Ostukraine: Die angespannte Lage hält an [mit Videos]

Ukrainische Militärbewegungen auf Donezk zu - Bürgermeister Donezk: Mitschuld an Eskalation durch Kiew - Video von OSZE-Beobachtern in Charkow

Die Zeichen in der Ostukraine stehen von keiner Seite auf Entspannung. Ukrainische Militäreinheiten werden nach Donezk verlegt, aber die prorussischen Besetzer wollen nicht weichen. Inzwischen berichtet die örtliche Presse in Charkow auch über die örtlichen Gespräche der OSZE-Beobachter, in die man Hoffnungen setzt.

Aktuell wandert auch eine größere Zahl von Amateurvideos ins Netz, die Verlegungen ukrainischer Truppen in Richtung Donezk zeigen, wie dieser Film aus Dobropolje in der Donezkregion. Spürbar ist  die Ablehnung dieser Aktionen durch die örtliche Bevölkerung, auch wenn es sich hier nicht um aktive Separatisten handelt:

Nach  Meldungen regionaler Onlinemedien soll diese Militärkolonne kurz nach der Durchquerung von Dobropolje von den mitlaufenden Passanten blockiert worden sei, wobei es Verletzte gegeben haben soll. Die Reaktion der Bevölkerung ist ein deutliches Zeichen dafür, wo die Sympathien der Mehrheit der Ostukrainer in einem möglichen Konflikt mit der Zentralregierung liegen. Hier noch ein weiteres Video von Militärmaterial auf dem Weg nach Donezk:

http://www.youtube.com/watch?v=eHQlsJVkLwU

Kritik an Regierung in Kiew und Timoschenko

Heute hat auch der Bürgermeister von Donezk Olexander Lukjantschenko, selbst kein Anhänger der Antimaidaner, scharf die Politik der Ukrainischen Zentralregierung kritisiert. Diese sei an der aktuellen Eskalation der Lage mitverantwortlich. Er kritisierte insbesondere, dass der Ruf nach mehr Autonomie in Kiew ungehört verhalle und es deshalb nicht verwunderlich sei, dass die Bevölkerung des Donbass sich frustiert nach Russland wendet. Mit der aktuellen Politik werde Kiew nicht erreichen, dass sich die Menschen des Ostens wieder mit dem Land identifizierten. Nicht besonders gut angekommen ist ein Besuch der ukrainischen Präsidentschaftskandatin Julia Timoschenko in Donezk vor einigen Tagen, von dem wir hier ein Video sehen:

Und hier sehen wir die Bewertung der Zuschauer dieses Videos

Bildschirmfoto 2014-04-10 um 10.03.38

Als kleines Zeichen der Entspannung sollen die von der ukrainischen Regierung vor etwa einem Monat zwangsweise abgestellten russischen TV-Kanäle laut der Donezker Stadtzeitung WGorode wieder empfangbar sein. Einer repräsentativen Umfrage in der Stadt eines örtlichen Forschungsinstituts sollen gemäß der Zeitung – unabhängig von ihrer übrigen Meinung zum Konflikt – 65 % der Donezker gegen eine Rückkehr von Janukowitsch auf das Präsidentenamt sein. Er hatte gegen Ende seiner Amtszeit auch die Sympathien der gegen den Euromaidan gestimmten Bevölkerung verloren.

Charkow: Demos, Bombendrohung und OSZE-Beobachter

In Charkow, wo vorgestern die von Antimaidanern besetzten öffentlichen Gebäude zwangsweise geräumt worden waren, begannen erste Gerichtsprozesse gegen die dabei inhaftierten 70 Oppositionellen. Diese wurde von weiteren Antimaidan-Protesten auf der Straße begleitet. In einem Bahnhof der Stadt gab es gemäß der örtlichen Onlinezeitung Nahnews eine Bombendrohung, wegen der 600 Leute vorübergehend evakuiert werden mussten. Von den vorausgehenden Demonstrationen am Sonntag hat die örtliche und separatistische Onlinezeitung Oplot einen Filmbericht gemacht, den wir russischkundigen Lesern nicht vorenthalten wollen:

Die Zeitung zeigt auch ein Video von einem Gespräch örtlicher Bewohner mit OSZE-Beobachtern am Sonntag, die in der Tat vor Ort sind:

Verwunderung erntete die Aussage der OSZE-Leute, sie seien als Touristen vor Ort. Da die Menschen die Anwesenheit der unabhängigen Beobachter begrüßen, schildern sie danach dennoch umfangreich ihr Leid, auch schriftliche Anfragen wurden überreicht. Die Charkower fragen auch gleich danach, wann sie mit einer offiziellen Reaktion rechnen können. Mit einer ausweichenden Antwort geben sie sich daraufhin nicht zufrieden, woraufhin eine Antwort am Montag versprochen wird. Rund um die Szene seien laut Oplot zahlreiche Polizeibeamte anwesend gewesen.

In Lugansk, der dritten Stadt, in der es Gebäudebesetzungen durch Oppositionelle gegeben hatte, begannen Verhandlungen zwischen der Antimaidan-Opposition und dem im März von Kiew eingesetzten Gouverneur Bolozkich.

Update 15:55 Uhr MESZ: Von der Blockade der ukrainischen Militärkolonne in der Region Donezk (s.o.) ist jetzt über den russischen Regierungssender Russia Today noch ein Amateurfilm aufgetaucht: