Brühe mit Piroggen, Kulebjaka und Kissel zum Frühstück? Die russische Regierung möchte traditionelle Nationalgerichte stärker auf die Speisekarten von Hotels und Restaurants bringen. Doch die Gastronomie reagiert auf die Vorschläge des Ministeriums für Industrie und Handel mit gemischten Gefühlen.
Hotelbesitzer Junis Teimurchanly aus St. Petersburg hält die Idee eines russischen Frühstücks grundsätzlich für sinnvoll, sieht allerdings wenig Nachholbedarf. Blini, Oladji, Milchprodukte, Brei und Syrniki gehörten längst zu den Frühstücksbuffets russischer Hotels.
Weniger Verständnis zeigt er für die konkrete Speisenauswahl des Ministeriums. Brühe mit gefüllten Teigtaschen, Kulebjaka, Sauerkraut, Kwas und Kissel seien zwar traditionelle Gerichte, aber kaum das, was Gäste morgens bestellen würden. Sein Fazit: Selbst wenn man Kulebjaka anbiete, würden die Gäste weiterhin Syrniki und Kascha verlangen.
Alexej Wassiltschuk, Mitinhaber der Restaurantgruppe Restart Vasilchuk Brothers, sieht dagegen touristisches Potenzial. Ähnlich dem englischen oder türkischen Frühstück könne ein russisches Frühstück als Verkostungsangebot insbesondere ausländische Besucher ansprechen.
Dass Tradition und Verbrauchergeschmack nicht immer zusammenpassen, illustriert Restaurantbesitzer Jaroslaw Janin mit einem Beispiel aus seinem Betrieb: Eine traditionelle Kulebjaka verkaufte sich zunächst schlecht. Nachdem er das Gericht in „Fischpastete“ umbenannt hatte, stieg der Absatz um 40 Prozent.
Die Regierung möchte die nationale Küche bekannter machen und erwägt sogar ein eigenes Erkennungszeichen für das russische Frühstück. Eine Verpflichtung zur Umstellung der Speisekarten ist nicht vorgesehen.
Ob sich die staatlichen Empfehlungen durchsetzen, dürfte deshalb vor allem vom Geschmack der Gäste abhängen. Zumindest die Kulebjaka hat ihren ersten Markttest bereits bestanden – allerdings unter anderem Namen.

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