Pëtr Alekseevič Kropotkin – Fürst und Anarchist – Teil 2

Wappen der Fürsten Kropotkin

Literaturessay von Hanns-Martin Wietek (weitere Literaturessays finden Sie hier)

1862 kam Kropotkin wie er es gewünscht hatte nach Sibirien. Es war für ihn eine wichtige Zeit und er schreibt darüber in den vier »Sibirien« betiteln Kapiteln:

Die fünf Jahre, die ich in Sibirien zubrachte, bildeten für mich eine wahre Schule des Lebens und des Charakters. Ich kam mit Leuten jeder Gattung in Berührung, den besten und den schlechtesten, mit den Spitzen der Gesellschaft wie mit den Tiefstehenden, den Vagabunden und sogenannten unverbesserlichen Verbrechern.
Es bot sich mir reiche Gelegenheit, das tägliche Leben der Bauern, ihre Lebensweise und Gewohnheiten, zu beobachten, und noch mehr Gelegenheit zu der Erkenntnis, wie wenig ihnen die Staatsregierung, auch wenn sie von den besten Absichten beseelt war, zu bieten vermochte. Dazu stählten die ausgedehnten Reisen, auf denen ich mehr als achttausend Meilen im Wagen, im Dampfboot, im Kahn, zumeist aber zu Roß durchmaß, meine Gesundheit in wunderbarer Weise. Sie lehrten mich auch, wie wenig der Mensch wirklich nötig hat, sobald er aus dem Bannkreis der konventionellen Zivilisation hinaustritt. Mit wenigen Pfund Brot und wenigen Unzen Tee im Lederbeutel, einem Kessel und einem Beil am Sattelknopf und einem Filztuch unterm Sattel, das man am Lagerfeuer über ein Bett von frisch geschnittenen Tannenzweigen breitet, fühlt man sich, auch mitten unter unbekannten dicht bewaldeten oder schneebedeckten Bergen wunderbar unabhängig. Es ließe sich über diesen Abschnitt meines Lebens ein ganzes Buch schreiben
[….].

Kropotkin wurde Adjutant (und auch Freund) eines liberal gesinnten Generals und Sekretär der Ausschüsse für die Reform des Gefängnis- und gesamten Verbannungswesens und für die Vorbereitung eines Systems der städtischen Selbstverwaltung – Reformen, die von Alexander II. angeregt worden waren. In dieser Eigenschaft bereiste er weite Teile Sibiriens. 1863 erhob sich jedoch das von Russland besetzte Polen, der Aufstand wurde grausamst und blutig niedergeschlagen und zigtausend Polen wurden nach Sibirien verbannt. Die Politik Alexanders II. begann reaktionärer zu werden und Kropotkins Reformvorschläge landeten allesamt in der Schublade. Im selben Jahr wurde er Attaché des Generalgouverneurs von Ostsibirien für Kosakenangelegenheiten und bekam dadurch in den folgenden Jahren die Gelegenheit, geologische sowie oro- und kartografische Forschungsexpeditionen durch Sibirien und die Mandschurei und entlang des Amurs zu unternehmen. Was er im Pagenkorps bei der Ausbildung zum Offizier gelernt hatte, konnte er nun für nichtkriegerische Zwecke gut gebrauchen. Seine Berichte wurden durch die Sibirische Geographische Gesellschaft veröffentlicht und begründeten seinen Ruhm auf diesem Gebiet.

Elftausend Polen, Männer und Frauen, hatte man nach dem Aufstande von 1863 allein nach Ostsibirien geschleppt. Es waren zumeist Studenten, Künstler, frühere Offiziere, Edelleute und besonders Handwerker aus der intelligenten und hoch entwickelten Arbeiterbevölkerung Warschaus und anderer polnischer Städte. Zum großen Teil mussten sie schwere Arbeit verrichten, während der Rest im ganzen Lande zerstreut in Dörfern lebte, wo es keine Arbeit für sie gab und sie nicht einmal genug verdienten, ihren Hunger zu stillen.

Diese Verbannten waren keine dem Schicksal ergebenen Verbannten wie die meisten Russen. Ein Teil von ihnen erhob sich 1866 mit dem Ziel, über die Berge und durch die Mongolei nach China zu flüchten. Dieser Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, Beteiligte und Unbeteiligte grausam misshandelt und die Anführer erschossen.

Für meinen Bruder und mich brachte dieser Aufruhr eine große Lehre. Wir erkannten klar, was die Zugehörigkeit zum Heere bedeutete. [….] Wir beschlossen daher, die militärische Laufbahn ohne weitere Verzögerung aufzugeben und nach Russland zurückzukehren. Dies war keine so einfache Sache, zumal da Aleksandr in Sibirien geheiratet hatte; doch schließlich waren alle Schwierigkeiten überwunden, und im Anfang des Jahres 1867 befanden wir uns auf dem Wege nach Petersburg.

In den folgenden fünf Jahren (1867–1872) konnte Pëtr Alekseevič endlich das tun, wovon er immer schon geträumt hatte: Er studierte Mathematik an der physisch-mathematischen Fakultät in St. Petersburg und konnte sich außerdem in Geografie weiterbilden. Gleichzeitig veröffentlichte er weitere Ergebnisse seiner Forschungen in Sibirien und konnte im Auftrag der Geografischen Gesellschaft Forschungsreisen nach Schweden und Finnland zur Untersuchung der glazialen Ablagerungen unternehmen. Während er 1871 die Freuden des Forschens in Finnland genoss, erreichte ihn ein Telegramm der Geografischen Gesellschaft: „Der Vorstand ersucht Sie, die Stellung des Sekretärs der Gesellschaft anzunehmen.“ Eigentlich hatte er damit sein Traumziel erreicht, aber er hatte während der vergangenen Jahre in Petersburg viel gesehen und erlebt, das ihn nachdenklich gemacht hatte:

Die Wissenschaft ist etwas Herrliches. Ich kannte und schätzte ihre Freude vielleicht mehr als viele von meinen Kollegen. Auch jetzt stiegen neue und schöne Theorien vor meinem geistigen Auge auf, während ich auf die Seen und Hügel Finnlands schaute. [….]
Aber welches Anrecht hatte ich auf diese höheren Freuden, wenn ich um mich herum nur Elend sah und den Kampf um ein schimmeliges Stück Brot, wenn alles, was ich ausgab, um in jener erhabeneren geistigen Welt weilen zu können, notwendigerweise denen vor dem Munde weggenommen werden musste, die den Weizen bauten und kein Brot für ihre Kinder hatten? [….]
Die Massen sind es, die des Wissens bedürfen, sie wollen lernen, sie können auch lernen. [….] [S]ie sind bereit, ihr Wissen zu erweitern; biete es ihnen nur! Schaff ihnen nur die Mittel zur Muße! In dieser Richtung und für diese Leute muss ich tätig sein! Alle diese tönenden Redensarten von Wirken für den Fortschritt der Menschheit, während die Fortschrittsförderer sich fern von denen halten, die sie angeblich vorwärts bringen, sind nichts als Sophismen, die nur das Bewusstsein eines peinigenden Widersinns beseitigen sollen. Und ich sandte an die Geographische Gesellschaft eine ablehnende Antwort.
Kropotkin war entschlossen, mit den Narodniki „ins Volk“ zu gehen, um von der Basis her eine Umgestaltung der Gesellschaft zu erreichen.

Wie erwähnt hatte Kropotkin in der Petersburger Zeit viel gesehen und erlebt. In den sieben Kapiteln mit dem Titel »Petersburg / Erste Reise nach Westeuropa« beschreibt er die revolutionären Tendenzen und die reaktionären Antworten darauf, die herrschende Korruption, die Reformbewegung in der russischen Jugend und den Untergang des einst so bedeutenden Alten Marschallviertels. Auch bringt er u.v.a. eine sehr durchdachte Charakteristik von Alexander II zu Papier:

Gewiss war Alexander kein gewöhnlicher Mensch, aber es lebten zwei verschiedene völlig entwickelte, einander widerstreitende Naturen in ihm; und dieser innere Zwiespalt wurde um so klaffender, je älter er wurde. Jetzt von entzückender Liebenswürdigkeit entwickelte er im nächsten Augenblick eine empörende Rohheit. Angesichts einer wirklichen Gefahr voll ruhigen besonnenen Mutes, zitterte er beständig vor eingebildeten Gefahren. Sicher war er kein Feigling, er trat dem Bären Auge in Auge entgegen, und als das Tier einmal seiner ersten Kugel nicht erlag und der mit einer Lanze hinter ihm stehende Mann beim Vorwärtsstürzen von dem Bären niedergeschlagen wurde, kam ihm der Zar zu Hilfe und streckte die Bestie, ihr die Flinte fast auf die Schnauze setzend, nieder (wie ich von dem betreffenden Manne selbst gehört habe). Dennoch verfolgten ihn sein Leben lang die Schreckbilder seiner eigenen Fantasie und seines unruhigen Gewissens. Gegen seine Freunde bewies er eine außerordentliche Güte, aber Hand in Hand damit ging die furchtbare, kaltblütige Grausamkeit, wie sie den Despoten des siebzehnten Jahrhunderts eigen war und wie sie Alexander bei der Unterdrückung der polnischen Revolution und später im Jahre 1880 betätigte, als die aufrührerische russische Jugend durch ähnliche Maßregeln niedergeschmettert wurde – eine Grausamkeit, deren ihn niemand hätte für fähig halten sollen. So führte er ein Doppelleben, und in der Periode, von der ich eben rede, unterzeichnete er mit lächelnder Miene die reaktionärsten Erlasse, die ihn nachmals zur Verzweiflung brachten. Gegen das Ende seines Lebens verschärfte sich noch, wie man bald sehen wird, der innere Kampf und nahm fast einen tragischen Charakter an.

Um die sozialistischen Ideen besser kennen zu lernen, reiste Kropotkin zunächst noch in die Schweiz, in der sich damals viele Reformer und Revolutionäre aufhielten. Zuerst fuhr er nach Zürich, anschließend nach Genf und zuletzt in ein kleines Dorf im Schweizer Jura. Besonders sein Aufenthalt im Schweizer Jura sollte für ihn lebensverändernd werden.

Im nächsten Jahre, als der Winter kaum vorüber war, machte ich meine erste Reise nach Westeuropa. Beim Überschreiten der russischen Grenze empfand ich, sogar noch in höherem Maße, als ich erwartet hatte, was jeder Russe, wenn er sein Vaterland verlässt, empfindet. Solange der Zug auf russischem Boden durch die dünnbevölkerten nordwestlichen Provinzen fährt, hat man den Eindruck, als käme man durch eine Wüste. Wohl hundert Meilen weit ist das Land mit niedrigem Baumwuchs bedeckt, der kaum als Wald bezeichnet werden kann. Hier und da entdeckt das Auge ein in Schnee vergrabenes kleines, elendes Dorf oder eine unwegsame, kotige, enge und gewundene Dorfstraße. Aber alles, die Landschaft und was dazu gehört, ändert sich mit einem Schlage, sobald der Zug ins Ausland gelangt, nach Preußen, mit seinen sauberen Dörfern und Höfen, seinen Gärten und gepflasterten Straßen; und das Gefühl des Gegensatzes wird immer stärker, je weiter man in Deutschland eindringt. Sogar das tote Berlin kommt einem nach unsern russischen Städten belebt vor.

Bakunin

Bakunin

In Zürich lernte er zunächst die russische Studentenkolonie kennen, konnte endlich die sozialistische Literatur studieren und trat sofort der Internationalen Arbeiterassoziation bei. Nach Genf fuhr er, um mit sozialistischen Arbeitern zu leben. Dort wurde er auch mit den Werken Bakunins bekannt. Die „großen Reden“ der Sozialistenführer empfand er als falsch, verlogen und aufgeblasen; er wollte das Leben der „Bakunisten“ (das Wort Anarchist war zu dem Zeitpunkt noch ungebräuchlich) kennenlernen. Zu diesem Zweck fuhr er in den Schweizer Jura, in dem in mehreren Dörfern Uhrmacher nach diesen Regeln lebten. Rückblickend schreibt Kropotkin über seinen Aufenthalt:
[U]nd als ich die Uhrmacher des Jura, nachdem ich etwa zwölf Tage unter ihnen geweilt hatte, verließ, standen meine sozialistischen Ansichten fest: ich war ein Anarchist.

Vor seiner Rückkehr nach Russland deckte er sich reichlich mit sozialistischer, in Russland natürlich verbotener Literatur ein, die er nur durch professionelle Schmuggler über die Grenze bringen lassen konnte.
Es gelang.
Am nächsten Tage fuhr ich von Krakau ab; und auf der bestimmten russischen Station trat ein Gepäckträger an meinen Wagen und sagte so laut, dass es der auf dem Bahnsteig auf- und abgehende Polizist hören konnte, zu mir: »Hier ist der Koffer, den Eure Hoheit gestern hinterlassen haben«, und händigte mir mein wertvolles Paket ein.
Ich freute mich so, es in Händen zu haben, dass ich nicht einmal in Warschau Halt machte, sondern meine Reise ohne Aufenthalt nach Petersburg fortsetzte, um meinem Bruder meine Siegesbeute zu zeigen.

[Das Großherzogtum Krakau gehörte seit 1846 zu Österreich und das übrige Polen ausgenommen das Großherzogtum Posen, das zu Preußen gehörte, war seit 1867 (Kongresspolen seit 1815) ein Gouvernement Russlands, somit war Warschau „russisch“; die Grenze zu „Russland“ verlief wenige Kilometer nördlich von Krakau.]

Zurück in Petersburg setzte Kropotkin offiziell seine wissenschaftliche Arbeit für die Geografische Gesellschaft fort, suchte und fand aber sofort Kontakt zu den sozialistischen Gruppen im Untergrund. Er schloss sich dem Tschaikowski-Kreis an, einer Narodniki-Gruppe um Nikolai Tschaikowski, den Bruder des Komponisten Peter Tschaikowski; Nikolai wurde später zwar mehrmals verhaftet, kam aber immer wieder frei, und kämpfte während der Revolution auf der Seite der Weißen und Alliierten, weil ihm die Gewalt der Oktoberrevolution zuwider war. Auch war er zeitweilig Präsident der Regierung von Nordrussland. Als ehemaliger Kämpfer gegen den Zaren, der dann Kollaborateur der Alliierten wurde, wurde er in Stalins Werken mit beißendem Spott bedacht. Kropotkin agitierte in Petersburg insgeheim unter dem Decknamen Borodin und war offiziell ein anerkannter Geologe, so anerkannt, dass er im April 1874 als Vorsitzender der Sektion für Physische Geografie vorgeschlagen wurde. Aber schon auf der Heimfahrt von der Sitzung ahnte er, dass man ihm auf der Spur war. Noch in der selben Nacht wurde er verhaftet und nach kurzem Verhör am nächsten Tag in eine Zelle der Peter-Pauls-Festung gebracht. Alexander II. gestatte ihm, in seiner Zelle seine Forschungsberichte fertig zu schreiben und Ende des Jahres kam sogar der Großfürst Nikolaus, Alexanders II. Bruder, in seine Zelle, um ihn – ihn an seine hohe Stellung bei Hofe erinnernd – auszufragen (und ihm vielleicht zu helfen). Kropotkin blieb jedoch verschwiegen.
Mit der Zeit ging es ihm gesundheitlich immer schlechter. Im April 1876 waren die Voruntersuchungen beendet und er wurde ins Untersuchungsgefängnis verlegt. Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch schon so krank, dass man ihm keine zwei Monate mehr gab und seiner Schwester gelang es, die Obrigen davon zu überzeugen, ihn ins Petersburger Garnisonshospital zu verlegen. Wenn überhaupt, war das die einzige Möglichkeit, Kropotkin zu befreien, und seine Freunde nahmen die Chance wahr. Nachdem Kropotkin wieder einigermaßen gesundet war, konnte er im Rahmen einer groß angelegten Aktion und unter Mitwirkung vieler Freunde fliehen: Bei seinem täglichen Hofspaziergang rannte er an der Schildwache vorbei, sprang in eine wartende Kutsche und jagte auf einer von weiteren Freunden gesicherten Route davon.
Kaum hatte ich aber ein paar Schritte getan, als die das Holz am andern Ende des Hofes aufschichtenden Bauern schrien: »Er läuft fort! Haltet ihn! Fangt ihn!« und mir am Tore den Weg verlegen wollten. Da flog ich, als gälte es mein Leben. An nichts anderes dachte ich mehr als schnell zu laufen – nicht einmal an das Loch, das die Karren am Tore ausgefahren hatten: »Renne! Renne, was du kannst!« tönte es in mir.
Wie mir meine Freunde, die der Szene vom grauen Häuschen zuschauten, später erzählten, lief die Schildwache samt den drei Soldaten, die auf den Türstufen saßen, hinter mir her. Die Wache war mir so nahe, dass sie sicher glaubte, sie könnte mich fangen. Mehrmals stieß sie mit dem Gewehr nach vorn, um mich mit dem Bajonett in den Rücken zu stechen, und einen Augenblick dachten meine Freunde, sie hätten mich. Offenbar war mein Verfolger so überzeugt, auf diese Weise meiner habhaft werden zu können, dass er nicht schoss. Aber ich behielt meinen Vorsprung, und am Tore musste er die Hoffnung, mich einzuholen, aufgeben. Sobald ich das Tor glücklich hinter mir hatte, bemerkte ich zu meinem Schrecken, dass in dem Wagen ein Zivilist mit einer Militärkappe saß, der sein Gesicht mir nicht zuwendete. Verkauft! war mein erster Gedanke. Meine Kameraden hatten geschrieben: »Bist du erst in der Straße, so gib dich nicht verloren, es werden Freunde da sein, die dich im Falle der Not verteidigen«; ich wollte daher nicht in den Wagen springen, wenn sich ein Feind darin befand. Als ich aber dem Wagen näher war, sah ich, dass der Mann einen blonden Backenbart trug, der wie der eines guten Freundes von mir aussah. Er gehörte zwar unserm Kreise nicht an, aber wir waren persönlich befreundet, und ich hatte mehr als einmal Gelegenheit gehabt, seinen kühnen Mut kennenzulernen und zu sehen, wie seine Kraft, wenn es not tat, auf einmal wahrhaft herkulisch wurde. Warum sollte er hier sein? Ist es möglich? dachte ich, und wollte schon seinen Namen rufen, als ich noch zur rechten Zeit an mich hielt und stattdessen, während ich noch lief, in die Hände klatschte, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Er wandte mir sein Gesicht zu, und nun wusste ich, wer es war. »Spring herein, rasch, rasch!«, schrie er mit schrecklicher Stimme und einen Revolver schussbereit in der Hand haltend, trieb er mich und den Kutscher mit heftigen Worten zur Eile an. »Fahre! Fahre schnell oder ich schieß‘ dich nieder, Kerl«, rief er dem Kutscher zu. Das Pferd, ein schöner erprobter Traber, den man zu diesem Zwecke erstanden hatte, setzte in vollem Galopp ein. »Haltet sie! greift sie!«, klang es gellend von zahlreichen Stimmen hinter uns, während mein Freund mir inzwischen behilflich war, mich mit einem Zylinder und einem eleganten Überrock zu bekleiden.

Über Finnland und Schweden flüchtete Kropotkin unter dem Decknamen Levašev nach England.

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.