Der Kreml hat den zweitägigen Besuch von Präsident Wladimir Putin in China als besonders erfolgreich dargestellt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einer „gesättigten, inhaltlichen und maximal ergebnisreichen“ Reise. Putin war am 20. Mai aus Peking nach Moskau zurückgekehrt. Nach russischen Angaben wurden bei dem Besuch rund 40 Dokumente unterzeichnet, darunter eine gemeinsame Erklärung über die Entwicklung der russisch-chinesischen Beziehungen und über eine „multipolare Weltordnung“.
Im Mittelpunkt der russischen Berichterstattung steht neben der politischen Demonstration enger Partnerschaft vor allem das Gaspipeline-Projekt „Kraft Sibiriens 2“. Peskow erklärte, Russland und China hätten bei wichtigen Details des geplanten Pipelinebaus Fortschritte erzielt. Eine endgültige Einigung gebe es aber noch nicht. Es müssten noch einzelne Nuancen ausgearbeitet werden, sagte Peskow. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass beide Seiten „zu einem Ergebnis“ kommen würden.
Vizepremier Alexander Nowak formulierte die Lage etwas optimistischer. Nach seinen Angaben befinden sich die konkreten Lieferverträge für Gas über „Kraft Sibiriens 2“ bereits in der finalen Abstimmung. Die politischen Vereinbarungen auf Ebene der Staatschefs seien schon früher erreicht worden, nun gehe es um technische Arbeit und die direkte Ausarbeitung der Verträge.
Ganz abgeschlossen ist das Projekt damit aber offenbar noch nicht. Peskow hatte bereits am 20. Mai erklärt, Russland und China hätten sich über grundlegende Parameter verständigt, darunter Route und Bauweise. Einen klaren Zeitplan gebe es jedoch weiterhin nicht; dies sei kommerzielle Information. Auch nach der neuen Erklärung bleibt also offen, wann der Bau tatsächlich beginnen und wann die Pipeline in Betrieb gehen könnte.
„Kraft Sibiriens 2“ ist eines der wichtigsten Energieprojekte zwischen Russland und China. Die geplante Pipeline soll russisches Gas über die Mongolei nach China liefern. Vorgesehen ist eine Kapazität von 50 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr. Die projektierte Gesamtlänge beträgt nach Kommersant rund 6.700 Kilometer, davon etwa 2.700 Kilometer auf russischem Gebiet. Gazprom und chinesische Partner hatten im September 2025 in Peking ein rechtlich bindendes Memorandum über den Bau unterzeichnet; damals waren Fragen der Finanzierung und der Lieferbedingungen aber noch nicht gelöst.
Für Russland ist das Projekt strategisch wichtig, weil Moskau seit dem Bruch mit Europa neue langfristige Absatzmärkte für Gas sucht. China wiederum kann zusätzliche Pipeline-Lieferungen nutzen, um seine Energieversorgung zu diversifizieren. Gerade deshalb ist der genaue Vertragspreis politisch und wirtschaftlich heikel: Russland braucht den chinesischen Markt dringender als früher, während Peking aus einer starken Verhandlungsposition heraus agiert.
Auch die Ukraine-Frage wurde bei Putins Gesprächen in China angesprochen. Nach Angaben Peskows wurde der chinesische Friedensplan von 2023 jedoch nicht eigens diskutiert. China sei aber weiterhin bereit, Bemühungen zu unterstützen, Russland und die Ukraine auf einen „friedlichen Weg“ der Regelung zu bringen.
Damit bleibt als greifbarstes Ergebnis der Reise vor allem die neue Bewegung bei „Kraft Sibiriens 2“. Moskau präsentiert die Gespräche als Bestätigung der strategischen Partnerschaft mit Peking. Zugleich zeigen die vorsichtigen Formulierungen, dass die entscheidenden wirtschaftlichen Details noch nicht endgültig geklärt sind.
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