Russische Baukrise bremst Absatz von Sanitärtechnik

Deutsche Anbieter behalten Chancen bei privaten Bauinvestoren

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Von Ullrich Umann Moskau (gtai) – Die Absatzchancen deutscher Hersteller von Sanitärtechnik verschlechtern sich in diesem Jahr. Baukrise und Protektionismus schlagen unmittelbar durch. Inländische Anbieter spielen ihren Preisvorteil aus. Bei den verwendeten Materialien geht der Trend zu Polymeren. Diese lösen Metalle, unter anderem Gusseisen und Stahl, ab. Unter den Lieferländern sind Hersteller aus der VR China gut im Rennen. Deutsche Firmen liegen auf Platz zwei und gelten als Premiumanbieter.

Russlands Markt für Sanitärtechnik schwankt im Wert zwischen 6 Mrd. und 7 Mrd. US$ p.a. Dies geht aus Zahlen der Discovery Research Group hervor. Im Jahr 2014 lagen die Verkaufszahlen eher an der unteren Grenze dieses Korridors. Die gesamten Bauinvestitionen fielen im genannten Zeitraum um 4,5% laut Rosstat. Für 2015 ist keine Trendwende in Sicht. Die Einbrüche dürften eher noch stärker ausfallen.

Der Staat und die private Wirtschaft werden 2015 weniger in Bauvorhaben investieren. Die geplanten Ausgabenkürzungen im staatlichen Haushalt betragen für den Hochbau 10%. Angesichts ungewisser Verkaufs- und Vermietungsaussichten für Immobilien jeglicher Zweckbestimmungen halten sich auch private Bauinvestoren kurz- bis mittelfristig zurück. Zudem bleiben Finanzierungen 2015 teuer und schwer zugänglich. Die Baukrise trifft sowohl inländische als auch ausländische Hersteller von Sanitärtechnik.

Importware mit Preisnachteilen

Inländische Hersteller von Sanitärtechnik können sich gegenüber ausländischen Wettbewerbern jedoch leichte Vorteile ausrechnen – aus zweierlei Gründen: Zum einen bewirkte die starke Abwertung des Rubels gegenüber dem US-Dollar und dem Euro Ende 2014 einen Anstieg der Importpreise, was die Wettbewerbslage inländischer Anbieter verbesserte. Zum anderen werden in öffentlichen oder öffentlich geförderten Bauvorhaben aus industriepolitischen Gründen importierte Baumaterialien und Baustoffe (einschließlich Innenausbau und Sanitärtechnik) durch Waren „Made in Russia“ ersetzt.

Deutsche Anbieter konzentrieren ihren Vertrieb auf private Bauinvestoren

Ausländische Hersteller können sich im Absatz fast nur noch auf rein privat finanzierte Bauvorhaben und auf den Premiumbereich verlassen. Dazu gehört die Errichtung von Vier- und Fünf-Sterne-Hotels oder exklusiven Privathäusern und Wohnungen. Jedoch wurde im April 2015 der Bau von 24 Hotels an den Austragungsorten der Fußball-WM 2018 ersatzlos gestrichen. Andere geplante Gästehäuser werden um jeweils einen Stern zurück gestuft – die Inneneinrichtung fällt damit weniger exklusiv aus. Trend geht zu Badewannen aus Acryl-Kunststoff

Bei Badewannen findet aktuell eine Verschiebung bei den verwendeten Materialien statt. Zwar hält Gusseisen mit 47% des Umsatzes immer noch den größten Anteil, aber der Absatz ging 2013 um 4% gegenüber dem Vorjahr zurück. Der Verkauf von Badewannen aus Stahl sank sogar um 13%. Dagegen legte der Absatz von Badewannen aus Acryl um 8% zu – ein Trend, der sich 2015 und darüber hinaus fortsetzt. Unter dem Strich schrumpfte der Gesamtmarkt für Badewannen 2013 um 4%.

An Mischbatterien wurden 2013 rund 29,5 Mio. Stück verkauft. Dies bedeutete im Vorjahresvergleich einen Rückgang der Absatzmenge um 9% und Mindereinnahmen von 4%. Dieser Einbruch traf in- und ausländische Hersteller gleichermaßen.

Der Absatz von Sanitärkeramik stieg 2013 um 3% auf 13 Mio. Stück. Hier haben inländische Hersteller mit einem Marktanteil von 70% eindeutig die Nase vorn gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Da heimische Hersteller in der jüngsten Vergangenheit in Fertigungstechnik investiert haben, hat sich die Qualität der inländischen an die der importierten Erzeugnisse weitgehend angeglichen. Dennoch waren die Verkaufspreise inländischer Hersteller günstiger als die eingeführter Ware.

Knapp 20 Firmen fertigen Keramikerzeugnisse

Mit der Herstellung von Sanitärkeramik beschäftigen sich knapp 20 Unternehmen. Zu den größeren gehört die OAO Strojpolimerkeramika. Sie vertreibt ihre Erzeugnisse unter dem Markennamen Santeri. Qualitativ hochwertige Sanitärkeramik produziert auch die ZAO Kirowskaja Keramika. Weitere bekannte Hersteller sind die ZAO Lobnenskij Zawod Strojfarfora, OAO Zawod Keramitscheskich Izdelij (Uralkeramika), OAO OSMiBT und ZAO Zawod Strojfarfor.

Die italienische Roca Sanitario S.A. hat als größter ausländischer Brancheninvestor den Hersteller Keramika übernommen. Inzwischen fertigt Roca in drei russischen Betrieben. Dabei handelt es sich um die OOO Roca Santechnika, OOO Russkaja Keramika und ZAO Santech. Dem Investor ist es nach eigenen Angaben gelungen, europäische Technologie und Standards mit dem lokalen Geschmack zu verbinden.

Der Import von Sanitärtechnik aller Ausgangsmaterialien betrug 2013 knapp 680 Mio. US$. In den Export gingen Waren im Wert von knapp 15 Mio. $. Eingeführt wurden zu 30% Erzeugnisse aus Kunststoff, zu 22% aus Keramik und zu 16% aus Metall. Bei den importierten Warengruppen überwogen Mischbatterien mit einem Anteil von 33%. Auf Waschbecken entfielen 14%, auf Duschkabinen 13%, auf Wannen 10% und auf WC-Keramik 9%. Importiert wurde zu 47% aus der VR China und zu 13% aus Deutschland. Auf den Plätzen folgten Spanien, die Ukraine, Polen, die Türkei und Italien.