Pas’cha: Ostern in Russland und die Betriebsamkeit in der Küche

Foto: Wikipedia/Mitrius GemeinfreiFoto: Wikipedia/Mitrius Gemeinfrei
image_pdfimage_print

[Von Michael Barth] – Auch in Russland, wo Ostern  das höchste und wichtigste Fest der Orthodoxen Kirche ist, gibt es gewisse Rituale und Gebräuche. Erwartet man sich bei uns als süße Leckerei einen Osterhasen aus Schokolade, Marzipan oder Zuckerguss und dergleichen, wäre ein russisches Ostern ohne Pas’cha schier undenkbar.

Pas’cha (kyrillisch пасха), oft verwirrend ohne Trennung geschrieben, nennt man vielmehr das Osterfest in Russland, was sich wiederum vom jüdischen Passahfest ableitet. Aus diesem plausiblen Grund wird Pas’cha auch lediglich zu Ostern zubereitet und gegessen. Zubereitet wird die Süßspeise bereits am Donnerstag vor dem Ostersonntag.

Da der Quark der für die Süßspeise benötigt wird, zuerst ein wenig entwässert werden muss, lässt man ihn in einer speziellen Pas’cha-Form über Nacht abtropfen. Ursprünglich waren diese Formen in Form einer Pyramide mit abgeschnittener Spitze aus Holz gefertigt worden. Mittlerweile gibt es diese Pas’cha-Formen auch aus Kunststoff, beziehungsweise Hartgummi.

Aber auch ohne die besondere Form lässt sich ein Pas’cha leicht zuhause herstellen. Ein sauberer, mit einer glattgestrichener Stoffwindel aus Mull oder Leinenstoff, ausgekleideter Blumentopf aus Plastik erfüllt den selben Zweck. Die Zubereitung ist einfach, wenngleich auch etwas zeitaufwendig. Sollten Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sein, verraten wir Ihnen gerne das Rezept:

Sie brauchen dafür: 750 g Quark, 500 g Schlagsahne, 250 g Puderzucker, 150 g Butter, 4 Eigelb, je 50 g feingehackte Mandeln, Trockenfrüchte und Rosinen, 1 Vanillestange, 1 Prise Salz, nach Belieben 25 g Kognak oder Weinbrand.

Und schon geht’s los: Zunächst füllen Sie den Quark in die Form, bedecken die Öffnung mit einer Untertasse oder Stoff und beschweren diese. Sofern keine Kinder mitessen, können Sie die Früchte mit dem Kognak übergießen. Beides bleibt nun über Nacht stehen.

Am nächsten Tag schlagen Sie Butter, Eigelb, Puderzucker, das Vanillemark und Salz schaumig und vermengen die Masse in einer Schüssel mit dem abgetropften Quark. Achten Sie darauf, dass keine Klümpchen mehr vorhanden sind. Anschließend rühren Sie die Früchte und Mandeln sowie nach Belieben den Kognak hinein.

Zum Schluss wird noch die steifgeschlagene Sahne behutsam unter die Quarkmasse gehoben. Nun füllen Sie den Pas’cha wieder in die Form zurück und stellen ihn für ein paar Stunden an einen kühlen Ort.

Wenn Sie die Masse wieder vorsichtig von der Form befreit haben, geht es ans Dekorieren. Üblicherweise werden in Russland aus, wenn nötig kleingehackten, Trockenfrüchten und/oder Mandeln die Buchstaben XB (als kyrillische Anfangsbuchstaben für Христос воскрес, Christus ist auferstanden) gelegt.

Wie Sie sich sicherlich denken können hat bei der Pas’cha-Zubereitung jede russische Hausfrau ihr eigenes Rezept. Das hier vorgeschlagene ist eher eines der Einfacheren und gelingt ohne allzu großen Aufwand. Die Menge sollte für vier Personen ausreichend sein.

[Michael Barth/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.