Petersburger Forum trotz westlicher Störmanöver eröffnet

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Das 18. Petersburger internationale Wirtschaftsforum wurde in der nördlichen Hauptstadt Russlands eröffnet. Diese Zusammenkunft der Business-Elite wird drei Tage dauern und am 24. Mai zu Ende gehen. Am ersten Arbeitstag des Forums wurden mehrere Verträge unterzeichnet.

Die Aufrufe des US-Außenministeriums, die Petersburger Begegnungen zu boykottieren, zeigten keine besondere Wirkung. ie Zusammensetzung der Teilnehmer am Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum wird ungeachtet des Drucks seitens der US-Administration repräsentativ sein. Das teilte der Berater des Präsidenten Russlands, Juri Uschakow, mit. Seinen Worten zufolge sind weniger namhafte Persönlichkeiten anwesend. Doch insgesamt seien alle auf dem russischen Markt tätigen Unternehmen präsent.

Auf der Teilnehmerliste fehlen allerdings die Namen der Chefs von Goldman Sachs und Morgan Stanley, auch die Namen von Dutzenden Top-Managern westlicher Unternehmen. Aber dennoch meint der stellvertretende Minister für Wirtschaftsentwicklung Russlands, Sergej Beljakow, werde die Diskussion im Rahmen des Petersburger internationalen Wirtschaftsforums sogar lebhafter und aktueller sein als in den Jahren zuvor. Auch habe die Qualität der Programme des Forums wegen der Absage so mancher Firmenchefs aus dem Ausland keineswegs gelitten. In Petersburg sind zur Teilnahme am Forum die Chefs von fast 150 Großunternehmen der Welt, von 450 russischen Firmen sowie 109 Vertreter offizieller Delegationen aus 62 Staaten eingetroffen.

Das Hauptthema des Forums ist die Festigung des Vertrauens in der Epoche der Umwandlungen. Es klingt hochaktuell vor dem Hintergrund der von westlichen Ländern wegen der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen. Umso mehr, wo diese Sanktionen keine besondere Wirkung zeigen würden, erklärte in seiner Rede beim Forum der Finanzminister Russlands Anton Siluanow.

„Die Situation am Devisenmarkt hat sich bedeutend verbessert, der Rubel ist erstarkt. Der Kapitalabfluss, den wir vor gewisser Zeit beobachtet haben, verlangsamt sich. Unter den Bedingungen einer stabilen Währung, der Maßnahmen zur Reduzierung der Inflation, die die Zentralbank und die Regierung ergreifen, gibt es keinerlei Anlass, von einer Änderung der Kredit- und Geldpolitik zu sprechen. Übrigens sieht auch der Markt diese Tatsache, denn es ist eine Nachfrage nach unseren Wertpapieren zu verzeichnen. Das zeugt davon, dass die Handlungen der Regierung und der Zentralbank unter diesen Bedingungen absolut adäquat sind.“

Das Forum hatte kaum begonnen, da wurde bereits ein erster Vertrag unterzeichnet – ein regionaler. Die Stadtregierung von Sankt Petersburg unterzeichnete eine Vereinbarung mit dem Unternehmen IBM. Das Dokument signierten der Gouverneur der nördlichen Hauptstadt Georgi Poltawtschenko und der IBM-Direktor in Mittel- und Osteuropa David la Rose. Das Unternehmen wird der Stadt bei der komplexen Steuerung der sozialwirtschaftlichen Entwicklung helfen.

Beim Petersburger internationalen Wirtschaftsforum im vergangenen Jahr wurden 102 Verträge über eine Gesamtsumme von mehr als 300 Milliarden Dollar abgeschlossen. Die Forumsteilnehmer sind überzeugt, dass die Ergebnisse auch in diesem Jahr nicht schlechter sein werden.

Die europäischen Unternehmer wünschen sich eine Stabilisierung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, wie Lord Peter Mandelson, Vorsitzender von Global Counsel und früherer EU-Handelskommissar, am Donnerstag am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg sagte.

„Gegenwärtig wird das politische Risiko, welches mit dem russischen Markt verbunden ist, immer stärker empfunden “, äußerte er in einem Gespräch mit RIA Novosti.

Er äußerte die Sorge über eine Ausweitung der Sanktionen gegen Russland sowie darüber, dass diese härter werden, wenn sich die Situation um die Ukraine nicht normalisieren sollte. Bei einer Deeskalation des Konfliktes würde Europa keine weiteren Sanktionen verabschieden, fügte er an. Neben anderen Unternehmern wolle er „eine Stabilisierung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen“ sehen.

Auf die russisch-chinesischen Beziehungen eingehend sagte Mandelson, dass „China ein guter Markt für Russland“ sei. „Es ist aber nicht etwas, was schnell und leicht gemacht werden kann. Mehr als 50 Prozent des russischen Exportes entfallen auf Europa und nicht auf den Osten und China“, betonte er. Deshalb müsse Russland daran interessiert sein, gute Beziehungen mit den europäischen Ländern zu unterhalten.

Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg ist für deutsche Unternehmenschefs ein wichtiger Termin, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

Wegen der antirussischen Sanktionen sorgen sie sich um ihr Geschäft in Russland. Das Forum in der Newa-Metropole bietet ihnen eine gute Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit ihren russischen Partnern auszubauen.

Im Unterschied zu 2013 wird Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht nach St. Petersburg kommen, und zwar nicht nur weil sie in Berlin der Eröffnung einer Luftfahrtmesse beiwohnte und am Freitag in Düsseldorf die US-Handelskammer besuchen wird. Es ist offensichtlich, dass sie dem Druck aus Washington nachgegeben hat.

Das Weiße Haus hat bekanntlich den US-Unternehmen die Teilnahme am St. Petersburger Forum untersagt. Die Administration von Präsident Barack Obama versuchte auch, Deutschland zu ähnlichen Schritten zu zwingen.

In Berlin behauptet man allerdings, die Unternehmen wegen der Ukraine-Krise nicht unter Druck zu setzen. Die Führungsspitze des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, der ungefähr 200 Großunternehmen vertritt, wurde am Montag ins Bundeskanzleramt eingeladen – offenbar um gewisse Hinweise im Vorfeld des Forums in Russland zu bekommen. Merkel nahm an dem Treffen jedoch nicht teil. Ein Vertreter der Bundesregierung versicherte danach, dass die Unternehmer selbst entscheiden dürfen, ob sie nach St. Petersburg reisen oder nicht. Diese Entscheidung dürfte ihnen aber ziemlich schwer fallen, wenn man bedenkt, dass Merkel einerseits die große Bedeutung der guten Beziehungen mit Russland hervorhebt, Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel aber andererseits mit einer Verschärfung der antirussischen Sanktionen droht.

Vor diesem Hintergrund haben sich einige Großunternehmen wie E.ON und Siemens für eine halbe Lösung entschieden: Die Konzernchefs verzichten auf ihre Teilnahme am Forum, schicken aber ihre Stellvertreter.

Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes, verwies im Vorfeld des Wirtschaftsforums auf dessen große Bedeutung für den Ausbau der Wirtschaftskooperation und warnte vor negativen Folgen von antirussischen Sanktionen.

Stimme Russlands