Polizei beendet erneut „Bauernaufstand“

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Krasnodar – Gegen den Landraub durch Agrar-Konzerne demonstrierende Landwirte wurden auf ihrem ‚Traktorenmarsch‘ von Sicherheitskräften gestoppt. Die klein- und mittelständischen Bauern wollten sich im Kreml deshalb Gehör verschaffen. Es war bereits der zweite Anlauf des Protestzuges, um nach Moskau zu gelangen.

Es betrifft in erster Linie die Landwirte in der südrussischen Region Krasnodar, die seit geraumer Zeit versuchen, sich gegen Agrar-Großkonzerne zu wehren, die ihr Land mit zum Teil unlauteren Mitteln an sich reißen wollen. Weil es ziemlich schnell klar war, dass hinter der der Methodik der Konzerne ein unlauteres System steckt, haben sich die landwirtschaftlichen Betriebe zusammengeschlossen und gaben ihrer Bewegung den Namen „Höfliche Landwirte“. Denn sie wollen, im Gegensatz zu den Agrar-Riesen, ihr Anliegen friedfertig regeln. Schon zu oft sei es zu gewaltsamen Übergriffen gekommen, wie russische Medien durch die Bank seit längerem berichten.

Hat sich der Stand der russischen Landwirte seit Beginn der Wirtschaftssanktionen allmählich wieder auf ein Niveau hin bewegt, das Kleinbauern Anlass zu Hoffnung auf betriebliche Gesundung gab, scheinen nun interne Kompetenzrangeleien den verdienten Ertrag zu verhageln. Die Methoden sind offenbar immer die gleichen und sollen inzwischen mafiöse Strukturen angenommen haben. Von massivem Druck, der auf die Betriebe ausgeübt wird, wird berichtet. Gestohlene Ernten, sabotierte Maschinen und Drohungen seien nur die Spitze des Eisbergs, der bis tief in politische Ämter verwurzelt ist. Die regionalen Behörden seien ebenso darin verstrickt, anstatt etwas dagegen zu unternehmen.

Korruption unter Beamten und Richtern, umstrittene Gerichtsurteile und getürkte Dokumente mit falschen Unterschriften seien die Regel. Sogar Signaturen von Toten seien verwendet worden, berichtet der europäischer Presse- und Informationsdienst für Agrarpolitik und Agrarwirtschaft ‚Agra Europe‚ (kurz AgE). „Sie lügen alle, niemand will etwas unternehmen. Warum nehmen sie uns die Felder weg? Wir sind die Besitzer, sie wollen unser Land wegnehmen. Sie haben Leute, die beschlossen haben, für sie zu arbeiten, sollen sie es also tun. Wir haben damit nichts zu tun. Wir haben unser Land schon seit drei Jahren an andere Bauern verpachtet“, wird die Landbesitzerin Gelata Ljubow von der ‚Moscow Times‘ zitiert.

Die Proteste begannen bereits im Sommer 2016. Vom Aufschwung der Landwirtschaft im Zuge der Sanktionen brach ein Krieg um die begehrten Flächen der ‚Kornkammer Russlands‘ aus, den die Landwirte nicht kampflos aufgeben wollten. Der erste ‚Traktorenmarsch‘ wurde organisiert, kam jedoch fortwähren wegen behördlicher Behinderungen ins Stocken, bis der Marsch von den Organisatoren schließlich ganz aufgelöst wurde. Die ‚ARD‘ widmete dem Thema in ihrem ‚Weltspiegel‘ damals einen Beitrag mit dem Titel „Russland – Der Bauernkrieg“.

Mit der zweiten Auflage ihres Protestzuges wollten die Krasnodarsker Bauern nun ein weiteres Mal auf die offenkundigen Missstände aufmerksam machen. Das deutsche Nachrichtenportal ‚Agrarheute‚, das sich an die deutschen Landwirte wendet berichtete von der gewaltsamen Auflösung des zweiten ‚Traktorenmarsches‘ durch die Sicherheitskräfte. Eine Bestätigung der Meldung gibt es offenbar bislang nicht. Fest stehe lediglich, dass der Anführer der Protestbewegung, Alexej Woltschenko, anscheinend von der Polizei für zunächst zwölf Tage inhaftiert worden sei. Offenbar jedoch wegen Verletzung der Unterhaltspflicht, wogegen er zunächst Einspruch erhoben hätte, wie das Portal berichtet.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.