„Ruhr Universität Bochum“ schlägt Russland im Finale der Fußball-EM

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Osijek/Bochum – Es gibt Titel zu gewinnen, von denen wir nie gedacht hätten, dass es sie überhaupt gibt. Einer davon ist der Europameister der Hochschulmannschaften im Fußball. Und den holt ausgerechnet Bochum gegen Russland. „Der Pott ist im Pott“, überschlug sich die Westdeutsche Sportgazette „Reviersport“ vor Überschwang. Von den frischgebackenen Europameistern war indes noch nicht allzu viel zu hören, die feiern aber vermutlich noch.

Wie kam es überhaupt dazu? Mit der Nase drauf gestoßen haben uns die Freunde von den „11Freunden“, dem Magazin für Fußballkultur, mit einem Interview mit dem Spielführer der Mannschaft, Christian Mengert. Der sprach so pathetische Worte, es sei „wie 1954 gegen Ungarn“. Diese Überschrift begeistert. Sie weckt Erinnerungen, als man noch beim örtlichen Rundfunkladen mit unüberschaubaren Gleichgesinnten vor dem Schaufenster stand. Oder aber vor dem Heinzelmann-Radio, mei‘ der Grundig Maxl, hab ihn selig. Wie gegen Ungarn also.

Im Gunde genommen schien es den Hochschul-Recken, die sich da im kroatischen Osijek mit der Elite des Hochschulsports maßen, auch herzlich wurscht, wie das alles weitergehen würde. Finale, das war das Ding. Gegen Russland – da hat man bereits in der Vorrunde mit 0:3 den Kürzeren ziehen müssen. Aber: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Bochum gegen Russland. Die Sensation im Ruhrpott war perfekt. Ok, wenngleich auch nur im kleineren Rahmen. Die Jungs von der Uni waren jedenfalls stolz wie Bolle. „Ruhm und Ehre und eine sicherlich unvergessliche Partynacht“ würde ihnen beschert werden, brachte es der Kapitän auf den Punkt.

Ein erneutes „Wunder“ aber kein Jux

„Das ist für uns ein Wunder“, wusste dagegen Adam Frytz, der Trainer des Teams, nach dem Finale fast vor Stolz platzend, dem „Revierport“ gegenüber. „RUB11“ nennt sich sein Team, das dieses „Wunder vom Osijek“ vollbracht hat. Ein zusammengewürfelter Haufen Studenten, von denen sich jedoch ein Großteil in den Vereinen der Regional-, Kreis- und Bezirksklassen findet. Anders als der Gegner dieses Finales. Der nennt sich mit stolzer russischer Heldenbrust „Kuban State University“ und war mit 120.000 Euro vom russischen Staat gesponsert worden. Und für jeden Spieler, im Falle eines Titelgewinns, noch 1.000 Euro privat obendrauf.

Am Ende standen sich dann Ruhm und Ehre, pardon die Party nicht zu vergessen, gegen jede Menge Schotter nach zwei Spielzeiten, die jeweils unentschieden 0:0 verliefen, im Elfmeterschießen gegenüber. Dem Anführer der Studenten, Christian Mengert war es bereits im Vorfeld recht. 6:5 gegen die Türkei im Viertelfinale, nach Penaltyschießen-Entscheidung natürlich, und ein 4:1 mit gleichem Prozedere im Halbfinale gegen Frankreich, setzen einfach die deutsche Tradition des Elfmeterdramas konsequent fort. Respekt vor den Russen hätten sie ja schon gehabt, verrät Trainer Frytz. Eine richtig gute Truppe und total eingespielt, resümiert der Coach.

Kein Wunder sagt er. schließlich würde bei denen drei mal die Woche trainiert und sie seien mit einer ganzen Delegation mit Ärzten und Dolmetschern angereist. Die Ruhr-Uni, mit lediglich einer Fete im Hinterkopf, de facto als Outlaw. Und dann gewinnen die das Aug-in-Aug Duell glatt mit 4:2. Mitunter scheint der Fußballgott ja dann doch noch ein Ohr für die unteren Belange zu haben. Trainer Frytz sieht das jedoch wesentlich pragmatischer. Die Russen hätten sich immer gleich auf ihre Zimmer verzogen, „wir haben uns unter die Leute gemischt.“. Wenn das denn das Erfolgsrezept ist, so let’s paty on. Die Sympathie der anderen Teilnehmer waren den Deutschen auf alle Fälle gewiss.

Allerdings gibt er bei aller Euphorie auch zu denken, dass die U-19 in Deutschland höher hängen würde. Aber dennoch, „man sollte das Ganze nicht als Jux-Veranstaltung abstempeln.“ Der Erfolg und die Resonanz in der Heimat gibt dem Coach recht. Von den Jungs dagegen hört man immer noch nichts. Sie werden wohl, obgleich bereits wieder in der Heimat angekommen, immer noch Party machen. Sei es ihnen vergönnt…

Hier kann man das Interview mit dem Spielführer nachlesen und hier das mit dem Trainer.

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.