Paradies – ein Filmtipp

Foto: Alpenrepublik Filmverleih, Pressefoto

Eines der cineastischen Highlights dieses Jahres feiert am kommenden Donnerstag Deutschland-Premiere. Ausgezeichnet mit dem silbernen Löwen bei den Festspielen in Venedig sowie dem „Cinema for UNICEF-Award“ zeigt die deutsch-russische Koproduktion um eine adlige Exilrussin, die für den französischen Widerstand 1941 kämpft, eine filmische Reise an die Grenzen der Gefühle. Paradies – Ein Film zwischen unstillbarer Sehnsucht nach Erlösung und grausamer Realität.

Der legendäre russische Filmemacher Andrei Michalkow-Kontschalowski, der an der führenden staatlichen Filmschule der Sowjetunion mit Andrei Tarkowski seine ersten cineastischen Schritte machte, ist bekannt für seine gefühlvollen und ausdrucksstarken Produktionen. Mit seiner filmischen Adaption des russischen Literaturklassikers „Onkel Wanja“ oder dem sowjetischen Monumentalepos „Sibiriade“ stieg Kontschalowski in die Riege weltberühmter Filmemacher auf. In seinem aktuellen Werk „Paradies“ setzt er vor allem wieder auf die gewaltige Bildsprache des Schwarzweißfilms. Nicht von ungefähr erhielt der Regisseur, dessen Vater einst den Text der russischen und sowjetischen Nationalhymne verfasste, erst vor Kurzem für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des „Friedenspreises des Deutschen Films“.

Ein bemerkenswertes Darsteller-Trio aus Frankreich, Deutschland und Russland erzählt von der Unmöglichkeit der Liebe während der Zeiten eines Krieges, in der Zivilisation und Menschlichkeit fast gänzlich außer Kraft gesetzt werden. Zeiten in denen jeder nur „seine Pflicht“ verrichtet, so wie der französische Polizist Jules (Philippe Duquesne), der in den frühen 1940-er Jahren im Auftrag der deutschen Besatzer Juden verhaftet oder gar abtransportieren lässt. Ebenso die schöne und adlige Exilrussin Olga (Julia Wysotskaja), die sich 1941 der Résistance anschließt und bei einer Razzia verhaftet wird, weil sie zwei jüdische Kinder bei sich aufgenommen hat. Auch wenn sich der Polizist von Olgas Beteuerungen nicht umstimmen lässt, entwickelt er Gefühle für die junge Frau.

Olgas Hoffnung auf Freiheit wird jäh zerstört, als Jules bei einem Waldspaziergang mit seinem Sohn von der Résistance erschossen wird. Im Konzentrationslager wird der Wunsch nach Überleben zum Motor. Eine Welt in der kaltblütige Aufseher und herzlose Mitgefangene das Leben zu einer Zerreißprobe machen, eine Welt in der sich jeder selbst der Nächste ist. Als die Exilrussin die zwei kleinen Jungen, die sie einst vor den nationalsozialistischen Schergen versteckt hatte, wieder trifft, erstarkt in ihr die Hoffnung auf ein besseres Leben. Wie es das Schicksal will, begegnet sie im Lager einem weiteren Menschen, den sie aus ihrem früheren Leben kennt.

Als Helmut (Christian Clauß), ein hochrangiger SS-Offizier, der sich einst in die Adelige verliebt hatte, sie als Haushälterin zu sich holen will, beginnt ein gefährliches Pas de deux um eine Beziehung, die ihnen der Krieg diktiert. Der Offizier verspricht Olga „ein deutsches Paradies auf Erden“ und gemeinsam schöpfen sie aus der Zuversicht der Hoffnung, in ein neues, wunderbares Leben zu entfliehen…

Kontschalowskis rund zweistündiges Meisterwerk wird ab Donnerstag den 27. Juli bundesweit in den Kinos ausgestrahlt. Der Film wird als Original in deutscher, russischer und französischer Sprache mit deutschen Untertiteln gezeigt, um die größtmögliche Glaubwürdigkeit herzustellen. Auf diese Weise erhält die Produktion ihren dokumentarischen Charakter.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.