Ostukraine: Rebellen greifen Mariupol an

Gerüchte über "menschliche Schutzschilde" und toten US-Ausbilder vor Ort - gesicherte Meldungen über Kämpfe nahe der russischen Grenze und um Grenzposten

Die separatistischen Rebellen versuchen aktuell offenbar wirklich mit einer eigenen Großoffensive das militärische Blatt in der Ostukraine zu wenden, nachdem es in den letzten Wochen hauptsächlich zurück ging.

Angriffsziel ist laut mehrerer ostukrainischer Onlinezeitungen, darunter auch solcher aus der Stadt selbst, Mariupol am Schwarzen Meer, dass die letzten Rebellentruppen bereits vor Monaten verlassen hatten, als überlegene Regierungseinheiten in die Stadt einrückten. Ein Vorstoß in diese Stadt würde einen tiefen Einbruch in von der Regierung aktuell gehaltenes Gebiet bedeuten und wäre ein Novum im Kriegsverlauf. Die Onlinezeitung Tajmer aus Odessa sowie Mariupol Schisn aus Mariupol melden Kämpfe aus den unweiten Orten Nowoasowsk und Telmanowo und vom Stadtrand. Eine gemeldete Eroberung von Telmanowo wurde vom ukrainischen Sicherheitsrat dementiert, Nowoasowsk soll mittlerweile nach Bewohnern unter der Kontrolle der Rebellen sein. Die Stadt ist ein Grenzort in Richtung Russland. Unter Soldaten des Grenzschutzes gab es mindestens zwei Tote laut einem Bericht des Portals Anaga.

Vor Ort verteidigt gemäß der Onlinezeitung Politnavigator die berüchtigte Regierungsmiliz „Asow“, die durch ihr geschlossenes Bestehen aus westukrainischen Neonazis selbst in Deutschland schon in den Schlagzeilen war. Die Onlinezeitung Nahnews aus Charkow meldet hierzu, dass die Nationalgarde Bewohner der Stadt aus den Häusern geholt hätte, die dann den Gardisten als „menschliche Schutzschilde“ für den Angriff dienen mussten. Solche Berichte gibt es auch aus Sozialen Netzwerken, in örtlichen Medien aus Mariupol wie Mariupol Schisn ist hiervon jedoch nichts zu lesen. Die Bewohner seien laut der Meldungen an die Grenzen der Stadt in Richtung des Rebellenangriffs gebracht wurden.

Die Ukrainer meldeten natürlich eine Zurückschlagung der Angriffe und – oh Wunder – dass sie aus Russland kamen (dies wird natürlich auch wieder von der Tagesschau nacherzählt). Die Rebellen, ebenso selbstverständlich, melden die Einkesselung und Vernichtung mehrerer Regierungseinheiten und die Einnahme zahlreicher Dörfer in der Region, was dann, ebenso natürlich, auch von russischen Regierungsmedien wiederholt wird. Wer tatsächlich „gewinnt“, ist wie immer unklar und selbst örtliche Journalisten halten sich hier mit eindeutigen Aussagen zurück. Auch eine auf mehreren russischen Seiten auftauchende Meldung, in Mariupol sei bei den Angriffen ein US-amerikanischer Ausbilder zu Tode gekommen, wurde von Mariupol Schisn als nicht gesichert gekennzeichnet und in Fragezeichen gesetzt. Die Meldungen über Angriffe aus Russland tauchen in den unabhängigen örtlichen Medien ebenfalls nicht auf. Aus Lugansk werden gleichzeitig weiter Kämpfe am Stadtrand gemeldet, aus Donezk ein erneuter Artilleriebeschuss durch die Regierung.

Roland Bathon, russland.RU; Foto: Dmitrost, Wikimedia Commons