Pisten und Palmen – Sotschi hat das besondere Etwas

Fitness und Flair, Wellness und Wedeln. Wer seinen Wintersporturlaub einmal ganz anderes verbringen möchte, dem sei Sotschi ans Herz gelegt. Das besondere Klima macht den Urlaub am Schwarzen Meer zu einem Wintersportvergnügen, das seines gleichen sucht. An Weihnachten und Neujahr jedoch wird es voll auf der Piste.

Bevor der Ort zum Jahr 2014 für die Olympischen Winterspiele mit geschätzten 33 Milliarden US-Dollar aufgerüstet und mit der notwendigen Infrastruktur versehen wurde, befand sich hier einer der beliebtesten Bade- und Kurorte Russlands. Bis zum Ende der Sowjetunion erreichte die jährliche Gästezahl bis zu sechs Millionen. Durch den Preisanstieg, verbunden mit der freien Marktwirtschaft, endete schlagartig das Konzept des farblosen sozialistischen Tourismus für die Massen. Heute spricht man über Sotschi eher von einer Art russischem Venice Beach.

Die Leser des National Geographic Traveller-Magazins haben abgestimmt, um das beste Skigebiet für das Jahr 2017 zu küren. Der Gewinner wurde Sotschi. Krasnaja Poljana, die Schneereiche Region in den Ausläufer des Kaukasus-Gebirges, und die Infrastruktur der rund 400.000 Einwohner zählenden Olympiastadt am Schwarzen Meer konnte unter den 270.000 Lesern, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, am deutlichsten punkten. Sicherlich nicht nur wegen des milden Wetters. Was aber macht das Wintersportgebiet von Sotschi zu etwas Besonderem?

Alles richtig gemacht

„Das Skigebiet von Krasnaja Poljana wurde zum Besten Russlands gewählt. Die Region Krasnodar [Sotschi gehört politisch zum Gebiet Krasnodar im Südwesten Russlands, Anm. d. Red.] erhielt auch eine Auszeichnung als bestes Reiseziel für Wellness-Urlaube im Land“, teilt der Pressedienst zunächst nüchtern und trocken mit, bevor er es deutlicher formuliert. „Diese Auszeichnung bedeutet, dass wir unser olympisches Vermächtnis richtig nutzen. Drei Jahre nach den Olympischen Spielen kommen immer noch neue Gäste nach Krasnaja Poljana und die Qualität der Dienstleistungen verbessert sich ständig.“

Die Temperaturen an der Schwarzmeerküste betragen im Winter nicht unter fünf Grad Celsius. Viele Russen kommen an die Küste, um Neujahr und Weihnachten zu feiern. In den sich unmittelbar anschließenden Bergen finden Skifahrer hervorragende Bedingungen. Insgesamt 37 Sessellifte und Seilbahnen, die täglich bis zu 15.000 Personen auf die Höhe von bis zu 2.300 Meter über dem Meer befördern können, bringen Wintersportler zu Pisten und Loipen. Nach dem Ausbau für die alpinen Disziplinen der Olympischen Winterspiele, die 2014 hier ausgetragen wurden, verfügt das gesamte Gebiet über 150 Kilometer Skipisten der verschiedensten Schwierigkeitsgrade.

In der Hauptsaison kostet der Tagesskipass, je nach regionalem Skigebiet, ungefähr 20 bis 35 Euro. Das ist immer noch weniger im Vergleich zu den Preisen in den Österreichischen oder gar Schweizer Alpen. Auch die Hotel- und Pensionspreise liegen im Schnitt noch unter denen in den Alpen, sofern man nicht im Fünf-Sterne-Luxushotel „Polyana“ bei der russischen Prominenz inklusive Helikopter-Skiing eincheckt. Die Vorbereitungen für die Skisaison beginnen in Krasnaja Poljana ab Mitte Oktober, wenn die Temperaturen in den Bergen unter Null sinken. In der Regel dauert die Saison dann bis Mitte Mai.

Anerkannter Kurbetrieb

Wenn am 2. Dezember in Krasnaja Poljana die Skisaison eröffnet wird, werden auch dieses Jahr wieder mindestens rund eineinhalb Millionen Gäste erwartet, die in den Ressorts in und um Sotschi Urlaub machen. Die warme subtropische Luft und der Kaukasus, der die Stadt von Norden her schützt, machen das Klima in Sotschi selbst sehr mild. Über zwanzig Hotels und Sanatorien bieten zudem im Rahmen des „Open-South-Tourismusprogramms“, das vor zehn Jahren lanciert wurde, spezielle Angebote für die Nebensaison und große Rabatte für die Winterzeit.

„Das „Open-South-Projekt“ lädt Touristen dazu ein, ihren Urlaub in Sotschi zu verbringen und medizinische Behandlung für nicht mehr als 1.400 Rubel [das entspricht derzeit rund 20.- Euro, d. Red.] pro Tag zu erhalten. Reiseveranstalter haben ihr Interesse an diesem Programm gezeigt“, sagte Sergej Domorat, der Leiter der Ressort-Abteilung, kürzlich gegenüber der Agentur Tass. An dem Projekt teilnehmen könnten laut dem Tourismusexperten Hotels mit nicht weniger als drei Sternen, Vollpension, Schwimmbad und medizinischen Dienstleistungen.

Der Kulturminister der Region Krasnodar verspricht während der Wintersaison rund 460 geöffnete touristische Einrichtungen in der Region. Die berühmten Sanatorien von Sotschi sind darauf eingestellt, Herzkrankheiten, nervösen Störungen und allerlei andere gesundheitliche Probleme zu behandeln sowie spezielle Wellness- und Entspannungsprogramme, darunter auch die Schlammtherapie, anzubieten. „Unsere Gäste aus den nördlichen Regionen kommen aber auch einfach nur nach Sotschi, um den Sommer zu verlängern“, weiß Ellina Akinschina, die Leiterin des Tourismusverbandes „Sotschi-Planet“.

Wie sie sagt sei das Meer zwar bereits kalt um diese Zeit, „aber es lassen sich dafür ein paar schöne warme Tage am Strand verbringen.“ Und ein Abstecher in den Olympiapark von Sotschi sei ohnehin obligatorisch. Das Rathaus von Sotschi teilte dagegen mit, dass das Ressort vor Neujahr mit Skulpturen von Delfinen, Quallen, Robben und Tintenfischen geschmückt sein werde. Die Hotels können gleichzeitig mehr als 50.000 Personen aufnehmen und sind normalerweise über die Neujahrs- und Weihnachtsferien regelmäßig ausgebucht. Sotschi ist im Moment durch 170 Verbindungen aus allen Richtungen für Touristen zu erreichen.

[mb/russland.REISEN]