Russische Kunst kommt in Berlin online unter den Hammer

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Berlin – Am Mittwoch, dem 18. Februar, um 18 Uhr findet in Berlin unter dem Namen „Russische Kunst & Ikonen“ die erste rein russische Online-Versteigerung des noch jungen Auktionshauses Auctionata statt. Im Angebot sind 100 Stücke aus vier Jahrhunderten – von Ikonen über feinste Fabergé-Ware bis zu avantgardistischen Sowjet-„Propagandatellern“ aus den 1920er Jahren. Russland.RU sprach mit den Organisatorinnen dieser ungewöhnlichen Auktion.

Der Westen und Russland sind sich im Moment alles andere als grün – deshalb stellt sich schnell die Frage: Hat es einen Sinn, in diesen mürrischen Zeiten russische Kunst anzubieten? Rümpfen die Kunden nicht eher die Nase und wenden sich mit einem „Nein danke!“ ab? Victoria Kisseleva vom Department für Nachlässe und Sammlungen des Auktionshauses ist da ganz anderer Meinung:

„Russische Kunst ist immer aktuell“

„Natürlich hat die politische Lage Einfluss, aber die Krise, die wir im Moment erleben, betrifft alle Gebiete. Und die Menschen suchen in solchen Zeiten Wertanlagen. Deshalb ist der Moment nicht schlecht, um in Kunst und Antiquitäten zu investieren. Außerdem ist russische Kunst auf dem Markt immer aktuell. Jedes Auktionshaus kommt irgendwann zur russischen Kunst; diese konkrete Versteigerung ist auch gut für die Entwicklung unseres Hauses.“

Russische Kunst ist seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner auf dem europäischen Markt. Nach der Revolution von 1917 flohen Hunderttausende Menschen, vor allem aus den reichen Adels- und Kaufmannsschichten, vor der „roten Flut“ ins Ausland, ihre Kunstsammlungen wurden ausgeplündert, nationalisiert, zum Teil landeten sie durch gezielten Verkauf durch die ewig klamme Sowjetregierung im Westen. Auch viele Gegenstände, die auf dieser Auktion angeboten werden, könnten sicher eine Geschichte erzählen über den turbulenten Weg, den sie durch die Irrungen und Wirrungen des 20. Jahrhunderts zurückgelegt haben.

Ein Beispiel unter vielen ist die unter Nr. 46 angebotene Obstschale aus dem Haus des Hoflieferanten Karl Fabergé (https://auctionata.de/o/101833/faberge-obstschale-mit-monogramm-moskau-1899-1908). Hergestellt 1908 in Moskau, war sie im Besitz von Eduard Kirschten, dem deutschen Besitzer der Petersburger Gummifabrik „Skorochod“, die die damals weit bekannten und beliebten Galoschen produzierte. Seine Vorfahren waren bereits 1825 in die damalige russische Hauptstadt gekommen. Auf der fein gearbeiteten Silberschale prangt denn auch das Monogramm „K“. Sicher hatte diese Schale einst im Stadthaus der Familie Kirschten ihren Platz – das eklektische Bauwerk steht bis heute am Rande der Petersburger Innenstadt und hat ebenfalls eine wechselvolle Geschichte hinter sich – vom Matrosenclub bis zum Stadtteil-Büro der KPdSU; heute beherbergt es einen Jugendclub.

„Neue Generation von Kunstsammlern ohne Ressentiments“

Luisa Elster, die PR-Managerin des Unternehmens, erklärt, wie es bei einer Online-Auktion vonstatten geht: „Es ist in gewisser Weise ähnlich wie bei konventionellen Saal-Auktionen. Es gibt den Auktionator mit dem Hammer, die Stücke werden vorgestellt. Aber die Bieter sitzen nicht im Raum, sondern sind in der ganzen Welt zugeschaltet. Ein Videostream zeigt das jeweilige Objekt dreidimensional. Die Versteigerung läuft in Echtzeit vor laufender Kamera.“

Das Format bezeichnet sie als „revolutionär“: „Die neue Generation der Kunstsammler hat keine Berührungsängste mehr. Besonders sichtbar ist das auf dem asiatischen Markt, wo die Technik viel weiter fortgeschritten ist – dort versteht man die zum Teil noch herrschenden Ressentiments der Europäer nicht.“

Und noch ein Hinweis: Auf der Seite https://auctionata.de/s/223/russische-kunst-und-ikonen-januar-2015 werden alle Objekte der Versteigerung vorgestellt; dort ist es auch möglich, sich für die Auktion am 18. Februar anzumelden.

[sb/russland.RU]