Russische Touristen haben immer weniger direkte Auslandsziele

Russische Touristen haben immer weniger direkte Auslandsziele

Die beiden Meldungen drehen sich um dieselbe Kernaussage der russischen Reisebranche: Im Sommer 2026 können Reisende aus Russland voraussichtlich nur noch 31 bis 32 Länder per Direktflug erreichen. Das sind rund 25% weniger als im Winterflugplan, in dem noch bis zu 43 Auslandsrichtungen verfügbar waren. Die Zahlen stammen von der russischen Tourismusvereinigung ATOR.

Besonders zugespitzt ist der Vergleich mit der späten Sowjetzeit. Laut ATOR war das Netz internationaler Direktverbindungen selbst während des „Eisernen Vorhangs“ deutlich breiter: Gegen Ende der 1980er-Jahre habe es Direktflugverbindungen in etwa 100 Länder gegeben. Heute sei die Zahl also etwa dreimal niedriger — wobei ATOR daran erinnert, dass einige heutige Auslandsziele damals noch als Inlandsziele innerhalb der UdSSR galten.

Für den Massentourismus ist die Lage noch enger. ATOR schätzt, dass im Juni 2026 auf direkten Flügen realistisch nur noch höchstens anderthalb Dutzend Länder für breite touristische Nachfrage übrig bleiben. Das formale Angebot von 31 bis 32 Ländern umfasst also auch Ziele, die für klassische Pauschal- oder Badereisen kaum relevant sind.

Als Gründe nennt ATOR mehrere Entwicklungen zugleich: Wegen Treibstoffkosten und geopolitischer Probleme gibt es keine direkten Flüge nach Kuba und Venezuela; der Nahost-Konflikt hat Verbindungen nach Kuwait und Bahrain getroffen; im April verschwanden Flüge nach Algerien aus dem Flugplan; außerdem stellte Aeroflot Direktflüge auf die Seychellen mindestens bis zum Herbst ein. Hinzu kommen Beschränkungen beim Verkauf von Pauschalreisen in mehrere Länder des Nahen Ostens, darunter Israel, Iran, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Saudi-Arabien.

Die Meldungen zeichnen damit ein Bild einer stark geschrumpften internationalen Mobilität Russlands. Auf dem Papier bleiben zwar noch einige Direktverbindungen bestehen, doch für gewöhnliche Urlaubsreisen wird die Auswahl deutlich kleiner. Der Vergleich mit der Sowjetzeit soll zeigen, wie drastisch die geografische Reichweite russischer Flugreisen inzwischen eingeschränkt ist.

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