Russische Weltrekordlerin taucht ab, aber nicht mehr auf

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La Savina – Das Mittelmeer gerät derzeit ganz schön heftig in die Schlagzeilen. Erst die nicht enden wollenden Tragödien um die Flüchtlingsschiffe, die ihre Opfer zu beklagen haben, und nun hat es scheinbar auch noch die russische Tauchlegende Natalia Moltschanowa verschluckt. So wie es sich abzeichnet, wurde der Weltrekordlerin ihre Leidenschaft zum Verhängnis.

Schwimmen konnte sie, Wasser war ihr Element. Sie hielt 41 Weltrekorde im Freitauchen und gewann 23 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften. Zudem war sie in der Lage neun Minuten die Luft anzuhalten und tauchte mit Flossen in 101 Meter Tiefe. Sie galt unbestritten als beste Freitaucherin der Welt. Und trotzdem scheint dieser Tauchgang vor der balearischen Ferieninsel Formentera am vergangenen Sonntag ihr Letzter gewesen zu sein. Laut der örtlichen Zeitung „Diario de Mallorca“ bestehe keine Hoffnung mehr, die Taucherin noch lebend zu finden.

In einer Stellungnahme bestätigten die Familie der wahrscheinlich verunglückten Taucherin zusammen mit dem Welt-Taucherverband „Aida“, dass Moltschanowa ohne Schwimmflossen in eine Tiefe von etwa 30 bis 40 Meter hinabtauchen wollte. Eigentlich keine allzu große Herausforderung für sie. Da das Mittelmeer an dieser Stelle bis zu 65 Meter tief ist und zudem eine starke Unterwasserströmung aufweist, steht zu befürchten, dass die Taucherin mittlerweile weit abgetrieben ist. Das letzte Mal sah man sie etwa 60 Meter von ihrer Tauchstelle entfernt, bevor sie endgültig verschwand.

Sofort eingeleitete Suchmaßnahmen von Küstenwache und Rettungstrupps blieben bislang erfolglos. Auch ein eingesetzter Tauchroboter einer Spezialfirma brachte keine Ergebnisse mit an die Wasseroberfläche. Die Unterwassersuche wurde inzwischen wieder eingestellt. Nun wird nach Angaben der Guardia Civil in den kommenden Tagen mit zwei Booten verstärkt die Wasseroberfläche und die Küstenlinie nach der 53-Jährigen Russin abgesucht.

Indes, viel Hoffnung scheint nicht mehr zu bestehen. Natalia Moltschanowa, die erst mit 40 Jahren mit ihrer Disziplin, dem sogenannten Apnoe-Tauchen, begann, hinterlässt zwei erwachsene Kinder und wird von ihren Taucherkollegen zutiefst betrauert. Die Fachwelt spricht von einem „unglaublichen Verlust“.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.