Russischer Fußball: Transfers zur Rückrunde

Abbildung: geralt CC0 Public Domain via Pixabay
image_pdfimage_print

Dieses Wochenende ging es wieder los. Die Russische Premierliga startet nach der Winterpause in ihre zweite Runde der Saison 2016/17. Wir, diesmal ganz sportlich, haben uns unter den 16 Vereinen umgesehen, um herauszufinden, was uns nach Ablauf der Transferperiode Neues erwartet.

Lange hat sich das Wechselkarussell gedreht, vermeintliche Verstärkungen wurden neu verpflichtet und perspektivlose Spieler abgegeben. Nun sind die Personalien bei den russischen Erstligaklubs wieder abgeschlossen, die Rückrunde kann beginnen. Die russischen Vereine, das kann man deutlich sehen, sind mittlerweile im weltweiten Vergleich attraktiv geworden. Noch lockt das große Geld, das viele Hochkaräter, trotz mitunter unwirtlichen klimatischen Arbeitsbedingungen, in die RFPL zieht. Die Höhe der Spielergehälter wird nicht weiter diskutiert – wer hat, der hat.

Insgesamt stellt die RFPL laut dem Online-Medium transfermarkt.de einen Marktwert von nahezu 700 Millionen Euro in den Raum. Bei 114 Abgängen zur Winterpause wurde demnach ein Erlös von knapp 54 Millionen Euro auf die Habenseite verbucht. Dem gegenüber stehen Transferausgaben in Höhe von etwa 30 Millionen Euro. Das wiederum entspricht unter den 16 im Erstligabetrieb vertretenen Vereinen einem Reinerlös von genau 23.730.000 Euro. Auf jeden Verein kämen dadurch, vereinfacht dargestellt, rund 1,5 Millionen Euro aus dem Transfergeschäft. Auf die tatsächlichen Transfersummen der Vereine wird im Folgenden noch eingegangen.

Im internationalen Vergleich rangiert Russland bei den Erlösen aus Spielerwechseln und bei den Auswirkungen auf den Marktwert insgesamt auf dem neunten Platz. Noch vor der spanischen LaLiga, der türkischen Süper Lig sowie der Liga NOS in Portugal und der Ehrendivisie der Niederländer. Den internationalen Vergleich führen diese Saison unangefochten die Chinesen an. Im Reich der Mitte gab man sage und schreibe über 400 Millionen Euro für neue Fußballspieler aus. Trotz Einnahmen von 135 Millionen Euro weist der Gesamtsaldo ein deutliches Minus von 266 Millionen Euro auf. Offenbar verfolgt man das Ziel, innerhalb möglichst kurzer Zeit die chinesische Super League auf Weltspitzenniveau zu pushen.

Überschaubare Transfersummen

Im russischen Vereinsfußball, der in der 5-Jahres-Wertung an sechster Stelle rangiert, agieren 398 Spieler, von denen 37,7 Prozent aus dem Ausland ,importiert‘ wurden. Der Marktwert betrage pro Spieler theoretisch im Durchschnitt 1,75 Millionen Euro, wird kolportiert. Wobei diese Zahl nur relativ gesehen werden darf, da alleine der Wert für den Niederländer Quincy Promes, beim Halbserien-Ersten Spartak Moskau in Diensten, mit 18 Millionen Euro veranschlagt wird.

Das meiste Geld für Neueinkäufe in der Winterpause gab der Vorjahresdritte und aktuell Tabellenzweite FK Zenit St. Petersburg aus. 8 Millionen Euro wurden für den Brasilianer Hernani gezahlt, um ihn aus seiner Heimat an die Newa zu locken. Das der Marktwert des zentralen Mittelfeldspielers lediglich auf 1,75 Millionen Euro taxiert ist, lässt darauf schließen, dass beim Gasprom-Klub längerfristig mit dem Spieler geplant werden soll. Zenits zweitteuerster Neuzugang, Torwart Andrej Lunew, wurde für 3,5 Millionen Euro vom Ligakonkurrenten FK Ufa zum Winter neu verpflichtet.

Die drei anderen Neuen im Team des viermaligen russischen Meisters, Johan Mollo, Ibrahim Tsallagow und Branislaw Iwanowitsch, nehmen sich mit 900.000 Euro verhältnismäßig bescheiden aus. Da Zenit jedoch seinen Mittelfeldstar Alexander Witsel für stolze 20 Millionen Euro in die chinesische Liga verkaufen konnte, verbucht man an der Newa ein stattliches Transferplus von 8,3 Millionen Euro. Auch bei Herbstmeister Spartak Moskau öffnete man großzügig den Geldbeutel für Investitionen auf dem Spielermarkt. Insgesamt wurden drei neue Spieler im Wert von über 9 Millionen Euro eingekauft, jedoch nur der Mittelstürmer Jura Mowsisian in die USA zu Real Salt Lake City abgegeben, sodass ein Transferminus von 6,35 Millionen Euro zu verzeichnen ist.

Der Sponsor zahlt…

Ebenso mit im Bunde der ,teuersten Drei‘ ist der FK Krasnodar. Die Südrussen, mittlerweile zu einer festen russischen Größe im internationalen Geschäft herangewachsen, leisteten sich den Schweden Viktor Claesson für zwei Millionen Euro und Christian Ramirez aus Ecuador für 1,5 Millionen Euro. Im Gegenzug wurde in der Defensive für 11,5 Millionen ausgemistet, sodass auch Krasnodar mit einem dicken Plus von 8 Millionen Euro in die Rückrunde gehen kann. Auch am Beispiel des AK Perm lässt sich beobachten, wie man Transfergelder optimiert.

Durch Leihgeschäfte und die Investition von gerade einmal 40.000 Euro waren beim Verein unweit des Ural die Ausgaben so gering als möglich gehalten worden. Durch Spielerverkäufe in Höhe von 5,85 Millionen Euro konnte so ein beachtliches Polster geschaffen werden. Der FK Ufa schließlich erwirtschaftete alleine mit dem Verkauf seines Torhüters Lunew an Zenit St. Petersburg 3,5 Millionen Euro. Die meisten der restlichen Vereine gaben sich mit Beträgen zufrieden, die sich im Rahmen von einigen hunderttausend bis deutlich unter drei Millionen Euro bewegten. Als wahrer Meister der Sparsamkeit entpuppten sich die Liga-Neulinge Tom Tomsk und Arsenal Tula sowie Rubin Kasan.

Dem Vergleich mit der deutschen ersten Bundesliga kann die russische Premier Liga getrost standhalten, denn die Gesamtbilanz der Wintertransfers nimmt sich hier mit einem Minus von über 20,5 Millionen Euro aus. Ausgaben also, die den Schuldenberg bei den einzelnen Vereinen beträchtlich anwachsen lassen. Bleibt nun die Frage, haben sich die Investitionen innerhalb der russischen Liga bisher rentiert? Sicherlich, für eine klare Antwort ist es noch zu früh, der wahre Wert wird sich erst am Ende der Saison herausstellen.

Als erste Bestandsaufnahme jedoch steht fest, dass mitunter die neuen Besen ganz gut kehren. Spartak Moskaus neuer Mittelfeldmann Aleksandr Samedow erzielte das einzige Tor in der Partie gegen den nun elftplatzierten Anschi Machatschkala. Bei Spartak wird man froh darüber sein, denn immerhin kostete er das kleine Vermögen von 3,5 Millionen Euro. Der nach einer Leihgabe wieder zu den Armee-Kickern von ZSKA Moskau zurückgekehrte Brasilianer Vitinho eröffnete den Torreigen zum 4:0 gegen Tom Tomsk. Als Neuzugang des Tages jedoch darf Federico Rasic gekürt werden. Der Argentinier kam ablösefrei zu Arsenal Tula und versenkte gleich in seinem ersten Spiel für seinen neuen Verein die beiden Treffer zum 2:0 Endstand gegen Ural Jekaterinburg. Wenn das kein gelungener Einstand ist.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.