Patriotismus ist in Russland in Mode

Das greift die russische Fashionbranche auf

[Daria Boll-Palievskaya] Der Pop-Art Künstler Alexej Sergijenko malte früher viele Margeriten und Matrjoschkas als Symbol Russlands. Jetzt ist er ein gefragter Modedesigner. Sein Markenzeichen – Wladimir Putin. „Putin ist jetzt zum Symbol unserer Heimat geworden. Das moderne Russland ist ohne ihn nicht mehr denkbar“, sagt er. In seinem Internetshop  kann man  T-Shirt kaufen, auf dem 1,5 Tausend kleine Putins Porträts gedruckt sind.

Lange Schlangen mitten im GUM hat man letztes Mal zu Sowjetzeiten gesehen. Jetzt stellen sich die  Leute an, um ein T-Shirt zu kaufen, auf dem der russische Präsident mit einem Leoparden schmust oder durch eine Sonnenbrille schaut. Die Kollektion der Marke „Anyavanya“ des jungen Designerpaares Anna Jefremowa und  Ivan Jerschow hatte einen Riesenerfolg. Das  Sweatshirt mit dem auf einem Pferd reitenden Putin und mit der Überschrift „Wir werden nicht eingeholt“ ist inzwischen Kult. Besondere Beliebtheit genießt das Motiv „Schöne Grüße aus der Krim“ – der Präsident wird mit einem Cocktailglas und in einem Hawaii Hemd  dargestellt, Krimlandschaft im Hintergrund. Ein T-Shirt der Marke „Anyavanya“  soll sogar Mickey Rourke bei einem Bummel durch das GUM  gekauft haben. Er hat sich für den Konterfei des Kremlchefs in Militäruniform entschieden.

Putin als Matrose, Eishockeyspieler oder mit der russischen Flagge im Hintergrund – solche T-Shirts von Nikita Karawajew gehen weg wie warme Brötchen.  Bis zu  zwei Tausend Stück pro Tag verkaufte der junge Modedesigner im GUM. Für die Winterkollektion gibt es auch Kapuzensweats.

Doch den jungen modebewussten Patriotinnen in Russland reicht es anscheinend nicht, ihren Präsidenten als Druckmotiv auf der Brust zu tragen. Der muss ihnen buchstäblich auf den Nägeln brennen. Der Aufkleber mit seinem Foto ist in Moskauer Nagelstudios seit diesem Sommer neben der russischen Flagge ein Hit. Die Idee gehört der Besitzerin eines Moskauer Nagelstudios Eleonora Gukasjan. Als sie die Sticker auf ihre Seite in einem sozialen Netzwerk im Internet präsentierte, brach die Besucherzahl alle Rekorde. „Der Patriotismus war etwas, was der Vergangenheit angehörte. Wladimir Putin schaffte, dass es bei den jungen Menschen wieder „in“ ist, patriotisch zu sein“, sagt sie.

Tja, da haben die Russen eben ihre Sympathien. Doch inzwischen scheint der russische Trend auch in Deutschland Anhänger gefunden zu haben. Jetzt sind  Putin T-Shirts bei Amazon käuflich zu erwerben und sind ein richtiger Renner. Besonders beliebt ist der Konterfei von Wladimir  Putin mit der dunklen Sonnenbrille. Darunter eine ganz knappe Überschrift in kyrillischen Buchstaben: „Putin“. Und natürlich wird die Sache politisch. Statt die Qualität der Ware zu bewerten, streiten sich die Rezensenten darüber, ob so ein T-Shirt in Europa getragen werden darf. „Sofort aus dem Programm nehmen!“, verlangen einige Kommentatoren, während die anderen meinen, das das T-Shirt ein „must have“ 2014“ für alle ist, „die sich nicht blenden lassen von unseren Medien“.

Über den Autor

Dr. Daria Boll-Palievskaya
Selbstständige interkutlurelle Trainerin und Coach mit Schwerpunkt Russland. Berät deutsche Unternehmen bei ihrem Engagement in Russland. Freiberufliche Journalistin und Publizistin