Russischer Fußball: Premierliga in vollem Gange und Capello bekommt kein Geld

In der russischen Premierliga sind bereits sechs Spieltage absolviert. Zenit St. Petersburg marschiert ohne Punktverlust durch. In den Gruppenphasen der Champions League und der Europa-Liga sind vier russische Vereine vertreten. Nach der Sommerpause geht es auch bei den Länderspielen wieder los. Russland testet am 3. September gegen Aserbaidschan, bevor es am 8. September im ersten Spiel der Qualifikation zur Euro-2016 gegen Liechtenstein geht.

Fangen wir mit der Nationalelf an – nach der Pleite bei der WM in Brasilien und dem langen Hin und Her um einen möglichen Rauswurf des hochbezahlten Cheftrainers Fabio Capello gibt es ein neues Missgeschick, dass der Sbornaja die EM-Quali versalzt, bevor sie überhaupt angefangen hat: Capello und sein Trainerstab bekommen seit drei Monaten keinen Lohn, und die Aussichten, dass sich die Kassen beim Russischen Fußballverband (RFS) in nächster Zeit füllen werden, sind äußerst schlecht.

Diese unschöne Tatsache wurde am vergangenen Wochenende öffentlich und wächst sich gerade zu einem handfesten Skandal aus. Der RFS hat die acht Millionen Dollar, die von der FIFA für die Teilnahme in Brasilien überwiesen wurde, für die Tilgung eines ominösen Kredits ausgegeben, heißt es. Die russische Presse fragt sich berechtigterweise, wie sich der fehlende Lohn auf die Arbeit des Trainerstabs auswirken wird. Man muss kein Prophet sein, um diese Frage zu beantworten – unmotivierte Mitarbeiter sind ein Garant für das Scheitern jedes Projekts, und heiße es auch „Euro 2016“.

Nach dem 6. Spieltag der Premierliga gestaltet sich die Lage folgendermaßen: Zenit St. Petersburg steht mit 18 Punkten und einer Tordifferenz von plus 16 einsam an der Spitze, gefolgt von Dynamo Moskau mit 14 Zählern. Überraschend stark sind die „Südlichter“ Kuban Krasnodar (14 Punkte) und Terek Grosny (13 Zähler). Spartak Moskau folgt mit 12 Punkten, ebenso viele hat ZSKA Moskau auf dem Konto. Der siebte Spieltag beginnt am 13. September, nach der Länderspielpause.

Vier russische Vereine treten in Europa an

In die europäischen Wettbewerbe haben es vier der sechs angetretenen russischen Vereine geschafft. Zenit hat sich in der Qualifikation der Champions League erfolgreich zuerst gegen AEL Limassol und dann gegen Standard Lüttich durchgesetzt und trifft in der Gruppenphase nun zum Teil auf alte Bekannte: Benfica Lissabon warf die Petersburger 2011/2012 im Achtelfinale der Champions League aus dem Rennen und Bayer Leverkusen musste sich den blau-weiß-blauen Russen 2008 im Viertelfinale des UEFA-Pokals geschlagen geben. Gegen Monaco, den dritten jetzigen Gegner, hat Zenit zwar noch nie gespielt, aber im dortigen Stadion holten sich die Petersburger 2008 den UEFA-Supercup gegen Manchester United.

ZSKA darf als russischer Meister gleich in die Gruppenphase einsteigen. Als Gegner wurden den „Armeekickern“ die richtig harten Brocken zugelost: Bayern München und Manchester City, dazu der italienische Hauptstadtclub Roma. Die letztjährige Begegnung mit den Bayern ging bekanntlich in die Hosen –  die zwei Spiele erbrachten eine Tordifferenz von 1:6. Damals sprach Chefcoach Leonid Sluzki vom „kosmischen Fußball“ der Münchener, und jetzt bekommt er von seinen Kollegen den scherzhaften Ratschlag, für die Fahrt zum Auswärtsspiel doch bloß den Raumanzug einzupacken.

In der Europa-Liga wird Russland von Dynamo Moskau und Krasnodar vertreten. Dynamo spielt in einer Gruppe mit Estoril Praia aus Portugal, Panathinaikos Athen und PSV Eindhoven aus den Niederlanden. Krasnodar hat es als Europa-Debütant mit einem fulminanten 3:0-Qualifikationssieg gegen Real Sociedad überraschenderweise in die Gruppenphase geschafft und trifft nun auf das französische Lille, Everton aus England und die Wolfsburger „Wölfe“.

Ausgeschieden sind Rostow und Lokomotive Moskau. Während für die Südrussen allein die erstmalige Teilnahme im europäischen Wettbewerb eine wertvolle Erfahrung war, sorgt Lokos ruhmloses Aus für viel Gesprächsstoff. Der Trainerstuhl von Leoniud Kutschuk wackelt bedenklich, zumal Platz 8 in der Premierliga-Tabelle nicht das ist, was man sich bei den „Eisenbahnern“ vor Beginn der Saison vorgestellt hatte.

[sb/russland.RU]