Ostukraine: Ukrainische Nationalgarde schießt auf Menschenmenge [mit Videos]

MIt Schüssen von der Abstimmung abgehalten - Berichte über Todesopfer in Krasnoarmejsk

Aus mehreren Orten der Ostukraine wurde bereits den ganzen Tag von gewaltsamen Störungen des umstrittenen Referendums in der Ostukraine berichtet. Auffällig ist, dass die neu gegründete Nationalgarde fast immer eine eine Rolle spielte. Nun gipfeln die Meldungen in einer erschreckenden Nachricht: Schüsse auf eine Menschenmenge, die am Referendum teilnehmen wollte in Krasnoarmejsk, von wo es auch zahlreiche Amateurvideos und Augenzeugenberichte in Sozialen Netzwerken gibt.

  • Dieser Artikel beruht, wie alle aus der Ostukraine bei russland.RU, ausschließlich auf ukrainischen Quellen, bevorzugt von direkt vor Ort in der Ostukraine und verwendet kein Quellenmaterial von deutschen oder russischen Medien oder Agenturen, um eine unabhängige Berichterstattung zu gewährleisten

Hier rächt sich, dass die Euromaidan-Regierung beim Aufbau der Garde auf die Rekrutierung unter radikalen Nationalisten gesetzt hat. Ein erstes Video aus Krasnoarmejsk im Donbass zeigt eine Konfrontation zwischen Bürgern, die zum Referendum wollen und der Nationalgarde, die eben das gewaltsam verhindert.

Die Bürger sind aufgebracht. Schüsse fallen. Panik, die Menschen fliehen. Im folgenden Amateurvideo ist der schockierende Moment zu erleben:

Es folgen wüste Beschimpfungen der Menge. „Ihr seid keine Ukrainer, Ihr seid Amerikaner!“ Das Wort „Pederast“ fällt, was im Russischen im ursprünglichen Sinne ebenfalls Kinderschänder heißt, aber universeller angewendet wird. Nach Fotos von vor Ort, die die Onlinezeitungen Politnavigator (Kiew) und Nahnews (Charkow) veröffentlicht haben, ist auf jeden Fall mit Todesopfern zu rechnen. Vor Ort sind Einheiten der Nationalgarde mit dem Namen „Dnjepr“ eingesetzt. Hier noch zwei Videos, die Diskussionen zwischen den Nationalgardisten und den Menschenmenge vor der verhängnisvollen Eskalation zeigen und Rechtfertigungsversuche eines Vertreters der Nationalgarde für seinen Einsatz vor Ort

http://www.youtube.com/watch?v=XM6CZ7ssRJM

Auch aus anderen Orten im Donbass werden Behinderungen der Abstimmungen durch die Nationalgarde gemeldet, wo es jedoch glücklicherweise keine derartige Eskalation der Ereignisse gab, wie in Krasnoarmejsk. Krasnoarmejsk (ukrainisch Krasnoarmijsk, wir nutzen bei mehrheitlich russischsprachigen Orten die russischen Namen) ist eine Stadt ganz im Westen den Donbass mit etwas über 60.000 Einwohnern und ein regionales Zentrum (Rajonshauptstadt).

Gewalt erzeugt Hass

Es ist die Frage, wie die Euromaidan-Regierung mit solchen Methoden tatsächlich eine Befriedung des unruhigen ukrainischen Ostens erreichen will oder ob der „Anti-Terror-Einsatz“ das Gegenteil von dem bewirkt, was er bezweckte. Der Kiewer Politologe Juri Romanenko wird von der Onlinezeitung Politnavigator zitiert,  das aktuelle Vorgehen der Regierung verfestigt ständig die Verwurzelung der Seperatisten in der örtlichen Bevölkerung. Wie die Stimmung von Augenzeugen solcher Taten danach ausschaut, braucht man nicht lange zu überlegen. Es wäre in der Geschichte auch einer der ersten Fälle gewesen , wo Gewalt nicht Gegengewalt erzeugt und Unterdrückung Solidarität mit der Gegenseite. Es fragt sich nach Slawjansk, Mariupol und solchen Vorfällen eher, um wieviel die Anzahl der Sympathisanten einer Abspaltung von der Ukraine nicht noch gewachsen ist. Anders als beispielsweise in Odessa handelt es sich hier auch nicht um einen Fall gegenseitiger Eskalation von Anhängern der verschiedenen Lager, sondern um einen Angriff einer staatlichen Einheit gegen die hier unbewaffnete eigene Bevölkerung.

Im Gegensatz zu Mariupol oder Odessa berichten nun auch die großen westlichen Medien (bisher) ohne (allzu große) Beschönigungen über die Vorgänge (Korrektur 12.5. – der einzige Bericht der Tagesschau  ist in Rekordzeit von der Auslandsseite verschwunden und nur noch über Verlinkungen in die Tiefe erreichbar; in den aktuellen Referendums-Artikeln fehlt Krasnoarmejsk komplett). Die Phase der Möglichkeit einer schwarz-weiß-Darstellung des Euromaidan-Antimaidan-Konfliktes sind spätestens mit dem heutigen Tag selbst mit rosaroter ARD-Brille vorbei. Das liegt übrigens hauptsächlich daran, dass ein Fotograf der westlichen Nachrichtenagentur AP zufällig vor Ort war und das Geschehene bestätigen konnte. Selbst den vielen ukrainischen Medien in der Hand von Oligarchen wie dem Präsidentschaftskandidaten Poroschenko, die den Euromaidan unterstützen, werden sich nun mit der Färbung der Ereignisse schwer tun.