Ostukraine: Unterdrückung und schwer bewaffneter Polizeieinsatz [mit Videos]

Verhafteter Donezker Anführer in Kiew - Heute prorussische Demo und Montag Klitschko in Charkow - 30.000 Unterschriften für Unabhängigkeitsreferendum in Odessa

Wie wir schon berichtet haben, versucht die Euromaidan-Regierung in Kiew aktuell die Ostukraine mit harter Hand und dem Austausch zahlreicher Führungspersönlichkeiten unter ihre Kontrolle zu bringen. Der Unmut deshalb vor Ort wächst und neue prorussische Demonstrationen sind geplant.

  • Dieser Bericht basiert ausschließlich auf Meldungen von Onlinezeitung in der russischsprachigen Süd- und Ostukraine selbst, um die Manipulation durch deutsche oder russische Propaganda am Wahrheitsgehalt zu minimieren

In Charkow, der größten Stadt der russischsprachigen Ukraine, ist für heute 12 Uhr eine solche Demo angesetzt. Ein wahrer Shitstorm ergießt sich über den von Kiew dort neu ernannten Gouverneur Igor Balut im Internet und sozialen Netzwerken. Bei einer Umfrage der Charkower Onlinezeitung Oplot sprachen sich nur 4 % für seine Ernennung aus, 81 % gegen ihn aus (der Rest kannte ihn gar nicht). Das ist ein recht deutliches Stimmungsbild, wie die Ostukrainer aktuell gegenüber der Euromaidan-Regierung stehen. An einer mangelnden Kontrolle der Presse liegt der Unmut nicht, denn alle von Kiew aus verwalteten Online-News berichten konsequent nicht von prorussischen Aktionen, die man dann nur auf den wirklich örtlichen Newsseiten finden. Was aus Kiew kommt, sind gebetsmühlenartige Bitten, zu hause zu bleiben sowie die Verlegung von kasernierter Bereitschaftspolizei nach Osten.

Das gilt auch für Massendemonstrationen, wie die prorussische Demo vorgestern in Donezk. Zwei Amateurfilme über sie waren gestern die meistgeschauten Videos überhaupt in der Region. Hier die Demonstration:

Hier ein Polizeieinsatz bei der Demonstration. Er zeigt leider sehr deutlich, dass die Euromaidan-Regierung kein Hemmungen hat, gegen prorussische Demonstranten auch mit Schusswaffen ausgestattete Soldaten einzusetzen. Angesichts der Vergangenheit des Euromaidan an sich ist das mehr als makaber und zeugt von der Doppelzüngigkeit der Kiewer Politik:

Der gestern inhaftierte prorussische Oppositionsführer Paul Gubarjow  aus Donezk wurde mittlerweile von den Euromaidanern nach Kiew verbracht, da man offenbar Angst vor Befreiungsversuchen seiner Anhänger hat. Diese demonstrieren auch zur Stunde vor seinem vorherigen Haftort in Donezk. Erfolgreich hat es mit der Verhaftung die Euromaidan-Regierung geschafft, nun auch eine Märtyrer der prorussischen Bewegung in der Ostukraine zu produzieren, der von den Einheimischen mittlerweile „Gouverneur der Menschen“ genannt wird.

Ähnlich wie in Charkow und Donezk ist die Stimmung im südukrainischen Odessa. Hier wurden laut der dortigen Onlinezeitung Tajmer vor allem Forderungen nach einer demokratischen Wahl von Gouverneuren in der Ukraine laut. Auch ein Referendum über den Verbleib bei der Ukraine nach dem Vorbild der Krim fordern viele Einheimische der mehrheitlich russischsprachigen Stadt. 30.000 Unterschriften hierfür haben Aktivisten laut Tajmer in der Region bereits gesammelt. Mit Unmut reagiert die Bevölkerung auch die Löschung russischsprachiger Regierungsseiten von den neuen Machthabern in Kiew, mit der ebenfalls ein Zeichend der Konfrontation statt Versöhnung gesendet wird. Durch die Stadt ging auch eine Meldung über eine Polizeirazzia bei einer russlandfreundlichen Kosakenorganisation. Die dort sichergestellten Gegenstände, vor allem Messer und Schlagstöcke, zeigte die Polizei von Odessa stolz in einem Internet-Video:

Von der Krim dringen in Ukraines Süden und Osten Angebote, dass sich unter Druck geratene prorussische Aktivisten nach dorthin absetzen sollen und gerne aufgenommen werden. Die Zeichen stehen aktuell in der russischsprachigen Ukraine eher auf Konfrontation als auf Flucht, vor allem, so lange Kiew weiter aktiv Öl ins Feuer gießt. Für Charkow hat sich am Montag Witali Klitschko zum Besuch angekündigt.  Die Nachfrage nach werfbarem Gemüse soll nach dieser Ankündigung schon gestiegen sein. So jedenfalls der einheitliche Ton der Forenbeiträge hinter der Meldung in Charkow.