiche Datensätze chiffriert wurden, wonach die Hacker von den Einrichtungen eine Auslösesumme für die Wiederherstellung der Dateien forderten.

Die jüngste Attacke war ein Angriff auf das Netz MedStar, der zehn Kliniken traf. Allerdings gelang es, nach einer offiziellen Mitteilung des Netzes, im Endeffekt, die Daten ohne Zahlung des Lösegeldes an die Erpresser zu retten.

Auch die Angriffe auf den Finanzsektor gehen weiter. Anfang Mai erklärte die Hackergruppe Anonymous auf YouTube, dass sie innerhalb von 30 Tagen die Webseiten der Zentralbanken weltweit angreifen wird. Dem ersten Angriff war bekanntermaßen die Zentralbank Griechenlands ausgesetzt.

Die russische Zentralbank hat zur Minimierung des Risikos des Abschöpfens von Informationen ihrer Finanzorganisationen ein wirksames Systems des Monitorings und der Kontrolle der Datenströme entwickelt und allen Kreditinstituten des Landes zur Nutzung angeboten. Nach Angaben der Zentralbank wurden im vierten Quartal 2015 durch Verstöße gegen die Cybersicherheit über 1,5 Mrd. Rubel von den Konten der Bankkunden unberechtigt abgebucht.

Der Anfang dieses Jahres war durch eine explosionsartige Steigerung der Zahl und Vielfalt der Schadprogramme gekennzeichnet. Wie aus der Analyse der Cyberbedrohungen von Kasperski Labs hervorgeht, wurden im ersten Quartal 14 % mehr neue Modifikationen dieser Art von Trojanern entdeckt, als im vorangegangenen Vierteljahr, außerdem tauchten neun neue Virus-Familien auf. Allein von Januar bis März wurden etwa doppelt so viel User mit Viren konfrontiert als im gesamten Jahr 2015. Die Hacker und Erpresser haben alle Chancen, zum „Problem des Jahres“ zu werden.

Für das gefährlichste Schadprogramm halten die Experten den Trojaner Petja. Von anderen Erpressern unterscheidet sich „Petja“, dass er ohne Öffnen des Internets arbeitet. Aber das ist im Großen und Ganzen auch nicht verwunderlich, da „Petja“ das gesamte Betriebssystem infiltriert hat, einschließlich der Möglichkeit,  selbständig das Internet zu öffnen. Damit bleibt dem User nichts anderes übrig, als sich einen anderen Computer suchen muss, um das Lösegeld zu bezahlen und die Daten zurückzuerhalten. (Hartmut Hübner/russland.RU)

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.