russland.COMMUNITY: ARD berichtet hinsichtlich der nahenden WM in Russland über „Zustände wie in Katar“

Foto: © Michael Barth/russland.RU
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Als Framing wird in der Kommunikationswissenschaft die Einbettung einer Aussage in einen größeren Zusammenhang bezeichnet. Der Urheber des Framings verbindet damit subjektive und normative Einstellungen, welche dem Adressaten der Aussage auf zumeist unterbewusste Weise vermittelt werden sollen – Ziel ist die Beeinflussung des Medienkonsumenten. Mit den Schlagwörtern „Katar“ und „Weltmeisterschaft“ verbinden sich bei den meisten Konsumenten negative Assoziationen – ins Bewusstsein geraten dabei Berichte über die Ausrichtung im Winter aufgrund der unerträglichen Hitze im Sommer, die als mangelhaft eingestufte Menschenrechtslage in Katar, die höchst umstrittene WM-Vergabe an das Land durch die FIFA und die mutmaßlichen Todesopfer auf den Baustellen der Stadien.

Und aufgrund all dieser negativen Assoziationen ist es dann auch ein großer Unterschied, ob sich auf der Internetseite der Sportschau ein Text mit der Überschrift „Problematische Zustände bei der nahenden WM in Russland“ befindet oder der Titel „Putins WM – Zustände wie in Katar“ lautet. Mit dem letztgenannten Satz ist ein Artikel überschrieben, welcher einen am 25.5.2017 im Anschluss an das Relegationsspiel zwischen Wolfsburg und Braunschweig gesendeten halbstündigen Beitrag in der ARD beschreibt (Verfügbar in der ARD-Mediathek).

Eröffnet wird die Dokumentation als „Erzählung von Profiteuren und Propaganda“, welche von den Themen Gewalt, Diebstahl und Ausbeutung begleitet sei. Auf Grundlage dieser wenig freundlich wirkenden Einleitung wird dann auch gleich thematisch als Erstes über die Ausschreitungen während der EM 2016 in Marseille berichtet, wobei Bilder randalierender russischer Hooligans gezeigt werden. Weiter geht es in Moskau, wo über mutmaßliche Verbindungen zwischen führenden russischen Hooligans und Wladimir Putin berichtet wird. Anschließend liegt der Fokus auf den stark gestiegenen Kosten für die Spielstätten der Weltmeisterschaft und die Verquickungen zwischen den berüchtigten Oligarchen und der Politik. Schließlich konzentriert sich der Beitrag auf den vermeintlichen Einsatz von Nordkoreanern auf den WM-Baustellen. Unterlegt mit dramatischer Musik, wird über UN-Beschlüsse informiert, welche den Einsatz von Arbeitern aus Nordkorea im Ausland verbieten würden – die dabei erwirtschafteten Devisen würden der Finanzierung des nordkoreanischen Atomprogramms dienen. Einen weiteren Themenkomplex stellen die FIFA und ihre korrupten Verwicklungen dar – dabei werden FIFA-Chef Infantino und Putin als „ziemlich gute Freunde“ hingestellt.

Wie sich aus dieser Schilderung ergibt, hat die ARD in ihrem Beitrag eine Vielzahl von Themen angeschnitten. Jedoch fehlt dabei ein roter Faden, die gesamte Dokumentation ist ein ziemliches Wirrwarr verschiedener thematischer Stränge. Natürlich darf dabei auch der fast schon obligatorische Hinweis der „Qualitätsmedien“ auf die berühmt-berüchtigten „Fake News“ nicht fehlen: Eingeblendet wird eine Aussage Infantinos, welche die Verbreitung eben dieser „Fake News“ zwecks „FIFA-Bashing“ zum Inhalt hat. Selbstredend, dass der Beitrag der ARD in der Folge vielmehr der FIFA selbst und Russland im weiteren Sinne diese Praktiken unterstellt.

Die gesamte Diktion der Dokumentation ist neben den bereits geschilderten inhaltlichen Aspekten durchweg Russland-kritisch. Natürlich ist Kritik an Russland nicht grundsätzlich als falsch zu erachten, in der vorgenommenen Weise bleibt jedoch ein derart fader Beigeschmack zurück, sodass sich der Beitrag dem Vorwurf des Russland-Bashings stellen muss. Zu reißerisch und suggestiv ist die Erzählweise, zu zusammengewürfelt die Themen. Natürlich ist es notwendig, über den mittlerweile von der FIFA bestätigen Einsatz von Nordkoreanern zu berichten, welche unter prekären Bedingungen am Bau des Stadions in St. Petersburg mitgewirkt haben. Darauf hätte sich die Dokumentation fokussieren und diesbezüglich tiefgreifend recherchieren können. Jedoch ist hier dringend zu berücksichtigen, dass die Ausbeutung von billigen Arbeitskräften gewiss kein russlandspezifisches Problem ist.

Berichten zufolge ist von den in St. Petersburg eingesetzten Nordkoreanern eine Person im Zuge eines Herzinfarkts ums Leben gekommen. Hinsichtlich Katar ist die Rede von Hunderten bis Tausenden Toten auf den WM-Baustellen. Nicht zuletzt dieser Umstand schmälert im Rückgriff auf die Überschrift von den „Zuständen wie in Katar“ die Qualität des Beitrages noch um ein weiteres Stück. Auch muss sich hier die ARD durchaus den Vorwurf gefallen lassen, zwecks billigen Russland-Bashings die Zustände in Katar zu verharmlosen. Die gesamte Sendung ist also ein Paradebeispiel für die Anwendung des Framings.

JM

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