Russischer Düngemittelhersteller Uralkali erweitert Abbaukapazitäten

Perm ist einer der wichtigsten Abbaustandorte für Kalidünger / Direktvertrieb ins Ausland wird gestärkt

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[Von Ullrich Umann/gtai] Die OAO Uralkali gehört zu den wichtigsten Bergbau- und Industriebetrieben in der Region Perm. Das Unternehmen plant 2014 umfangreiche Investitionen in seine Abbaukapazitäten für Chlorkali. Neues Abraumgerät soll angeschafft und die Stromversorgung ausgeweitet werden. Den Absatz strukturiert Uralkali zurzeit um und verhandelt nun direkt mit Großabnehmern. Das Vertriebskonsortium mit der Beloruskaja Kalinaja Kompanija hatte das russische Unternehmen 2013 aufgekündigt.

Uralkali will den Abbau von Chlorkali von 10 Mio. t im Jahr 2013 auf 13 Mio. t im Jahr 2014 und weiter auf 14 Mio. t im Jahr 2015 steigern. Wie der Generaldirektor der OAO Uralkali, Dmitri Osipow, gegenüber der Zeitung „Beresnikowski Rabotschi“ betonte, liegt die Kapazitätsauslastung seit Mitte 2014 annähernd bei 100%. Besonders von September bis Dezember 2013 wurde der Kaliabbau massiv gesteigert – um 61% im Vergleich zum analogen Vorjahreszeitraum. Mit der Steigerung der Ausbringung in der zweiten Jahreshälfte 2013 reagierte der Konzern auf den Preisverfall bei Chlorkali um 27%. Zwar wurde mit der Mengenzunahme der Preisverfall weiter angeheizt. Doch gelang es trotzdem, den Einnahmenverlust durch das Mehrangebot einzudämmen: bei 19%. Deshalb werden die für 2014 geplanten Investitionen in neue Abraumschächte im vollem Umfang realisiert. An eine zusätzliche Steigerung der Investitionen sei aber vorerst nicht gedacht, so Osipow abschließend.

Um neue Absatzmärkte zu erschließen, wurden Lieferabkommen mit Abnehmern in der VR China vereinbart – dem Land, in dem weltweit der meiste Chlorkali verbraucht wird. Demnach werden chinesische Großkunden 0,7 Mio. jato für einen Preis von 305 US$ pro Tonne kaufen.

Kunden in Brasilien sollen wegen der dort hohen Nachfrage sogar Preisanhebungen von 320 US$ auf 350 US$ pro Tonne für Kaligranulat akzeptiert haben. Nachdem Uralkali seine Exporte nach Asien angekurbelt hat, rückt das südamerikanische Land nun in der Exportstrategie immer stärker in den Fokus. Brasilien entwickelt sich zu einem der weltweit größten Sojaproduzenten mit einem dementsprechend hohen Düngemittelbedarf.

Uralkali investiert deshalb in die brasilianische Hafenwirtschaft. Der Konzern übernahm 25% des Aktienkapitals an der Equiplan Participacoes S.A. für einen Preis von 35 Mio. US$. Bei der Firma handelt es sich um den Betreiber eines Hafenterminals im brasilianischen Antonina. Nachdem sich dieser Schachzug als vorteilhaft erwiesen hat, weil dadurch Schiffe mit Düngemittel von Uralkali ihre Fracht wesentlich schneller löschen können, prüft der Konzern, Anteile an Hafenterminals in der VR China und in den USA zu übernehmen. Weitere perspektivreiche Kunden der Uralkali sitzen in Indien und in den Ländern Südostasiens.

Die drastische Abbausteigerung und die parallel erfolgende Internationalisierung des Absatzes waren nur möglich, da der Vorstand von Uralkali im Sommer 2013 eine neue Entwicklungsstrategie beschlossen hatte und aus dem Absatzkonsortium mit der Beloruskaja Kalinaja Kompanija (BKK) ausgestiegen war. Seither erfolgt der Absatz ausschließlich über die eigene Tochtergesellschaft Uralkali-Trading.

Obendrein vollzog sich bei OAO Uralkali, das an der Londoner Börse gelistet ist, eine Änderung der Besitzstruktur. Der Wechsel erfolgte Schlag auf Schlag: Im Juni 2013 fädelte Uralkali einen Rückkauf von Anteilen zum Vorzugspreis von der Forman Commercial Limited ein. Im Juli stieg ein weiterer Großaktionär, der Investitionsfonds IST, bei Uralkali aus. IST hat seine Anteile verkauft, da der Fonds Liquidität für den Ausbau seiner Kohleaktiva auf Sachalin und im Gebiet Magadan benötigt.

Im Gegenzug stieg im September 2013 die Cheng Dong Investment Corporation (CIC) mit 12,5% bei Uralkali ein, was die Geschäftsmöglichkeiten des russischen Düngemittelkonzerns auf dem chinesischen Markt deutlich verbesserte. Im Dezember übernahm die russische Onexim-Gruppe 21,7% der Anteile von der Suleyman Kerimov Foundation (die belarussische Regierung hatte im Moskauer Kreml wegen des Ausstiegs von Uralkali aus dem Vertriebskartell und des folgenden Preisverfalls für Kalidünger auf eine Änderung der Eignerstruktur gedrungen, da sie Kerimov als Hauptschuldigen betrachtete). Fast parallel dazu stockte die OAO OCHK Uralchim ihre Anteile an Uralkali auf 19,99% auf.

Der Uralkali-Vorstand verkündete nur kurze Zeit später, am 23.12.2013, die Ernennung von Dmitri Osipow zum neuen CEO. Sein Vorgänger, Wladislaw Baumgertner, war bei einem Arbeitsbesuch in Minsk von der weißrussischen Justiz festgesetzt worden. Diese klagte ihn an, mit dem Ausstieg der Uralkali aus dem Absatzkonsortium BKK seine Befugnisse überschritten zu haben. Zwar durfte Baumgertner in der Zwischenzeit nach Russland ausreisen, doch verpflichtete sich die russische Justiz, ihn bis zum Abschluss des Verfahrens in Belarus unter Hausarrest zu stellen. Mit der Ernennung des neuen CEO wurde Uralkali zum Jahresende wieder voll handlungsfähig.