Rio 2016: Die Eröffnung im Spiegel der russischen Presse

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Die Olympischen Spiele 2016 sind eröffnet, Rio und der Rest der Welt verfolgt gespannt die Wettkämpfe. Zeit, um einen Blick auf die russische Presselandschaft zu werfen, wie dort das Eröffnungszeremoniell aufgenommen wurde.

Um den wohl treffendste Artikel gleich zu Beginn vorweg zu nehmen, sei die Meldung aus der russischen Sportgazette „Sowetski Sport“ zitiert:

„Wie war denn nun die Reaktion auf die russischen Sportler? Manche pfiffen, manche applaudierten. Es gab keine wirkliche Reaktion. Vielleicht lag es daran, dass nach drei Stunden des Getrommels alle in Trance waren.“

Weit ausführlicher berichtete der „Sport-Express“ über das Spektakel am Zuckerhut und stellte dabei vor allem das politische Hin- und Her in den Vordergrund:

„Mit dem Anzünden des Olympischen Feuers ist die Hoffnung verbunden, dass die seit Wochen laufenden Spiele der Behörden beendet sind. Es wird Zeit für Sport – ohne das Labyrinth der Kommissionen, ohne Erklärungen und Proteste. Die Verantwortung wurde dabei wie eine heiße Kartoffel herumgereicht. Das Internationale Olympische Komitee beauftragte die Fachverbände, die Fachverbände wandten sich an den Sportgerichtshof. Es war eine gefährliche Lage – denn es galt, einen Konsens zu schaffen und die Verwirrung nicht zu vergrößern. Eine ideale Lösung konnte es nicht geben. Und so ist jede Seite ein wenig zufrieden und hat doch gleichzeitig ein flaues Gefühl im Magen.“

Die Nachrichtenagentur „Tass“ hingegen zeigte sich offenherzig um Neutralität bemüht. Wie man es von Agenturen gewohnt ist wurde das Geschehen eher trocken abgehandelt:

„Die Feier spiegelte teilweise die soziale Lage in Brasilien wider. Doch die auffällige Bescheidenheit wurde kompensiert mit lebenslustigen Zeremonien. Das legendäre Maracana-Stadion wurde zu einer riesigen Tanzfläche. Doch es wurde auch ein wenig ernst, als etwa die Probleme der globalen Klimaerwärmung gezeigt wurden.“

Noch neutraler, ging der „Kommersant“ zu Werke. Kurz und bündig, als handele es sich bei einer Olympischen Eröffnungsfeier um nichts weiter als eine Verkehrsübertretung in einem russischen Dorf, las man da:

„Die Spiele führen Sportler aus 207 Nationen zusammen – und auch Russland ist dabei.“

Am deutlichsten ließ sich zu guter Letzt die Tageszeitung „Komsomolskaja Prawda“ über die Eröffnungsfeier in Rio de Janeiro aus. Relativ uncharmant schrieb das Blatt:

„Diese Feier war ein Misserfolg, eine Zeremonie ohne Ideen. Statt Karneval in Rio gab es nur imitierte Tänze und ein chaotischer Wirrwarr der Körper. Es wäre viel wirkungsvoller und symbolischer gewesen, das Geld für diese Feier in die Olympia-Schale zu legen und feierlich anzuzünden.“

Wie man sieht, fielen die Reaktionen auf die immens teuren Spiele in einem äußerst armen Land, mit seinem Gewirr an Slums aus notdürftig gezimmerten Behausungen, eher sehr verhalten aus. Und zurecht stellt sich ein ums andere Mal die Frage, warum man sich so etwas überhaupt antut. Ist das Renommee einer solchen Großveranstaltung wirklich von nachhaltigem Nutzen für ein heruntergewirtschaftetes Land? Der große Reibach wird in Zukunft sicher auch nicht fließen. Schon gar nicht in die Elendsviertel.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.