Region Kursk möchte mit deutschen Firmen kooperieren

Agrar-, Ernährungs-, Energie- und Bauwirtschaft stehen im Fokus

Sitz der Regionalverwaltung in Kursk

[Von Ullrich Umann Moskau-gtai] – Die Region Kursk strebt mehr Kontakte zur deutschen Wirtschaft an. Zum Dialog Anfang Dezember 2014 traf sich der Gouverneur Aleksej Michailow mit dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau, Rüdiger Freiherr von Fritsch. Ebenfalls anwesend waren Vertreter der AHK und deutscher Unternehmen wie Siemens, Knauf, Herrenknecht und Eon. Anknüpfungspunkte für Neugeschäft sehen Gouverneur Michailow und seine Regierung für mehrere Branchen.

Zu den aussichtsreichsten Geschäftszweigen für Investitionen und Kooperationen in der Region Kursk gehören die Agrarwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie. Dies gilt umso mehr, da Russland kurz- bis mittelfristig die Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln und Getränken erhöhen will. Investitionen in diesen Bereichen werden seitens der öffentlichen Verwaltung auf allen Ebenen gefördert. Branchenfirmen finden sichere Absatzmärkte.

Agrarwirtschaft auf Modernisierungskurs

In der Region Kursk sind in der Agrar- und Ernährungswirtschaft etwa 500 Unternehmen und Organisationen aktiv. Nach amtlichen Angaben sind jedoch nur 100 davon – gemessen an Umsätzen und Mitarbeiterzahlen – mittelgroß bis groß.

In der Landwirtschaft besteht Bedarf an moderner Technik für die Pflanzenproduktion und Viehzucht. So weist die Kursker Regionalverwaltung auf die Notwendigkeit hin, die Zuckerproduktion zu modernisieren. Der Bedarf an innovativen Lösungen erstreckt sich vor der Technik zur Ernte und Verarbeitung von Zuckerrüben bis hin zum industriellen Verpacken des Endproduktes. Vom gesamten Zuckeraufkommen Russlands in Höhe von 5 Mio. jato stammen allein 0,4 Mio. t aus dem 30.000 qkm kleinen Gebiet Kursk.

Bei Getreide zeigten sich während der Rekordernte von 2014 Engpässe bei Lagerkapazitäten. Erst nach deren Beseitigung kann der Getreideanbau ausgeweitet werden. Wünschenswert wäre auch der Ausbau der Stärkeproduktion und der Pflanzenölerzeugung, darunter aus Sonnenblumenkernen.

Künftig wird der Agrarproduzent MAK Kartoffelstärke in einem neuen Werk erzeugen. Dieses soll für 300 Mio. Rubel (etwa 4,55 Mio. Euro) gebaut werden. Die geplante Kapazität liegt bei 50.000 jato Stärke. Wie die Regionalverwaltung von Kursk mitteilte, wäre das Rohstoffangebot bei einer Ernte von etwa 1 Mio. Kartoffeln pro Jahr ausreichend. Nach Angaben von MAK sehen sich die Verantwortlichen derzeit nach geeigneten technologischen Lösungen zur Stärkeerzeugung um. Die Agrarholding Miratorg kündigte Investitionen in Schweinezucht und Fleischproduktion an. Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitschrift Expert will die Holding in der Region Kursk ein  entsprechendes Cluster einrichten. Es soll aus 60 Mastanlagen und einem Schlachthof bestehen. Die Kapazität wird mit 4 Mio. Tieren pro Jahr angegeben.

Neue Projekte in der Energiewirtschaft wecken Technologiebedarf

Projekte stehen auch in der Stromwirtschaft an. Der russische Wasserkraftwerksbetreiber RusHydro und das chinesische Unternehmen Power China beschlossen im November 2014 in der Region Kursk ein Pumpspeicherwerk zu bauen. Der Wert des Vorhabens beläuft sich auf 112 Mrd. Rubel (etwa 1,69 Mrd. Euro; 1 Euro = 65,88 Rubel, EZB-Wechselkurs vom 9.12.14). Die geplante Leistung liegt bei 800 MW. Als möglicher Standort wurde ein zum KKW Kursk zugehöriges Gelände genannt, wo ein Stausee genutzt werden kann. Spätestens 2025 soll das Pumpspeicherwerk ans Netz gehen. Die Idee zum Vorhaben wurde bereits vor drei Jahren geäußert.

Das Kernkraftwerk Kursk wird ebenfalls erweitert. Für 400 Mrd. Rubel (etwa 6,07 Mrd. Euro) entstehen zwei neue Reaktorblöcke und bilden das künftige KKW Kursk-2. Zwei alte Blöcke, bestehend aus Reaktoren der Baureihe RBMK-1000, die 1976 und 1979 ans Netz gegangen sind, werden ersetzt. Bei der neuen Technik soll es sich um zwei Reaktoren der Baureihe WWER-TOI (Wasser-Wasser-Energie) handeln.

Mit der Projektplanung wurde die Nizhny Novgorod Engineering Company Atomenergoproekt (NIAEP) vom Betreiberunternehmen Rosenergoatom, das zur Holding Rosatom gehört, beauftragt. Verhandlungen über eine Beteiligung am Projekt werden auch mit der China National Nuclear Corporation (CNNC) geführt. Eine offizielle Antwort des Unternehmens aus der VR China soll aber noch ausstehen.

Investitionen in die Infrastruktur geplant

Zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sollen 950 Mio. Rubel (etwa 14,42 Mio. Euro) in den Bau einer südöstlichen Umgehungsstraße um die Regionalhauptstadt Kursk fließen. Allerdings ist die Finanzierung noch nicht vollständig geklärt. Zwar sagte der russische Präsident Wladimir Putin im Rahmen einer Konsultation mit dem Gouverneur der Region Kursk eine Mittelzuwendung zu. Der Ausgabenposten soll jedoch in der Vorlage zum föderalen Haushalt für 2015 fehlen. Gouverneur Michailow hat aus diesem Grund Kontakt zum Transportministerium in Moskau aufgenommen.

Für deutsche Ausrüster von Sporteinrichtungen dürften Pläne zum Bau von drei Schwimmhallen interessant sein. Als Standorte wurden Kursk, Lgow und Kschenski genannt. Weitere Stadien und Sporthallen werden bis 2016 in Belaja, Korenowo, Chomutowka und Gluschkow gebaut. Kennzahlen zum Gebiet Kursk (2013)

kurskgraf

Quellen: Rosstat, Regierung des Gebietes Kursk

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