Ostukraine: Eroberung von Debalzewo – Kämpfe rund um Donezk [mit Videos]

Beide Seiten brechen Waffenruhe, die damit real nicht mehr existiert

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In der Ostukraine haben beide Seiten wieder heftig zu kämpfen angefangen. Der erst am Wochenende geschlossene Waffenstillstand ist damit faktisch gescheitert.

Kampfort: Debalzewo – Rebellenangriff

Die in der Stadt Debalzewo im Donbass nahezu umzingelten etwa 8.000 Soldaten der Kiewer Regierungstruppen sollen die Kontrolle über die Stadt weitgehend verloren haben. Als strategisch wichtige Punkte wurden laut den Charkower Nahnews der Bahnhof und das Polizeirevier von den Rebellen erobert. Zur Zeit gibt es heftige Gefechte an der einzigen Rückzugsmöglichkeit der Regierungstruppen, einer Straße in das von der Armee kontrollierte Gebiet. Diese sind ein Zeichen dafür, dass es Absetzbewegungen der verbliebenen Regierungssoldaten gibt.

Zahlreiche ukrainische Verteidiger, die Rede ist von hunderten und die genaue Anzahl schwankt je nach Quelle, hatten sich zuvor den angreifenden Rebellen ergeben. Kiew versucht nun natürlich, den Rebellenangriff auf Debalzewo zumindest taktisch auszuschlachten, denn er ist der eindeutigste Beweis für die Nichteinhaltung der geschlossenen Waffenruhe durch die Rebellen. Diese hatten im Nachhinein erklärt, für diesen Teil der Front gelte die Waffenruhe nicht. Den taktischen Vorteil, den man durch das Vorrücken auf den wichtigen Verkehrsknotenpunkt genoss, wollte man sich offensichtlich nicht nehmen lassen. Bei den Kämpfen um Debalzewo wurde nach mehreren Quellen der vor Ort befindliche Rebellenchef Sachartschenko durch einen Schuss in den Knöchel verletzt. Hier heutige Aufnahmen aus Debalzewo von einem Kanal, der den Rebellen nahe steht. Zu sehen sind auch gefangen genommene Ukrainer:

Ein etwas martialischerer Bericht der russischen Onlinezeitung kp.ru aus Debalzewo schaffte es gestern sogar in die Top Ten der meistgeschauten Videos Osteuropas, wahrscheinlich wegen der Panzerfahrten in den Kampfeinsatz. Der berichtende Journalist ist eingebettet bei den Truppen der Rebellen dabei, zu sehen sind auch Vertreter großer russischer TV-Kanäle. Achtung, zu sehen sind auch Leichen getöteter Ukrainer. Das Video könnte für nicht angemeldete oder minderjährige YouTube-Nutzer gesperrt sein.

Kampfort: Donezk – Regierungsangriff

Dass jedoch auch die Regierungstruppen nicht wirklich vor hatten, den Waffenstillstand einzuhalten, zeigt das unweite Donezk. Hier kam es nach örtlichen Berichten zu Angriffen der Regierungstruppen auf den von den Rebellen erst eroberten Flughafen und der Artilleriebeschuss rund um die Stadt wurde wieder aufgenommen. Dies ist der Teil der Realität, der wie immer in der Berichterstattung großer deutscher Medien fehlt, die sich wie die Tagesschau in ihrem Online-Bericht ausschließlich mit den Fehlern der Gegenseite in Debalzewo beschäftigt. Ein Beweis für die Brüche der Waffenruhe durch die Regierungsseite ist auch der Start einer Rakete vom Typ Totschka U in dem von Regierungstruppen kontrollierten Kramatorsk, festgehalten von einem Anwohner:

Raketen dieses Typs werden verantwortlich gemacht für schwere Explosionen, die sich in Donezk kurz vor der Waffenruhe ereigneten. Viele Bewohner auch des Regierungsgebietes haben Sympathien zu den Rebellen und filmen auch die Aktionen der Ukrainer für das Netz. AUffällig ist, dass die Offensivaktionen der Regierungstruppen momentan meist mit Fernbeschuss zu tun haben, während offensiv am Boden vor allem die Rebellen vorgehen.

Kampfort: Mariupol – Rebellenangriff

Auch ganz im Süden der Front wurde heute wieder gekämpft, berichtet die ukrainischen Onlinezeitung Tajmer. Hier hätten die Rebellen die Ortschaft Schirokino zurück erobert, die bei einer neulichen Offensive des berüchtigten Nazi-Batallions Asow von den Ukrainern besetzt worden war. Diese Aufnahmen sollen aus Schirokino stammen und wurden veröffentlicht von der Rebellen-nahen abchasischen Nachrichtenagentur Anna News:

Bereits zuvor hatte die örtliche Onlinezeitung Mariupol Schisn Kämpfe unweit der Stadt gemeldet.

Niederlage der Politik – Verhandlungen an der Front

Somit stehen die ersten Verlierer dieser Woche schon fest: Es sind die Politiker, die eine Waffenruhe für drei Tage als Weg in einen dauerhaften Frieden angepriesen und sich dabei gegenseitig auf die Schulter geklopft haben. Es ist nun mit einer Fortführung der gegenseitigen Schuldzuweisungen und auch des Sanktions- und Handelskriegs zu rechnen. Als einzigen Lichtblick des Tages gibt es jedoch Meldungen, wonach im Ort Soledar direkt Vertreter der ukrainischen und Donbass-Truppen Verhandlungen für einen direkten neuen Waffenstillstand aufgenommen haben.

Roland Bathon, russland.RU