Russland – Deutschland. 20 Jahre Gemeinsamkeit vor dem Aus

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In jüngster Zeit gab es einige Momente, in denen man aufatmend sagen konnte „Gott sei Dank, das hätte schief gehen können“, ein Krieg schien im Bereich des Möglichen gewesen zu sein, ein Krieg, in den wir selbst involviert gewesen wären. Und nicht nur einmal bestand die Gefahr, dass sich das Geschehen hätte verselbständigen können.

Als außenpolitisch Engagierter wird man irgendwann innehalten und sich verdutzt fragen, was eigentlich los sei.

Was ist aus dem euphorischen Aufbruch der beginnenden 90er Jahre geworden, als man nach Deutschland gekommene Russen bestaunte und beinahe herzlich feierte, als wir als Deutsche (West) in Russland uns vor Einladungen nicht retten konnten und man uns jeden Wunsch von den Lippen ablas?

Allein politische Differenzen dafür verantwortlich zu machen (die gibt es auch mit anderen befreundeten Ländern), trifft den Kern nicht, denn hier geht es um die emotionalen Befindlichkeiten der Menschen, die sich um Scherereien der Politiker erst nachrangig interessieren.

Hier muss etwas anderes passiert sein – hier hat der Leumund gelitten. Hier hat jemand systematisch und dauerhaft daran gearbeitet, das Verhältnis zu vergiften, jemand, dem diese guten Beziehungen so ein großer Dorn im Auge waren, dass er vor nichts zurückschreckt, nicht einmal vor Lügen.

Früher einmal wurde die Wahrheit durch Weglassen manipuliert (siehe Bismarck Emser Depesche) – was auch Lüge ist –, heute wird dreist erfunden und der Geschädigte hat keine Möglichkeit sich zu wehren, denn der Lügner beherrscht die veröffentlichte Meinung.

Professor Peter Schulze hat in dem Debatten Magazin »The European« die Hintergründe dieses Gefühls- und Politikwandels analysiert. Es darf angenommen werden, dass es dem „Jemand“ nicht gelingen wird, einen derart kompetenten Fachmann zu diffamieren. Eine breite Streuung seiner Meinung wird man jedoch versuchen zu verhindern, daher hier seine Analyse.

Professor Peter Schulze, Jahrgang 1942, Politikwissenschaftler und Historiker studierte in Berlin, London und der Stanford University. Er promovierte 1974, habilitierte an der FU Berlin 1985 und dann ein zweites Mal in Göttingen 2003. Schulze lehrte von 1970 bis 1987 an der FU, diversen amerikanischen Colleges und der UC Berkeley. Zudem war er langjährig als Leiter der Außenbüros des Forschungsinstitutes der Friedrich Ebert Stiftung in Berkeley, London und Moskau tätig. Seit 2004 arbeitet er als Professor für Vergleichende Lehre an der Universität Göttingen und als Dozent am Europa-Institut Klaus Mehnert in Kaliningrad.