Rio 2016: Medaillenregen zum Endspurt

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Leben Totgesagte am Ende doch länger? Russland wehrt sich gegen die Olympische Missgunst und lässt Taten und Medaillen folgen. Das Unterfangen die russische Olympiamannschaft zur Erfolgslosigkeit zu dezimieren ist bisher nicht aufgegangen. Die Lorbeer-Bilanz auf der Zielgeraden.

Ja, gemein sind’s ja schon, diese Russen. Da macht man ihnen das Leben zur Hölle, schließt aus, was es auszuschließen gibt und dann halten die sich einfach nicht daran. Ungeachtet dessen, dass der größten Sportnation der Welt, soweit die Eigenwerbung, für die Olympischen Spiele 2016 nur ein Skelett an potentiellen Medaillengewinnern zur Verfügung stand, holen sie bisher das Bestmögliche aus ihrer Situation. Insgesamt 37 Edelmetall-Trophäen und der zwischenzeitlich vierte Platz im Medaillenspiegel sprechen für sich.

Wenn der Rumpf trumpft

Besonders hervorgetan haben sie sich dabei bei den Olympischen Klassiker in den einzelnen Disziplinen. Allen voran die Kunstturner, sowohl bei den Herren, als auch bei den Damen, haben inzwischen sieben Medaillen im Gepäck. Einmal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze. Das zeugt einmal mehr von der seit eh und je beständigen Stärke Russlands an den Turngeräten.

Allerdings sieht die Bilanz bei den Fechtdisziplinen nicht schlechter aus. Hier hagelte es gleich vier Goldmedaillen, eine aus Silber und Bronze konnte zweimal auf die Habenseite verbucht werden – Respekt! Auch in den weiteren Sportarten, in denn Russland Trophäen gewinnen konnten, glänzte die Olympiaauswahl durchwegs mit guten Leistungen. Selbst die lang umstrittenen Kanuten und Schwimmer konnten ordentlich für ihr Land punkten.

Und was wären die diesjährigen Olympischen Spiele ohne ihre Skandale gegenüber den russischen Sportlern. Nach den Missfallensbekundungen von Konkurrenz und Publikum, die die Silbermedaillenschwimmerin Julia Jemifowa im wahrsten Sinne des Wortes ausbaden musste, hat es nun den Boxer Jewgeni Tischtschenko. In seiner Klasse bis 91 Kilogramm sahen die Punktrichter den Hünen aus Belgorod als eindeutigen Sieger der Goldmedaille.

Einmal mehr sahen sein Gegner, der glatzköpfige Kasache Wassili Lewit, sowie das Publikum auf den Rängen alles ganz anders. Pfiffe und Buhrufe während der Siegerehrung, der nächste Eklat war perfekt. Im Gesamtbild zeigten diese Olympischen Spiele die hässliche Fratze des Sports, wenn er nur dem Wohlwollen der Funktionäre dient. Sicherlich, es waren nicht die ersten Spiele, in denen die Politik das Sagen hatte. Aber sicherlich waren es diesmal die Ekelhaftesten.

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.