Rio 2016: Medaillenflut der Gesetzlosen

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[Von Michael Barth] – Auch wenn man Russland, wie von der „Bild-Zeitung ehern zelebriert, im Medaillenspiegel einfach ignoriert, hagelte es bereits Olympische Medaillen en masse für die russische Rumpfmannschaft. Das Olympiateam Wladimir des Schrecklichen lässt sich eben nicht so einfach in die Knie zwingen wie man möchte, das sollten auch die größten Hetzer inzwischen begriffen haben.

Den größten Treffer bisher im Spiel der Intrigen um politische Balzgebaren landete vorerst wohl die Fechterin Jana Jegorian mit ihrem Säbel. Nicht alleine wegen der goldenen Trophäe, die sie damit gewann, sondern in erster Linie, weil sie das Sprachrohr aller hiesigen Russlandbasher, eben jener berüchtigten „Bild“-Zeitung, dazu nötigte eine umfassendere Meldung abzuringen. Jegorian konnte sich erfolgreich gegen – Achtung auch noch Silber! – ihre Landsmännin und Weltmeisterin Sophia Welikaja durchsetzen. Bronze holte sich die zweifache ukrainische Weltmeisterin Olga Charlan.

Schon am Sonntag „erschoss“ Witalina Bazaraschkina die Silbermedaille mit der Luftpistole. „Das ist unsere Antwort an all diese Neider. Die endgültige Antwort werden wir am Ende der Spiele sehen“, gab sich der Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russlands, Alexander Schukow, kämpferisch. Um die unschönen Szenen nach dem Wettbewerb im 100-Meter Brusschwimmen kümmerte sich derweil die Fraktion der Anti-Russland-Befürworter. Als feststand, dass das Olympische Silber an Julija Jefimowa ging, begann für die frischgebackene Vize-Olympiasiegerin ein regelrechter Spießrutenlauf.

Neid, Missgunst und die hässliche Seite des Sports

Bereits im Wasser wurde Jefimowa von ihren Konkurriert und wurde vom Publikum mit Pfiffen und Buhrufen bedacht. Als sie dann noch das Spalier der Pressevertreter durchlaufen hatte, brach sie endgültig ungehemmt in Tränen aus. „Versuchen Sie mich zu verstehen und sich in meine Rolle hineinzuversetzen“, wandte sie sich anklagend an die Weltpresse. Sicherlich, Julija Jefimowa hatte in der Vergangenheit gedopt. Genauso wie manch andere Athleten aus aller Herren Länder auch, dennoch wurde sie nach Verbüßung ihrer Strafe in allerletzter Instanz rehabilitiert. Die Konkurrenz weigerte sich beharrlich ihr zu gratulieren und fand alles nur noch „zum Kotzen“. Man sieht, die Blüten die der Hass hervorbringt, sind hässlich.

Drei weitere Silbermedaillen gewann schließlich die russische Mannschaft der Kunstturner. Auch drei Bronzemedaillen befinden sich letztendlich bereits im Gepäck der russischen Auswahl. Bei den Damen war die Judoka Natalia Kuziutina unter den Gewinnerinnen, im Fechtwettbewerb der Herren Timur Safin beim Fechten mit dem Florett im Einzel. Den momentan finalen Schuss im Reigen auf dem Treppchen setzte der Luftgewehrschütze Wladimir Maslennikow aus der 10-Meter-Distanz.

Im Medaillenspiegel rangiert Russland mit zwei Goldenen, fünf Silbernen und drei Bronzenen Trophäen auf dem siebten Platz. Indes, die russischen Erfolge scheinen diesmal fair erkämpft und so kann man getrost das Fazit ziehen, dass Neid und Missgunst im Sport die schlechtesten Berater sind. Wir harren der Dinge…

[Michael Barth/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.