Ostukraine: Kämpfe an vielen Orten [mit Videos]

Kämpfe in Slawjansk - Unruhe in Donezk - Brandanschlag in Lugansk - Trauer in Odessa

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Aus allen Teilen der Ostukraine dringen heute wieder beunruhigende Meldungen. Zentrum schwer bewaffneter Auseinandersetzungen ist heute wieder die Großstadt Slawjansk.

Kämpfe in Slawjansker Vorort

Um die Stadt Slawjansk werden heute von zahlreichen Medien der Ostukraine heftige Kämpfe berichtet. Zentrum der Auseinandersetzungen sei der Vorort Semeniwka berichtet die örtliche Onlinezeitung Slavgorod. Die ukrainische Armee ziehen ihren Ring um die Stadt enger und die Selbstverteidigungskräfte der Separatisten bereiten sich auf einen Straßenkampf in der Innenstadt vor, den sie auch zu führen gewillt seien. Nach Meldungen der Onlinezeitung Politnavigator hat die Nationalgarde, die die Armee verstärkt und viele westukrainische Nationalisten in ihrer Reihen hat, auch Zivilisten beschossen, wenn sie mit Sankt-Georgsbändern oder anderen Sympathiesymbolen der aufständischen Ostukrainer geschmückt waren. Konkret ist von einem Radfahrer und einem zivilen Lada die Rede. Die separatistischen Kräfte geben ihre heutigen Verluste mit zwei Toten und neun Verletzten an. Hier einige Amateurfilme aus Slawjansk von heute

http://www.youtube.com/watch?v=T7LLrNXZqJ4

Gebäudebesetzungen und Armeegründung in Donezk

In Donezk, der größten Stadt des Donbass widersprechen sich viele Meldungen. Gerüchte um einen Wechsel der Flagge der Polizeit zur unabhängigen Republik tritt die Onlinezeitung Vgorode entgegen. In der örtlichen Forst- und Jagdverwaltung durchsuchten unbekannte Bewaffnete das Gebäude nach Waffen und brachen dabei auch in die Waffenkammer ein. Es gibt auch Meldungen über weitere Gebäudebesetzungen in der Innenstadt, wobei die Lage sehr unübersichtlich ist. Weitere Meldungen aus der Stadt berichten von der Gründung einer formellen Armee der ausgerufenen unabhängigen Donbass-Republik, die zu Anfang 1.000 Soldaten haben soll.

Stille in Kramatorsk

Ähnliches gilt für einen weiteren Brennpunkt Kramatorsk. Hier wurde gestern die Einnahme durch die ukrainische Armee gemeldet. Diese zog sich jedoch offenbar in den Abendstunden aus der Stadt wieder zurück. Heute herrscht dort gespannte Ruhe, Trümmer liegen auf den Straßen und die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht

Erhöhung Opferzahl und Trauer in Odessa

In Odessa sollen die gewaltsamen Auseinandersetzungen vom vergangenen Freitag nun sogar 46 Todesopfer gefordert haben, wie die regionale Onlinezeitung Tajmer berichtet. Verschiedene Onlinemedien sammeln bereits Opferlisten und Todesursachen, da sich die Behörden weigern, eine solche Liste selbst zu veröffentlichen. Im ausgebrannten Gewerkschaftshaus, in dem es die meisten Todesopfer gab, legten zahlreiche Bewohner der Stadt Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Wohl aus Angst vor Verfälschungen fangen Onlinezeitungen auch an, Augenzeugenberichte vom Geschehen aufzunehmen und zu veröffentlichen.

Brandanschlag auf Timoschenko-Büro in Lugansk

Auf das örtliche Büro der Euromaidan-Partei „Vaterland“ von Julia Timoschenko wurde ein erneuter Brandanschlag verübt. Die Gegend um Lugansk steht aktuell unter verstärkter Beobachtung, da es die direkte Grenzregion zu Russland ist. Politnavigator schließt in einem eigenen Artikel nicht aus, das das heftige Drängen der Armee Freiwillige aus dem benachbarten Russland animieren könnte, die dortigen Milizen zu verstärken, die in der Bevölkerung jenseits der Grenze über große Sympathien verfügen. Auch in Russland befinden sich viele Waffen der Typen Kalaschnikow und Makarow in Privatbesitz, die die Separatisten einsetzen.

Auch auf private Einrichtungen gibt es Angriffe in der Ukraine. Während auf ein russisches Kulturzentrum in der westukrainischen Stadt Liwow ein Brandanschlag verübt wurde, blieben  im Donbass die Filialen der regierungsnahen „Privatbank“ nach gestrigen Anschlägen geschlossen.