Presseschau – Ein Blick in andere Zeitungen

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spiegel-online titelt: Neue Konzernstrategie: Gazprom wendet sich von Europa ab. Nach dem Aus der South-Stream-Pipeline will der russische Energiekonzern Gazprom überhaupt keine Leitungen mehr in Europa bauen. Stattdessen müsse sich die EU bald mit dem Transitland Türkei arrangieren, sagt Konzernchef Alexej Miller.

Zeit-online lässt auf den Aufruf der schwer gewichtigen Politiker und Medienvertreter ein berufliches Leichtgewicht – an Alter und zwangsläufig auch Erfahrung – los, das mit den auch durch ständiges Wiederholen nicht richtiger werdenden Argumenten und sophistischen Winkelzügen die Weisen korrigieren soll. Wäre diese Verblendung nicht so traurig, man müsste lachen.

Auf der zweitägigen Ministerratssitzung der OSZE in Basel hat Außenminister Lawrow unter Anwendung und Betonung der OSZE-Prinzipien die russische Sicht der Ereignisse dargestellt, worauf David Signer von der Schweizer NZZ mangels Argumenten nichts anderes einfiel, als ihn der Wortverdrehung und Sinnverfälschung zu bezichtigen. Dass auch hier die immerwährenden altbekannten Tatsachenverdrehungen und Rabulistik benutzt wurden versteht sich von selbst.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) begrüßt, dass endlich die Unklarheiten in den Russland-Sanktionen korrigiert wurden: Die gröbsten Schnitzer im Russland-Embargo sind endlich aus der Welt geschafft worden. So hat die EU heute ihre überzogen formulierten Sanktionen mit Bezug zur Erdölindustrie zumindest teilweise auf den eigentlichen Kernbereich „Ausrüstung für die Erdölförderung/-exploration“ reduziert. Die entsprechende Embargo-Güterliste (Anhang II zur EU-VO 833/2014) wurde bei fünf Positionen textlich neu formuliert und deutlich enger als bisher gefasst. Dies entlastet u. a. den Bereich der Pumpen, also alle Industriezweige, die Pumpen herstellen oder als Ersatzteile exportieren.

„Sanktionen gegen Russland kontraproduktiv“, zitiert t-online den Vorsitzenden des Ost-Ausschuss-Chef Cordes, der vor einer Verhärtung des Ukraine-Konflikts gewarnt hat. Die Sanktionen gegen Russland könnten kontraproduktiv sein, sagte Cordes der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Wünschenswert sei, dass sich die Bundesregierung weiter für eine diplomatische Lösung einsetzt. „Sie hat eine Schlüsselrolle in diesem Konflikt und genießt immer noch das Vertrauen der Führung im Kreml.“ Letztlich drohe eine Abwendung Russlands vom Westen und der Verlust des russischen Marktes an China, betonte Cordes.

Die taz bemüht sich ordentlich, die neue russische Medienpräsenz im Westen schlecht zu machen, und ist überzeugt, dass wenn zwei das Gleiche tun, es noch lange nicht das Gleiche ist. Sie muss neidvoll anerkennen, dass z. B. Russia Today auf riesige Erfolge verweisen kann. In England zählt man auf eine treue Gemeinde von zwei Millionen Zuschauern, mehr als bei Euronews. 2013 durchschlug Russia Today auch bei Youtube als erster Sender die Klick-Marke von einer Milliarde, während CNN nur auf eine halbe Milliarde kommt. Sogar die Talk-Show-Legende Larry King heuerte bei RT America an. Vorübergehend hatte auch Wikileaks-Gründer Julian Assange eine wöchentliche Show. Offensichtlich sind die Zuschauer noch nicht reif genug, zu erkennen, wie böse und schlecht diese neuen russischen Medien sind.

Laut spiegel-online trafen sich die beiden Präsidenten Putin und Hollande in Moskau am internationalen Flughafen zu einem kurzen Gespräch über die Ukraine. Wie üblich wurde Putin auch dieses Mal wieder „aufgefordert zu …“.

Yahoo Finanzen meldet: Ukraine erhält gegen Vorkasse wieder Gas aus Russland. IWF-Experten wollen zusätzlichen Finanzbedarf ermitteln. Zur Vorgeschichte schreibt man: „Russland hatte dem ukrainischen Nachbarn im Juni den Gashahn zugedreht, weil Kiew eine drastische Preiserhöhung durch Gazprom nicht akzeptierte und Schulden anhäufte.“ Gemeint ist, dass der böse Putin die arme Ukraine einfach stranguliert hat, und diese deshalb röchelnd daniederlag. Dass sie Schulden auch schon vorher da waren und es Verträge gab, hat der Schreiber vergessen.

t-online meldet auch, dass die russische Stabhochspringerin und zweifache Olympia-Medaillengewinnern Swetlana Feofanowa gegen die westlichen Medienberichte zu den Doping-Vorwürfen in Russland „poltert“ – wertfrei ausgedrückt: ihren Unmut äußert: „Der deutsche Film über unseren Sport ist schlimmer als Pornografie. Das ist Schmutz. Die Deutschen sollten sich mal lieber um ihre eigenen Athleten kümmern“.

Leichtathletik-Funktionär Helmut Digel hält eine gängige Doping-Praxis, wie sie jetzt für Russland aufgedeckt wurde, auch in anderen Ländern für möglich. Deutschland wollte das Council-Mitglied des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF dabei nicht ausklammern. „Mediziner und Pharmakologen betätigen sich als Kriminelle und organisieren, begleiten und unterstützen diesen Betrug im internationalen Spitzensport. Die Athleten sind Mitwisser und letztlich Täter. Diese Konstellation gibt es sicher nicht nur in Russland. Sie gibt es in nahezu allen Hochleistungssportnationen der Welt“, sagte Digel der FAZ, wie das Handelsblatt meldet. Auch Deutschland wollte Digel nicht ausklammern. „Ja, schließlich haben wir den Skandal an der Freiburger Universität vorzuweisen. Die Beteiligung verantwortungsloser Ärzte am Doping-Betrug in Deutschland ist hinlänglich bekannt.“ Zwar habe sich die Situation gebessert, aber „Doping-Missbrauch im deutschen Hochleistungssport von heute kann nicht ausgeschlossen werden.“

focus.de meldet: Die derzeit eisigen Beziehung zwischen Russland und dem Westen schrecken Daimler nicht vor Investitionen in Putins Reich ab: Das Unternehmen (aus Merkels Reich) will eine neue Autofabrik bauen. Als mögliche Standorte prüft der Automobil-Konzern St. Petersburg und Moskau.

Automobil Produktion meldet, dass auch Ford 2015 in Russland Autos (Fiesta) bauen wird. Ford will in Russland die lokale Fertigung des Fiesta hochfahren und über zusätzliches Wachstum im Kleinwagensegment die Absatzverluste des Focus auffangen. Helfen könnte bei dem Plan die jetzt beschlossene Verlängerung der Abwrackprämie in Russland.