Ostukraine: Prorussische Proteste gehen weiter, provoziert von Kiew [mit Video]

Demo in Odessa nach Inhaftierung Oppositionsführer - Donezk als Seperatistenhochburg - Sorgen um Verhältnis zu Russland

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Die Ostukraine kommt nicht zur Ruhe. Wegen der Verhaftung prorussischer Oppositionsführer und der Forderung nach einem Referendum über den Verbleib bei der übrigen Ukraine sind weitere Proteste geplant.

So ist in Odessa am Sonntag eine weitere Großdemonstration der Prorussen fest angemeldet worden. Aktuell unterhalten sie in der Stand ein dauerhaftes Camp, in dem sich in Schichten ständig etwa 200 Leute aufhalten. Das Camp wurde in den letzten Tagen von einem Team des russischen Staatsfernsehens besucht. Ein ähnliches Camp gibt es in Odessa auch von Euromaidan-Anhängern, das mit knapp 100 Menschen nicht ganz so gut besetzt ist. Vielleicht war auch deswegen die Tagesschau noch nicht da.

Die Lage in Odessa war vor allem durch die Verhaftung des prorussischen Führers Davitschenko am letzten Wochenende eskaliert, wo die neue Ukrainische Nationalgarde nur knapp eine Erstürmung der Staatsanwaltschaft verhindern konnte. Erst als die Meldung durch drang, der Opositionelle befände sich bereits auf dem Weg nach Kiews, zerstreute sich die aufgebrachte Menge. Um noch einmal richtig Öl ins Feuer zu gießen, verkündete heute zwei Monate Untersuchungshaft für Davitschenko. Pikanterweise rekrutiert sich die verteidigende Nationalgarde vor Ort zu allem Übverfluss nach Informationen der örtlichen Onlinezeitung Tajmer vor allem aus Neonazis des „Rechten Sektors“, weshalb die Chancen auf weitere Gewalttätigkeiten gut stehen. So müssen selbst neutrale Beobachter vor Ort den Eindruck bekommen, die Euromaidan-Regierung tue alles, um die Lage in den russischsprachigen Gebieten weiter zu eskalieren.

In Donezk ist ein neuen Videos von der letzten prorussischen Demonstration aufgetaucht, die wohl eine der größten der Ostukraine seit dem Ende des Sowjetunion gewesen ist. Der Donbass, dessen Zentrum Donezk ist, gilt mittlerweile innerhalb des ostukrainischen Festlands als Hochburg von Seperatisten:

Mit Sorgen betrachtet die russischsprachige Ostukraine den Austritt der Ukraine aus der GUS und die Einführung einer Visapflicht für Russen. Die Ostukrainer haben intensiven Kontakt in das benachbarte Westrussland. Viele haben Verwandte oder Bekannte dort. Auch die Vorgänge in Kiew rund um den gewaltsamen Rücktritt des TV-Programmdirektors Panteleimow erfüllen die Bürger mit Sorge. Regionale Medien wie die Onlinezeitung Tajmer aus Odessa berichten, dass es einen ähnlichen Fall bereits zuvor am 17. März mit einem leitenden TV-Funktionär namens Tschernigow gegeben habe – ebenfalls mit Gewalt, Rechtsextremisten und erzwungenem Rücktritt. Damals seien nur keine laufenden Kameras dabei gewesen. Derartige Vorkommnisse vergrößern die Kluft zwischen den an der Macht befindlichen Euromaidanern und dem Osten des Landes weiter. Auch die Kandidatur Julia Timoschenkos für das Präsidentenamt begrüßt kein Onlinemedium in ihrer alten, ostukrainischen Heimat wirklich mit Jubel. Dafür hat eine Karrikatur weite Verbreitung, die Timoschenko als das gierige Wesen „Gollum“ aus dem Fantasy-Epos „Herr der Ringe“ zeigt, offenbar wegen der ihr unterstellten Gier nach Reichtum und Macht.

Die Haltung der russischen Regierung beurteilen sie derweil unterschiedlich. Während die einen den russischen Militäreinsatz auf der Krim begrüßen kritisieren andere, Putins Politik der „harten Hand“ würde den in Ukraines Osten verhassten „Euromaidanern“ nur Unterstützung aus dem westlichen Ausland verschaffen. Es wäre nach dieser Meinung aussichtsreicher gewesen, friedlich für mehr Autonomie in der Ostukraine zu kämpfen, vor allem für die Chancen des ostukrainischen Festlands, eine solche zu erreichen.

Mit einem militärischen Eingreifen Russlands auf dem Festland wird von Seiten der dortigen Bewohner nicht gerechnet. Auch die Chancen für ein Militärengagement der Ukrainer oder einer Militäraktion der NATO zur Rückeroberung der Krim beurteilt die örtliche Presse mittlerweile negativ. Es wäre auch nicht ausgeschlossen, dass solche Aktionen von prorussischen Sympathisanten aktiv sabotiert werden würden. Eine Gruppe von ihnen hat auch ein sehr erfolgreiches Video ins russische Netz gestellt: