russland.COMMUNITY: Trump, Russland und die mediale Massenverblödung

Nehmen sich die deutschen „Qualitätsmedien“ überhaupt noch selbst ernst?

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Nach der Entlassung von FBI-Chef James Comey konnte es insbesondere dem selbsternannten „Sturmgeschütz der Demokratie“ aus Hamburger Provenienz einmal mehr nicht schnell genug gehen, die Demission des demokratisch gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten auszurufen. Nachdem nun seit besagtem Ereignis schon mehr als eine Woche vergangen ist und „The Donald“ in der Zwischenzeit mit den Saudis einen Waffendeal in dreistelliger Milliardenhöhe besiegelt hat, erscheint die Zeit günstig für einige grundsätzliche Gedanken zu dieser Möchtegernaffäre, in welcher Russland eine zentrale Rolle spielt.

Die „offizielle Version“ der deutschen „Qualitätsmedien“, welche seit Neuestem eine beinahe schon inquisitorische Jagd auf die berühmt-berüchtigten „Fake News“ veranstalten, nimmt ihren Ausgangspunkt bei folgender Annahme: Hillary Clinton hat nur mit Hilfe der bösen Russen die Wahl verloren! Begründet wird dies mit den vermeintlichen Verbindungen, welche Mitarbeiter von Trumps Kampagne mit „den Russen“ hatten. Als Konsequenz dieser Beziehungen hat dann der russische Geheimdienst (oder welcher Russe auch immer) die Server der demokratischen Partei gehackt. Diese gestohlenen Daten wurden an Wikileaks weitergeleitet, dort veröffentlicht und haben dann der Kampagne von Clinton erheblichen Schaden zugefügt. Schließlich (und dort schließt sich der Kreis zum FBI) hat der damalige Chef Comey kurz vor der Wahl Ermittlungen gegen Clinton wegen des Gebrauchs eines privaten Mailservers eingeleitet und damit Trump den Weg ins Weiße Haus geebnet. Die Entlassung von Comey viele Monate nach Trumps Wahlsieg (eigentlich müsste Trump ihn ja sehr schätzen, schließlich hat er ihm ja angeblich seinen Wahlsieg zu verdanken) wird folgendermaßen „erklärt“: Der US-Präsident hat Comey gefeuert, um die Ermittlungen des FBI bezüglich der Russland-Kontakte von Trumps Kampagne zu beenden.

An dieser Stelle sollte man einmal in sich gehen und die zuvor dargestellten Argumente mit Hilfe seines gesundes Menschenverstandes prüfen. Fangen wir bei dem letztgenannten Punkt an: Wie atemberaubend dämlich sollten Trump und seine Leute im Weißen Haus sein, den Mann zu feuern, welcher angeblich gegen sie ermittelt? Sollte an der sagenhaften „Russland-Connection“ wirklich etwas dran sein, wäre die Entlassung des Chefermittlers von geradezu philosophischer Dummheit: Damit würde doch erst recht der Verdacht unrechtmäßigen Verhaltens gestärkt, weiterhin würde mit der bloßen Entfernung des FBI-Chefs innerhalb der Behörde wohl kaum die Erkenntnis über die „Russland-Connection“ verschwinden, vielmehr würden die übrigen mit dem Fall vertrauten Mitarbeiter nur zusätzlich motiviert.

Geht man einen Schritt weiter, so muss die Existenz von russischen Hackerangriffen auf die demokratische Partei an sich bezweifelt werden. Liest man in deutschen Medien, so werden diese zumeist als Tatsache hingenommen. Glaubt wirklich allen Ernstes jemand, dass die russische Führung ein derartiges Risiko eingehen würde, um einen Kandidaten zu unterstützen, dessen Sieg dadurch nicht gewährleistet ist, nur weil dieser im Wahlkampf russlandfreundliche Töne angeschlagen hat? Vielmehr deckt sich die ständige Behauptung, dass die russischen Hackerangriffe für die Niederlage von Clinton verantwortlich sind, mit einer nicht zu verachtenden Aversion der demokratischen Partei gegenüber Russland. Anstatt die gravierenden Fehler der eigenen Kandidatin zu beleuchten, werden alte Feindbilder geschürt. Seit Monaten ist die Rede von den russischen Eingriffen in den US-Wahlkampf. Allein der Umstand, dass in einer derart brisanten Angelegenheit noch keine handfesten Beweise zu Tage getreten sind, legt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem ganzen Gerede um die Verbindungen zwischen Russland und Donald Trump und den damit verbundenen Hackerangriffen um billigste Propaganda handelt.

Hillary Clinton, welche für ihre scharfen Töne gegenüber Russland bekannt ist, hatte ihren Sieg bei der Präsidentschaftswahl fest eingeplant. Nach ihrer unerwarteten Niederlage war kaum zu erwarten, dass das ihr zugehörige Washingtoner Establishment den Eindringling Donald Trump widerstandslos passieren lässt. Genau vor dem Hintergrund dieses Aspekts sind die aktuellen Ereignisse zu bewerten. Dabei stellt sich zwangsläufig die Frage, warum die deutschen Leitmedien weitgehend kritiklos in diesen Tenor mit einstimmen – schließlich liegt es nicht in der Verantwortung der Deutschen, über das Schicksal von Donald Trump zu befinden. Hillary Clinton wurde im Wahlkampf von den deutschen Leitmedien nahezu vorbehaltlos unterstützt, nun ergibt sich im Zusammenhang mit den angeblichen russischen Eingriffen die Möglichkeit, auch noch auf den alten Erzfeind einzuschlagen. Dass dabei wie eingangs geschildert die vermeintlichen Vorwürfe vor dem Hintergrund einiger einfacher logischer Fragen wie ein Kartenhaus ineinander zusammenbrechen, ist den Meinungsmachern dabei entweder einfach egal oder sie bemerken es vor lauter Missionierungseifer gar nicht.

Kurz vor seinem Tod vor knapp drei Jahren sprach Peter Scholl-Latour in einem Interview von einem Zeitalter der medialen Massenverblödung. Guckt man sich über die oben geschilderten Bespiele hinaus die Berichterstattung zu Russland an, so ist dieser Wahrnehmung durchaus zuzustimmen. Wer erinnert sich nicht mehr an die grandiosen Berichte im Zuge der Sanktionen gegen Russland, dass Putins Riesenreich demnächst pleitegehen wird? Oder an die weise Vorausschau, dass Russland demnächst im Baltikum einfallen wird? Zum Schluss sei noch eine besonders herausragende Meldung bezüglich Trump erwähnt, schließlich war seine Wenigkeit von großer Bedeutung in diesem Text: Vor einigen Tagen hieß es auf diversen Internetseiten großer deutscher Zeitungen, dass der US-Präsident regelmäßig seinen Fernseher anschreit…

MJ

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