Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier beim Deutsch-Russischen Forum / Potsdamer Begegnungen

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30.05.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

wer in der Erwartung gekommen ist, heute einen weiteren Beitrag zur Kreml-Astrologie zu bekommen, den muss ich enttäuschen. Ich werde auch nicht ausschließlich über das deutsch-russische Verhältnis reden. Es wird in der Rede eher gehen um das Verhältnis des Westens zu Russland in einer konfliktbeladenen Welt. Was trennt uns, was zwingt uns zusammen?

Aber ich will mit dem Blick auf zwei verschiedene Orte beginnen. Zwei Orte, die über 2000 km voneinander entfernt sind.

Der erste Blick geht in den Berliner Tiergarten, auf den Platz neben dem sowjetischen Ehrenmal. Dort kommen in einem Monat Deutsche und Russen zusammen, um des Überfalls Hitlers auf die Sowjetunion vor 75 Jahren zu gedenken. Ein gemeinnütziger, ein überparteilicher Verein lädt dazu ein, der die Auseinandersetzung mit unserer schwierigen gemeinsamen Geschichte in den Vordergrund seiner Arbeit stellt. Das Auswärtige Amt fördert dieses Projekt, aber vor allem sind es engagierte Menschen aus allen Teilen der Zivilgesellschaft, die diese Brücke des Gedenkens schlagen.

Mein zweiter Blick, geht weiter nach Osten. Nach Wolgograd. Dort war ich im letzten Jahr zu Gast – auf dem Paradeplatz, gemeinsam mit Tausenden Veteranen, zum Gedenken an das Ende des Krieges.

Mein Blick geht in die Wolgograder Mittelschule 106, eine unserer Partnerschulen im Ausland. Dort lernt der Schüler Ilya Pondin. Ilya hat an seiner Schule vor kurzem einen Wettbewerb zur Spurensuche des Zweiten Weltkriegs gewonnen. In seinem nachdenklichen Beitrag zu Orten der Erinnerung in Wolgograd macht er deutlich, wie wichtig es ist, sich mit fremder und eigener Geschichte auseinanderzusetzen.

Warum erzähle ich Ihnen das, meine Damen und Herren?

Ich erzähle Ihnen das, weil für mich diese Einblicke zeigen, wie tief unsere gemeinsame Geschichte Russen und Deutsche miteinander bindet. Und – wie stark der Wunsch auf beiden Seiten immer noch ist, sich genau damit auseinanderzusetzen! Auch und gerade in schwierigen Zeiten wie diesen!

Meine Damen und Herren,

als wir im letzten Jahr in Wolgograd auf dem Paradeplatz der Schrecken des Zweiten Weltkriegs gedachten, hat mich das tief bewegt.

Nicht nur, weil die Veteranen, die Vertreter der Opfer, den deutschen Gast und Repräsentanten des Täter-Volkes, mit freundlichem Beifall begrüßten. Auch, weil da kein Vorwurf an die Generation der Deutschen von heute zu hören war. Aber umso dringender die Bitte-  nein, die Mahnung – der Überlebenden zu unserer gemeinsamen Verantwortung für den Frieden in Europa.

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