Rio 2016: Maulkorb für ukrainische Athleten

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Reden ist Silber, schweigen ist Gold. Auf diese alte Volksweisheit setzt der ukrainische Sportminister Igor Schdanow während der Olympischen Spiele in Rio. Er wies das Olympiateam seines Landes an, jeglichen Kontakt zu russischen Medien zu verhindern. Offenbar stieß er damit jedoch auf Unverständnis.

Via Facebook teilte der Minister mit, dass seine Instruktionen einer „schwierigen Unterredung“ mit seinen Sportlern bedurften. Offen gestanden verstehen wir seinen Maulkorberlass auch nicht so richtig. War nicht seit jeher die Rede davon, dass die Olympischen Spiele der Völkerverständigung, zumindest der Annäherung zu Diensten sein sollen?

Weiter führt Schdanow an, einige seien sich nicht einmal bewusst, von „russischen Propagandisten“ ausgenutzt zu werden. Tja, da war sie wieder, die ekelhafte Kollaboration zwischen Politik und Sport. Auch wenn die Konflikte zwischen Kiew und Moskau das Tagesgeschehen bis zum Brechreiz bemühen, bestand ein Funken Hoffnung, die alltäglichen Streitigkeiten, zumindest für die Dauer der Veranstaltung, beiseite zu legen.

Sprich nicht mit dem Russen

Sportminister Schdanow begründet seine Reaktion mit einer in Russland ausgestrahlten Fernsehreportage, in der sich ukrainische Sportler mit russischen Athleten solidarisch zeigten. Wie es derzeit nicht anders sein könnte, geht es natürlich einmal mehr um das vermeintliche oder tatsächliche Doping und den Ausschluss der russischen Athleten von den Olympischen Spielen in Rio.

So äußerte sich zum Beispiel die ukrainische Läuferin Natalija Pogrebnjak in dem TV-Beitrag, dass „mit zweierlei Maß gemessen“ werde . Und auch wenn es den Verantwortlichen nicht ins Konzept passt, muss man ihr recht geben, wenn sie sagt, es ginge nicht mit rechten Dingen zu, wenn Olympiateilnehmer aus den USA nach der Verbüßung ihrer Strafen für gleiche Fälle in Rio an den Start dürften, die russischen Athleten ohne Doping-Vorgeschichte hingegen nicht.

Da ist er dann, allen Unkenrufen zum Trotz, wieder aufgetaucht – der eigentliche Olympische Gedanke, der einen derartigen Sport-Event zu einem wahren Fest machen kann. Ursprünglich sollte diese Offenbarung durch aufsteigende weiße Tauben symbolisiert werden, bis es 1988 in Seoul zu einem flammenden Inferno kam, als sich die Tauben in der Schale des Olympischen Feuers niederließen. Vielleicht ist er da ja endgültig gestorben, der Traum von einem friedvollen Miteinander – zumindest für die Dauer der Spiele.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.