Russland braucht wieder mehr Güterwaggons

Transportkrise scheint überwunden / Staat subventioniert Produktion und Abnahme rollenden Materials

[Ullrich Umann/gtai] Die auf der Schiene transportierte Gütermenge wird 2014 um 1,0 bis 1,5% steigen, prognostiziert die Eisenbahngesellschaft OAO RZD. Der Trend zeigt aufwärts, nach einem Rückgang um 3,1% im Jahr zuvor. Die Federalnaja Gruzowaja Kompania, eine Tochterfirma von RZD, will deshalb 2014 zwischen 16.000 und 23.000 Waggons im Wert zwischen 25 Mrd. und 35
Mrd. Rubel (550 Mio. und 770 Mio. Euro) anschaffen. Hersteller rollenden Materials veranlasst das zur Steigerung ihrer Produktion.

 
Ein wichtiger Hersteller von Eisenbahnwaggons, Uralwagonzawod (UVZ), kündigte an, den Ausstoß 2014 um 7% auf 22.000 Einheiten zu erhöhen. Dabei will UVZ vom expandierenden Güterverkehr gleich doppelt profitieren. Aus diesem Grund werden 10.000 der geplanten 22.000 zu bauenden Waggons an die eigene Logistiktochterfirma, UVZ-Logistik, verkauft. Je nach Bedarf
können Kunden bei UVZ entweder fabrikneue Waggons oder bei UVZ-Logistik
Transportdienstleistungen (Zisternen und halboffene Waggons) ordern. Mit diesem Schachzug diversifiziert der Waggonbauer UWZ seine Geschäftsfelder.
Bislang verfügt UVZ-Logistik über 29.000 Waggons und ist damit der sechstgrößte Anbieter von Transportdienstleistungen auf der Schiene. Langfristig soll der Fuhrpark auf 60.000 anwachsen und das Transportunternehmen damit in die Gruppe der führenden fünf Anbieter vorstoßen.

 

Auf dem Markt agiert UVZ-Logistik vorrangig mit Transportleistungen lokaler Reichweite, die durch die führenden fünf Großanbieter nur marginal abgedeckt werden, oder auf wenig befahrenen Strecken. Doch könnte sich das ändern: Je größer der Fuhrpark von UVZ-Logistik wird, desto größer wird auch die Marktmacht.
Noch 2013 brach die Waggonproduktion russlandweit um 28% ein. Das für Industriepolitik zuständige Ministerium für Industrie und Handel nahm dies zum Anlass, die Waggonproduktion zu subventionieren. Dafür wurden 12,8 Mrd. Rubel (0,28 Mrd. Euro) aus dem Haushalt bereitgestellt. Hersteller konnten bei Inanspruchnahme der Subvention den Endabgabepreis senken, wodurch die Nachfrage angekurbelt werden sollte.

Zusätzliche Kreditsubventionen in einer Gesamthöhe von 5,5 Mrd. Rubel (120 Mio. Euro) gibt es darüber hinaus für Käufer von Waggons, wenn das rollende Material dem neuesten Stand der Technik entspricht und eine Achslast von 25 Tonnen aufwärts aufweist. Dieses Subventionsprogramm soll noch bis 2016 laufen.

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Die Subventionen sind für Firmenkonstruktionen, wie die von UVZ, in zweierlei Hinsicht vorteilhaft. Das Mutterunternehmen UVZ bekommt Zuwendungen als Hersteller von Waggons und die Logistiktochter ein weiteres Mal als Käufer von Waggons.