Ostukraine: Ein Brand breitet sich aus

Die Serie der Antimaidan-Demonstrationen und Gebäudebesetzungen erreichten heute trotz Gegenmaßnahmen einen neuen Höhepunkt

Die Liste der Städte im Donbass, in denen statt der ukrainischen Flagge die der „Volksrepublik Donezk“ weht, wurde im Laufe des Tages mehrmals länger.

Wärend die besetzte Verwaltung in Slawjansk gewaltsam von ukrainischen Regierungskräften zurückerobert werden sollte, wehen Flaggen der Separatisten seit dem Morgen offenbar in Kramatorsk, im Mittag seit einer Besetzung der Regionalverwaltung in Mariupol. In Mariupol wurde kurzerhand der Stadtrat für aufgelöst erklärt. Auch aus mehreren kleineren Städten des Donbass werden Auseinandersetungen gemeldet. In Donezk selbst und Lugansk sind öffentliche Gebäude schon länger von radikalen Antimaidanern besetzt.

Auch in Odessa gab es sowohl eine Antimaidan-Demonstration mit etwa 5.000 Teilnehmern, als auch eine Euromaidan-Demo mit etwa 1.500 Anhängern. Am Euromaidan-Umzug nahm der in der Stadt anwesende Schwedische Außenminister teil. Kritisiert wurde hierbei, dass er das Gespräch mit den für eine Föderalisierung kämpfenden Antimaidanern übrhaupt nicht gesucht habe. Zusammenstöße wurden hier heute nicht gemeldet. Solche gab es zwischen hier ebenfalls zahlenmäßig überlegenen Antimaidanern und Euromaidaner in Charkow.

Die radikalen Antimaidaner fühlen sich aufgrund des gewaltsamen Euromaidan-Umsturzes in Kiews nun offenbar im Recht, auch ihrerseits in ihrer Heimat rücksichtslos und notfalls mit Waffengewalt die Macht zu ergreifen. Ob dies gelingt, hängt wohl auch von der Haltung der örtlichen Mehrheitsbevölkerung ab. Diese wird von westlicher Presse immer als nichtseperatistisch geschildert, ohne dafür jedoch gewichtige Belege vorzulegen. Viele Journalisten, die real vor Ort sind, melden auch große Sympathie mit den Antimaidanern in der Bevölkerung. In Jalta auf der Krim fand eine Solidaritätsdemonstration mit der Ostukraine statt.