Ostukraine: Krieg und Frieden?

Kommentar zu zwei Sichten auf einen Tag - "gewürzt" mit den schlechten Meldungen des gleichen Tages aus einem Bürgerkrieg

Wenn man heute in Onlinezeitungen in der Ostukraine und Tagesschau.de anschaut, könnte man denken, es geht um zwei verschiedene Konflikte im Donbass. Melden die einheimischen Berichterstatter nämlich heute vor allem schwere Kämpfe mit neuen Toten spicht die ARD ausschließlich vom – natürlich von den „guten“ Euromaidanern – angekündigten Waffenstillstand, als herrsche vor Ort schon eitle Sonne. Denn Berichte über Kämpfe finden sich nicht.

Komisch – sind das doch genau die gleichen Euromaidaner, die zur Stunde noch fleißig angreifen und dadurch die viel zitierten Kämpfe im Gang halten, wie die Onlinezeitung Tajmer aus Odessa schreibt. Positionskämpfe, Artilleriefeuer, das Ringen um Gorlowka – die Meldungen von vor Ort sind die gleichen, wie in den letzten Tagen. Komisch ist, dass all das der ARD-Korrespondentin Golineh Atai, immerhin auch seit ein paar Tagen wieder in Donezk, bis auf eine Rauchsäule Tag für Tag aufs Neue entgeht. Die Regierungstruppen nehmen mittlerweile die Kleinstädte Stepanowka und Marikowka ein, die Rebellen melden mehrere zerstörte Panzer und Transporter der Armee am heutigen Tag. Im Angriff befinden soll sich das berüchtigte Nationalgarden-Batallion „Asow“, das sich nach bestätigten Berichten hauptsächlich aus westukrainischen Neonazis zusammen setzt – mit umfangreicher Luft- und Panzerunterstützung, wie Tajmer und andere weiter schreiben – die anderen sind natürlich weder der Spiegel noch der Focus, noch andere große westliche Medien, die sich bei ukrainischen Offensiven außer bei Siegesmeldungen eher mit Wegschauen beschäftigen. Weitere umkämpfte Orte sind Schachtjorsk und Tores.

In der Region Lugansk mussten in Folge der Kampfhandlungen drei Zivilisten sterben, darunter ein 15jähriger Jugendlicher – sieben wurden verletzt. Etwa 85 % der Lugansker Bürger haben keinen Strom. Darüber hinaus werden nach einer Meldung der Onlinezeitung „Politnavigator“ die Nahrungsmittel knapp. Aus dem Dorf Rebrikowo sollen die Rebellen Regierungssoldaten vertrieben haben. Damit setzt sich ein Trend der Vortage fort – die Regierungstruppen sind offensiv bei Donezk, die Rebellen an der russischen Grenze. Es bleibt spannend, ob der erneut von der Tagesschau riesig angekündigte Waffenstillstand wirklich zu einem Schweigen der Waffen führt oder ob wir ein neues Kapitel des schon recht dicken Fortsetzungsromans erleben „wie deutsche Medien mit blinder Übernahme von Euromaidaner-Meldungen baden gehen„.

Roland Bathon, russland.RU: Foto: Anna News, Creative Commons