Prorussische Partisanen in Südostukraine? [mit Videos]

"Guerillasprecher" erzählt von 20.000 Kämpfern und 5.000 automatische Schusswaffen - Video verbreitet von KPR - große prorussische Demo in Odessa

Bekannt ist, dass politische Repressionen der ukrainischen Euromaidan-Regierung in der russischsprachigen Süd- und Ostukraine Teile der Bevölkerung radikalisiert haben. Die Nachricht, dass es unter der russischsprachigen Bevölkerung gut bewaffnete Widerstandsgruppen geben soll, ist noch relativ jung.

  • das erste Video basiert auch auf einer russischen Quelle, die erläuternden Informationen und weiteren Videos ausschließlich aus Onlinemedien der Ostukraine, die auch das erste für authentisch halten und ebenfalls verlinkt haben

Ein erstes Video mit masikierte „Guerillas“ tauchte vor einigen Tagen auf, von einem „Volkskommitee der Regionen Donezk, Lugansk und Charkow“. Nun folgte gestern ein zweites mit ein Interview dieser Gruppen mit einem russischen Journalisten:

Der sich selbst so bezeichnete Sprecher der „Lugansker Partisanen“ garantiert für bewaffnete Auseinandersetzungen um die Ostukraine 20.000 einheimische Kämpfer gegen die Euromaidaner. Notfalls könnten die bewaffneten Kräfte bis auf zu 70.000 ausgebaut werden. Mehr als 50 % davon hätten nach Auskunft des Sprechers eine militärische Ausbildung, etwa durch die ehemalige Polizeieinheit „Berkut“, die die Euromaidaner augelöst und durch eine Nationalgarde ersetzt haben. Man habe 5.000 Schusswaffen, vor allem AK-47 Kalaschnikow. Der Sprecher unterstellt weiter der Euromaidan-Regierung bewaffnete Söldner aus Nato-Staaten zu unterhalten. Inwieweit die Angaben des Sprechers der Wahrheit entsprechen und ob es eine derart organisierte bewaffnete Widerstandseinheit gibt, lässt sich schwer überprüfen. Tatsache ist lediglich, dass auch im Osten der Ukraine zahlreiche illegale Schusswaffen aus Beständen der Sowjetzeit bis heute im Umlauf sind.

Verbreitet wird das Video von der Kommunistischen Partei Russlands, die beim Thema Krim und Ukraine – trotz anderweitiger Gegnerschaft – mit Putins Regierung völlig konform geht. Man werde die „illegale“ Regierung in Kiew nie anerkennen und bilde aktuell in jeder größeren Stadt der russischsprachigen Ostukraine ein Kommando, so der Sptecher. Alle Bedrohungen und Festnahmen durch die Regierung werde man entsprechend beantworten. Der eisige Hauch eines drohenden Bürgerkriegs spricht aus dem Statement des Videos. Dieses und sein Vorgänger gehören zu den meistgeschauten Filmen des russischsprachigen YouTube der letzten Tage.

Die Festnahmen, auf die die sich so bezeichnenden Guerillas ansprechen, gibt es real. Denn in praktisch jeder ostukrainischen Stadt wurde der prorussische Oppositionsführer verhaftet und nach Kiew verschleppt, um Anhänger an Befreiungsversuchen zu hindern. Besondere Kritik gibt es dabei laut der örtlichen Onlinezeitung Tajmer an der Verhaftung des Oppositionellen Davidschenko in Odessa. Dieser gehöre zur gemäßigten Opposition gegen Kiew und habe gar keine Abspaltung der Region Odessa, sondern eine Föderalisierung der Ukraine gefordert. Weiter als Hintergrund zu den Video ist wichtig, dass sich die neue ukrainische Nationalgarde hauptsächlich aus westukrainischen Aktiven des „Rechten Sektors“ rekrutiert, einer neofaschistischen Gruppe, die im Osten verhasst ist.

Die Euromaidan-Regierung versucht aktuell mit einer Politik der „harten Hand“ den russischsprachigen Osten unter Kontrolle zu bringen. Der komplette Austausch von Führungspersönlichkeiten durch eigene Anhänger ohne Basis vor Ort, Demonstrationsverbote und politische Verhaftungen gehören zu dieser Strategie. Sie bergen die große Gefahr einer weiteren Radikalisierung der Euromaidan-Gegner auch auf dem ukrainischen Festland. Die großen deutschsprachigen Medien verschweigen konsequent sowohl die Repressionen der von ihr einseitig geförderten Euromaidaner als auch den großen Widerstand und die allgemeine Stimmung der russischsprachigen Bevölkerung im Osten des Landes. Deutlich wurde die Situation im Lande heute auch in Odessa, das am Rande des russischsprachigen Gebietes im Südwesten der Ukraine liegt. Bei zwei Demonstrationen pro und contra der Euromaidan-Regierung erreichte die Menge der Euromaidener keine Hundert Personen, während sich die prorussischen Demo etwas größer gestaltete, wovon zahlreiche Amateurvideos künden:

http://www.youtube.com/watch?v=ZK6hwaxL-jc

Das Gebäude der Staatsanwaltschaft wurde während der Demonstrationen von Sicherheitskräften abgeriegelt, die auch die protestierenden Menge der Prorussen von dem Grüppchen der Euromaidaner trennte. Aus Odessa wurde erst gestern über einen Fund automatischer Waffen in Privatbesitz von der örtlichen Presse berichtet, die von der Polizei konfesziert wurden. Die europäischen Verbündeten der Euromaidan-Regierung sind jetzt gefordert, ihre Juniorpartner zu einer deeskalierenden Wende ihrer Politik aufzufordern, bevor die Radikalen auf beiden Seiten der Fronten die Oberhand gewinnen und der Ukraine ein echter Bürgerkrieg droht.