Ostukraine: Vorsicht wegen Verhaftungen [mit Video]

Föderalismus statt Seperatismus? - Einzelheiten über Angriff "Rechter Sektor" in Charkow - Gubarjows Familie in Russland - positive Berichte und Aufmerksamkeit für Deutschland

Der Ton in der russischsprachigen Ostukraine hat sich geändert. Nachdem mehrere prorussische Oppositionsführer wegen „Verstoßes gegen die Integrität der Ukraine“ nach seperatistischen Demonstrationen verhaftet worden sind, lautet das Motto der kommenden Demo in Odessa am Sonntag „Für mehr Föderalismus“.

  • Dieser Artikel beruht ausschließlich auf Informationen von Online-Zeitungen der russischsprachigen Ostukraine, um eine Verfälschung des Bildes vor Ort durch deutsche oder russsische Propaganda zu verhindern.

In der Ukraine ist es unter Strafe gestellt, die Abspaltung von Landesteilen zu fordern. Das hat die Euromaidan-Regierung fleißig genutzt, prorussische Demonstrationsführer und andere unliebsame Politiker der russischsprachigen Ostukraine wie den Donezker Anführer Gubarjow hinter Gitter zu bringen. Deshalb schlägt man nun von prorussischer Seite zumindest formal einen gemäßigteren Ton an und fordert, wie bei einer kommenden Demonstration in Odessa, laut der örtlichen Onlinezeitung Tajmer vorsichtiger eine Dezentralisierung der Ukraine und mehr Rechte für die Regionen. Gubarjows Frau und Kinder sind mittlerweile nach Gewaltdrohungen des westukrainisch-nationalistischen Rechten Sektor im ukrainischen Internet nach Russland geflohen.

Inzwischen wurden auch Einzelheiten über einen gewalttätigen Vorfall auf einer prorussischen Demonstration in Charkow am letzten Sonntag bekannt. Wie die örtliche Onlinezeitung Oplot berichtet, kamen westukrainische Nationalisten in etwa 10 Fahrzeugen an. Sie waren mit Pistolen und Baseballschlägern bewaffnet, im Auto seien laut Augenzeugen Hakenkreuz-Fahnen zu sehen gewesen sein, daneben ukrainische, europäische und die schwarz-roten des „Rechten Sektors“. Sie griffen die prorussischen Demonstranten an, wodurch es zahlreiche Verletzte gab und setzten sich mit ihren Fahrzeugen dann wieder aus Charkow ab. Sie verletzten sich auch selbst mit Glassplittern, weil sie in großer Eile wegen ihrer Unterzahl aus einem Fahrzeug ohne heruntergekurbelte Scheiben einen Schuss abgefeuert hatten. In Charkow hatten am letzten Wochenende Samstags und Sonntag große prorussische Kundgebungen stattgefunden. Hier ein Bericht eines örtlichen Onlinesenders:

Ein besonderes Augenmerk legen ostukrainische Berichterstatter immer wieder über das Stimmungsbild in Deutschland. Es ist ihnen dabei nicht entgangen, dass viele Deutsche Sanktionen gegen Russland und den strikten Pro-Euromaidan-Kurs von Regierung und Presse nicht mittragen. Auch die wenigen kritische Artikel in Deutschland zur Haltung der EU im Ukraine-Konflikt werden gerne berichtet. Insgesamt verfügen die Medien der russischsprachigen Ukraine über ein sehr positives Deutschlandbild, während wahrscheinlich viel zu viele Deutsche immer noch nicht wissen, dass es eine russischsprachige Ostukraine gibt. Auch als möglicher Vermittler im Konflikt werden die Deutschen immer wieder hoffnungsvoll von den aktuell unterdrückten Ostukrainern genannt.