Russischer Jäger fällt vor Syrien vom Flugzeugträger

Foto: Wikipedia/PH3 TODD SUMMERLIN (USN) - dodmedia.osd.mil/ ID: DDSD9906153 Gemeinfrei

Die russischen Marineflieger haben bei ihrem Flugzeugträger-Einsatz vor der Küste Syriens ein zweites Kampfflugzeug verloren. Bei der Landung eines Su-33-Jägers riss das Fangseil, die Maschine stürzte ins Meer. Der Pilot konnte sich retten.

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der Webseite TheAviationist.com bereits am Samstag bei guten Wetterbedingungen. Unter Berufung auf Militärkreise heißt es, der Jäger sei beim zweiten Landeversuch auf dem russischen Flugzeugträger Admiral Kusnezow verunglückt. Beim ersten Anflug habe die Maschine die kurze Landebahn des Schiffes verfehlt. Beim zweiten Anflug habe es dann ein Problem gegeben, worauf der Jäger über die Landebahn hinausgeschossen und vor dem Schiff ins Meer gestürzt sei. Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz retten können und sei vom einem Rettungshubschrauber aus dem Meer gezogen worden.

Moskau bestätigt den Verlust

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte am Montag den Verlust einer SU-33, ohne den genauen Zeitpunkt des Unfalls zu nennen. Bei der Rückkehr von einer Einsatzaufgabe in Syrien sei bei der Landung auf dem Flugzeugträger das Fangseil gerissen, hieß es in Moskau. Der Pilot sei wohlauf.

Bereits Mitte November hatten die russischen Marineflieger eine auf dem Träger stationierte Maschine vom Typ MiG-29K verloren. Der Jet war in der Nähe der Admiral Kusnezow ins Meer gestürzt, nachdem beide Triebwerke versagt hatten.

Kampfjets inzwischen weitgehend auf dem Trockenen?

Nach Angaben britischer Medien hat die russische Armee inzwischen einen wesentlichen Teil der Kampfflugzeuge von der Admiral Kusnezow abgezogen und auf dem Fliegerhorst Chmeimin bei Latakia stationiert, von wo sie jetzt ihre Einsätze in Syrien fliegen würden. Als Begründung wurde die mangelnde Leistung des Startkatapults sowie die fehlende Erfahrung vieler Piloten mit den schwierigen Lande- und Startmanövern auf dem einzigen Flugzeugträger Russlands genannt. Das Militärfachblatt Jane’s veröffentlichte ein Satellitenfoto, das acht Su-33 und eine MiG-29K auf dem Flugplatz zeigt. Dem Bericht zufolge können auf der Admiral Kusnezow etwa 20 Kampfjets stationiert sein.

Seitens des russischen Militärs wurden Probleme beim Kampfeinsatz von Bord des Flugzeugträgers in Abrede gestellt. Manche Maschinen seien allerdings zu Beginn seines Einsatzes nach dem Start vom Träger in Chmeimin zwischengelandet und von dort zu neuen Einsätzen gestartet, hieß es.

Ost-Aleppo wird immer kleiner

Die russischen Luftstreitkräfte beteiligen sich in letzter Zeit aktiv an den Kämpfen um Ost-Aleppo, wo sie das Vorrücken der syrischen Armee und der mit ihr verbündeten Milizen gegen die Oppositionskräfte unterstützen. Nach Angaben der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ in London kontrollieren die Regierungskräfte inzwischen 60 Prozent der lange Zeit territorial stabilen Oppositions-Enklave.

AP meldet heute unter Bezug auf einen nicht genannten russischen Offizier, dass beim Beschuss eines Krankenhauses im von der Regierungsseite gehaltenen Teil Aleppos eine russische Krankenschwester ums Leben gekommen sei. Auch seien zwei russische Ärzte verletzt worden.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach am Samstag in Rom mit US-Außenminister John Kerry über einen Weg zur Beilegung der Kämpfe in Aleppo. Die Positionen beider Seiten seien sich in vielen Punkten sehr nahe, so Lawrow. Es gehe darum, sichere Abzugswege für alle oppositionellen Kämpfer zu schaffen, die sich noch in der Stadt aufhielten. Dies ermögliche es, der Zivilbevölkerung Sicherheit und eine Versorgung mit den notwendigen Lebensmitteln zu gewährleisten.

Allerdings ist bisher nichts darüber bekannt, dass die Rebellen, die sich in Ost-Aleppo verschanzt haben, auch zur Aufgabe ihrer letzten Bastionen bereits wären.

[ld/russland.NEWS]

Über den Autor

Lothar Deeg
Lothar Deeg geboren 1965 und gebürtig aus Bad Mergentheim. 1991 infizierte ich mich als frisch gebackener Diplom-Journalist auf einer Reise nach Wladiwostok mit dem Russland-Virus. Rudimentär mit VHS-Russischkenntnissen ausgestattet hängte ich 1994 meinen Redakteursposten beim „fliegermagazin“ an den Nagel und siedelte von München nach St. Petersburg um. Dort schreibe ich seitdem als freier Journalist über alles, was mir aus Stadt und Land berichtenswert erscheint – unter anderem als Korrespondent des epd und des Logistik-Fachblatts „Verkehrsrundschau“. Momentan arbeite ich an meinem dritten und vierten Reiseführer über St. Petersburg. Meine Lieblingsjobs sind aber Städte- und Personenporträts für das Bordmagazin der Airline Swiss.