Russisch-ukrainischer Gefechtslärm

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[Hanns-Martin Wietek] Am Freitag wurde vom TV-Sender Rossija-24 die Befragung eines der Gefangenen durch den FSB und die gefundene Ausrüstung für das Attentat veröffentlicht.

Der Gefangene gab zu, vom Geheimdienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums engagiert worden zu sein und von dort seine Weisungen bekommen zu haben. Er sei am Tag des Attentats telefonisch zum Ort des Attentats geleitet worden, habe dort Gefechtsfeuer gehört und sei kurz danach vom FSB festgenommen worden.

Der ukrainische Präsident Poroschenko bestreitet die Vorwürfe und hat die Truppen an der Grenze zum Donbass und der Krim in Alarmbereitschaft versetzt.

Premierminister Medwedew nennt den Attentatsversuch ein Verbrechen gegen das russische Volk und schließt nicht aus, dass Präsident Putin als letztes Mittel die diplomatischen Beziehungen zur Ukraine abbrechen könnte – was er sehr  bedauern würde.

Schon zu einem früheren Zeitpunkt hatte der Sprecher des Präsidenten den Vorschlag eines Abgeordneten des ukrainischen Parlaments, die diplomatischen Beziehungen zu Russland abzubrechen, als eine Initiative bezeichnet, die an „Wahnsinn grenzt“.
Der ukrainische Verteidigungsminister hat sich ebenfalls gegen diese Initiative ausgesprochen.

Medwedew bedauert, dass der Attentatsversuch, den er als einen Ablenkungsversuch bezeichnet, „von einem Land in unmittelbarer Nähe der Ukraine“ gut geheißen wurde.
„Ich kann nur noch einmal, wie Wladimir Putin, unser Bedauern ausdrücken, dass das Vorkommnis von einem Land in unserer Nähe gut geheißen worden ist, wenngleich unsere Beziehungen zu diesem Land im Augenblick nicht sehr einfach sind.“

Der ukrainische Verteidigungsminister hat laut über die Einführung von Visa zwischen den Ländern nachgedacht. Als Reaktion kam aus dem russischen Außenministerium via der Sprecherin Sacharowa, er solle doch mal in seinen ungeschönten Statistiken nachschauen, wer bei der Einführung von Visa der Leidtragende wäre: Für die unzähligen Ukrainer, die in Russland arbeiten, wäre das ein schwerer Schlag.
„Wenn die Ukraine reale anstatt utopische Statistiken hat, die nicht zur Gehirnwäsche der Bürger dienen, studieren sie diese und erklären sie sie den Bürgern. Dann werden die Bürger genau verstehen, wer durch die Einführung von Visa leiden wird.“

Die russischen Truppen auf der Krim erhalten das S400-Raketenabwehrsystem, mit dem Flugzeuge, Marschflugkörper und ballistische Raketen abgeschossen und auch Bodenziele bekämpft werden können. Mitte Juli wurde schon angekündigt, dass das System im August geliefert wird.

Die Ukraine hat das russische Außenministerium aufgefordert, der in der Ukraine anwesenden OSZE-Kontroll-Kommission, den Zutritt zur Krim zu gestatten. Russland hat dies mit der Begründung abgelehnt, dass der Überwachungsauftrag der Kommission sich auf das aktuelle Staatsgebiet der Ukraine beziehe. Die Krim sei russisches Hoheitsgebiet. Man habe zwar dafür Verständnis, dass westliche Länder so viel wie möglich über das Geschehen auf der Krim wissen wollten, man würde sie jedoch nach russischer Auffassung ausreichend informieren.
(hmw/russland.news)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.