Russischer Ex-Abgeordneter in Kiew erschossen

Foto: TV-Screenshot
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Der frühere russische Duma-Abgeordnete Denis Woronenkow wurde offenbar heute Morgen auf offener Straße in Kiew bei einem Schusswechsel getötet. Der mutmaßliche Täter sei ebenfalls durch Schüsse verletzt worden. Die Ermittler gehen von einem Auftragsmord aus.

Bei einer Schießerei vor dem Hotel ‚Premier-Palace‘ ist eine Person getötet und zwei weitere verwundet worden, hieß es zunächst aus Kiew. Der Kiewer Polizeichef Andrej Krischtschenko bestätigte später gegenüber dem ukrainischen Fernsehsender ‚112 Ukraina‘, dass es sich bei dem Getöteten um den in die Ukraine geflüchteten, ehemaligen russischen Duma-Abgeordneten Denis Woronenkow handele.

Der mutmaßliche Täter wurde offenbar bei dem Schusswechsel in der Kiewer Innenstadt ebenfalls angeschossen und wurde mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Mittlerweile sei der Verwundete festgenommen worden und sprach von einem Auftragsmord. Die Behörden prüfen nun seine Angaben. „Der Gestorbene ist identifiziert worden. Es ist ein russischer Politiker, ein ehemaliger Abgeordneter der Staatsduma. Ich kann bestätigen, dass das Denis Woronenkow ist“, sagte Krischtschenko. Bei dem zweiten Verwundeten handele es sich offenbar um einen Leibwächter des früheren kommunistischen Abgeordneten.

Franz Klinzewitsch, der für die Partei ‚Einiges Russland‘ in der Duma vertreten ist, bezeichnete den Mord „eine Provokation des ukrainischen Geheimdienstes SBU“, wie Nachrichtenagenturen berichteten. Der ukrainische Generalstaatsanwalt Juri Luzenko hingegen schrieb auf seinem Facebook-Account: „Das war die übliche demonstrative Strafe des Kremls für einen Zeugen“ und macht die Regierung in Moskau für den Mord verantwortlich.

Auch der ukrainische Präsident Pjotro Poroschenko verurteilte den Mord an Woronenkow. Für ihn säßen die Strippenzieher ebenfalls in Moskau. Zudem habe er von russischem „Staatsterrorismus“ gesprochen, wurde berichtet. Für ihn gäbe es eine Verbindung zu einem zweiten Vorfall am gleichen Tag, bei dem eine Lagerhalle Opfer von Flammen geworden sei. Im Kreml wies man derlei Vorwürfe scharf zurück und nannte sie „absurd“. Nichtsdestotrotz sei Denis Woronenkow wegen angeblicher Wirtschaftsdelikte und Betrugs von den russischen Behörden international zur Fahndung ausgeschrieben gewesen.

Der getötete Woronenkow gab der ukrainischen Staatsanwaltschaft Informationen über den ukrainischen Ex-Präsdienten Viktor Janukowitsch, hieß es. Woronenkow war für das Regime in Kiew ein wichtiger Zeuge im laufenden Verfahren gegen den 2014 geputschten und nach Russland geflüchteten ukrainischen Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch. Der 45-Jährige war im Oktober letzten Jahres mit seiner Frau Maria Maksakowa, einer bekannten Opernsängerin und ebenfalls Ex-Abgeordneten, in die Ukraine geflüchtet und habe dort die ukrainische Staatsbürgerschaft angenommen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.