Ostukraine: Militäraktion im Donbass – mindestens fünf Tote [mit Videos]

Schwere Kämpfe in Slawjansk - Kämpfe um Stadtverwaltung Mariupol - Angriff auf Militäreinheit bei Artemowsk

Die nach Ostern angekündigte Militäraktion der ukrainischen Euromaidan-Regierung im Donbass ist angelaufen. Auch irreguläre Truppen hätten die Euromaidaner dabei laut örtlichen Medien eingesetzt. Aktiv waren in der letzten Nacht aber auch Separatisten auf Waffenjagd. Die schwersten Kämpfe werden aus Slawjansk in der Region Donezk gemeldet. Dieser Artikel wird bei neuen Kampfhandlungen, die uns bekannt werden, laufend aktualisiert.

  • Mit Ausnahme der Reaktion von Putin beruhen alle Informationen dieses Artikels ausschließlich auf ukrainischen Quellen

Schwere Kämpfe in Slawjansk

Weitere Bemühungen des ukrainischen Militärs befassen sich mit der Auflösung separatistischer Straßensperren. Die schwersten Auseinandersetzungen werden aus Slawjansk gemeldet, das von Panzereinheiten umstellt sein soll. Dort gab es dabei bei der Erstürmung von drei Checkpoints fünf Tote. Einzelne Militärangriffe sollen nach Rebellenangaben auch zurückgeschlagen worden sein. Auch an Fernstraßen wie der Magistralen von Charkow nach Rostow an Don in Russland sollen solche Straßensperren aufgelöst wordne sein. Alle Aktionen des Militärs deuten auf eine einheitliche Strategie hin. Offenbar soll die Herrschaft der dezentral agierenden Milizen in der Fläche gebrochen werden, bevor man sich den Zentren des Antimaidan in Donezk und Lugansk zuwendet. Hier Amateuraufnahmen von den Angriffen in Slawjansk:

Kampf um Stadtverwaltung Mariupol

So werden aus Mariupol in der letzten Nacht gewalttätige Auseinandersetzungen um die seit 13.4. von Antimaidanern besetzte Stadtverwaltung gemeldet, bei denen es in der Nacht fünf Verletzte gegeben habe. Eine gegen die Aktion der Kiewer Regierung gestimmte Menschenmenge habe sich in den Morgenstunden vor dem Gebäude versammeltund diese mit „Schande! Schande!“-Rufen begleitet. Inzwischen wurde der Bereich um die Stadtverwaltung von bewaffneten ukrainischen Einheiten abgesperrt. Innenminister Awakow meldete am Morgen auf seiner Facebook-Seite die Rückeroberung des Gebäudes. Ob diese tatsächlich erfolgt ist, ist aufgrund widersprüchlicher örtlicher Meldungen noch unklar, auf jeden Fall sind Sicherheitskräfte ins Gebäude eingedrungen. Die zwischenzeitlich gestürzte Flagge Russlands am Gebäude soll aber wieder wehen. Zahlreiche Fotos aus Mariupol präsentiert die örtliche Onlinezeitung 0629.com.ua in einem Artikel.

Angriff auf Militäreinheit in Artemowsk

Von einem Angriff auf eine ukrainische Militäreinheit berichtet die Donezker Onlinezeitung V Gorode. Nachts um zwei Uhr habe ein bewaffneter Überfall mit Schusswechseln und Explosionen stattgefunden. Ziel der Angreifer sei das Waffenlager der Einheit gewesen. Es seien mehrere Dutzend Angreifer gewesen, die sich nach der Gegenwehr des Militärs wieder in die Nacht zurückgezogen hätten. Es habe mehrere Verletzte gegeben. Vom Angriff selbst gibt es kein Video, jedoch aus dem Umfeld von Artemowsk von anfliegenden Kampfhubschraubern

Entführer US-Journalist soll ausgetauscht werden

Der entführte US-Journalist Simon Ostrovsky soll gemäß einer weiteren Medung von V Gorode nach Willen des Antimaidan-Führers Ponomarenko in Slawjansk mit dem in Kiew inhaftierten „Volksgouverneur“ von Donezk Pawel Gubarew ausgetauscht werden. Dieser war nach ersten prorussischen Protesten im Donbass im März verhaftet worden. Ostrovsky ist vor drei Tagen von separatistischen Milizen entführt worden.

Update 13:40 Uhr MESZ: Reaktionen der Politik

Zu den heutigen Militäraktionen gibt es zwei Stimmen aus der Politik. Zum einen aus Kiew vom Sprecher der  rechtspopulistischen Partei „Swoboda“ Juri Sirotjuk, der ein hartes Vorgehen der ukrainischen Armee begrüßt um die Ausbreitung der separatistischen „Metastasen“ (Originalbezeichnung метастазы) im Donbass zu verhindern. Demhingegen bezeichnet Putin gegenüber dem russischen Sender Rossija 24 das Vorgehen der ukrainischen Armee als „Vebrechen an der eigenen Bevölkerung“.

Update 16:00 Uhr MESZ: Abschluss Hubschrauber in Slawjansk – Beteiligung „Rechter Sektor“

Nach Augenzeugenberichten aus Slawjansk, die von regionalen Medien geschildert werden, haben Rebellen in Slawjansk einen ukrainischen Militärhubschrauber abgeschossen. Eine Augenzeugin berichtet weiter über die Beteiligung von Freiwilligen des „Rechten Sektors“, einer westukrainischen neonazistischen Vereinigung, an der Militäraktion. Die Rebellen berichten weiter, sie würden zeitweise verlorene Checkpoints am Stadtrand wiederherstellen. In der Stadt wird offenbar vom ukrainischen Militär eine Broschüre verteilt, nach der die Bevölkerung zu Hause bleiben und den Anordnungen der prorussischen Milizen keine Folge leisten soll. Nach verschiedenen Berichten ist Slawjansk umstellt, die Stadt an sich jedoch in den Händen von Antimaidan-Milizen. Hier entsprechendes Videomaterial von Amateufilmern:

Hier ein Amateurvideo von einer Landung von Fallschirmjäger-Einheiten bei Slawjansk

http://www.youtube.com/watch?v=X3en-SHc1Yc

Auch von den Kämpfen auf den Straßen gibt es mehrere Amateurvideos

Der Euromaidan-Präsidentschaftskandidat und ukrainische Oligarch Poroschenko soll sich in Lugansk befinden, würde jedoch am Flughafen von Antimaidan-Demonstranten blockiert. Auch Julia Timoschenko soll vor Ort sein und mit Antimaidanern verhandeln. Angesichts der kritischen Reaktion Russlands finden Videos über dortige Truppenbewegungen knapp jenseits der Grenze große Aufmerksamkeit:

Hier in Nowoschachtinsk, ebenfalls unweit der Grenze zur Ukraine. Wie laut dem Filmer zu hören ist, unterstützt die Bevölkerung die Aktionen der Armee mit Hupen:

Update 18:45 Uhr MESZ: Vorläufige Einstellung Kampfhandlungen in Slawjansk

In Slawjansk sind nach örtlichen Informationen die Kampfhandlungen vorläufig eingestellt worden. Das berichten mehrere regionale Medien. Die ukrainischen Truppen hätten sich vorläufig aus dem Stadtgebiet zurückgezogen, halten es aber nach wie vor eingeschlossen. Mit einer Fortsetzung der Kämpfe zu einem späteren Zeitpunkt ist zu rechnen. Die Schulen und Kindergärten sind nach Informationen der örtlichen Onlinezeitung Gaseta Objawlenij praktisch menschenleer. Es ist davon auszugehen, dass die heutigen Kämpfe mehr als fünf Todesopfer gefordert haben. Hierbei handelt es sich um die aus einer offiziellen Armeemeldung und getötete Rebellen. Es hat nach verschiedenen Quellen aber auch Tote bei der ukrainischen Armee und unabhängig von dem genannten Feuergefecht gegeben.