Russland History: Die legendäre Schlacht auf dem Eis

Foto: TV-Screenshot aus Sergej Eisensteins "Alexander Newski", UdSSR 1938Foto: TV-Screenshot aus Sergej Eisensteins "Alexander Newski", UdSSR 1938
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Nowgorod – Am 5.April jährte sich ein Ereignis, das den Lauf der russischen Geschichte maßgeblich beeinflussen sollte. Im Verlauf einer denkwürdigen Schlacht wurden damals die westlichen Außengrenzen Russlands manifestiert.

Doch wollen wir von vorn beginnen. Wir schreiben das Jahr 1242 und das noch junge russische Reich sah sich schweren Zeiten ausgesetzt. Von Osten drangen die Mongolen und Tataren unter der Führung Batu Khans, einem Enkel des Dschingis Khan, immer weiter in Richtung Zentralrussland vor und im Westen verfolgten die Kreuzritter des Deutschen Ordens ihr Bestreben, die slawischen Russen zu missionieren. Zudem war Russland in sich noch nicht gefestigt.

Der Heerführer der Republik Nowgorod, ein junger Fürst mit dem Namen Alexander Jaroslawitsch Newski, stand vor einer seiner bislang schwersten Aufgaben. Seinen Beinamen „Newski“ hatte sich Alexander bereits zwei Jahre vorher verdient, als er als 20-jähriger an der Newa erfolgreich die Schweden abwehren konnte. Und nun standen die Kreuzritter schon vor den Toren. Isborsk war bereits gefallen, Pskow von den Deutschen eingenommen. Nowgorod sah sich vor ein Problem gestellt. Um nicht wie zwischen einem Mühlstein von Deutschen und Tataren zerquetscht zu werden, musste Nowgorod offensiven Widerstand leisten.

Alexander Newski und seine schwere Aufgabe

Alexanders schwierigste Aufgabe jedoch bestand darin, zunächst die Eintracht untereinander herzustellen. Nachdem dem jungen Fürsten, Dank seines ihm vorauseilenden Rufs, die Nowgoroder auf seine Seite zu ziehen, ließ er seine Truppen in der Nacht auf den 5.April am Ufer des Tschudskoje Osero (auf Estnisch Peipussee) Stellung beziehen. Die Deutschen rückten bereits mit einer ungeheuerlichen Streitmacht nach Nowgorod vor. Alexander Jaroslawitsch Newski musste eine List ersinnen, da die Übermacht der Kreuzritter gleich einer drohenden Gewitterwolke unaufhaltsam näher kam.

Alexanders Plan war simpel, wenngleich auch genial. Der Feind, seiner althergebrachte Tradition treu bleibend, schritt in Keilformation unabwendbar voran. Alexander versuchte die schwer gepanzerten Deutschen auf das Eis des zugefrorenen Sees zu locken. Newskis Plan sollte aufgehen. Nachdem der erste Angriff erfolgreich abgewendet werden konnte, drängten die Nowgoroder die Feinde in die Mitte des Sees. Es kam wie es kommen musste und die schwere Panzerung des Gegners brach an der dünnsten Stelle des Eises ein und ertrank erbärmlich im eiskalten Wasser.

Noch heute schnalzen Militärhistoriker ob dieser Taktik mit der Zunge, denn der Sieg in der legendären „Schlacht auf dem Eis“ sicherte nicht nur die Einigkeit der Russen als Nation, sondern manifestierte auch für lange Zeit die westliche Landesgrenze. Alexander Jaroslawitsch Newski hingegen trug fortan den Titel Großfürst. Lange später, im Jahre 2008, wurde dem Heerführer Nowgorods noch eine weitere Ehre zuteil. Mittels einer Internetabstimmung kürte man Alexander Newski zum „Namen Russlands“.

Auch die Trivia hat sich mit dem Ereignis auf dem Peipussee beschäftigt. Hervorgehoben sei die eindrucksvolle Verfilmung durch den damaligen Starregisseur Sergej Eisenstein aus dem Jahr 1938, in der ihm gelang, die Schlacht episch in Szene zu setzen. Auch die russische Nationalbank glänzte 1992 mit einer Huldigung. Als Vorläufer einer Serie zum 50. Jahrestag des Sieges über den Faschismus brachte man einen Gedenkrubel aus reinem Silber in Umlauf, der an den historischen Sieg, 750 Jahre zuvor, erinnert.

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.