“One, two three!” – mit Humor und Tiefgang gegen Vorurteile zwischen Ost und West

Mit der Kinoreihe “Lieblingsfilme zeitgenössischer Künstler” nimmt das Goethe-Institut an der europäischen Kunstbiennale “Manifesta 10″ in St. Petersburg teil. Acht deutsche Künstler wählen einen Film, der dem Publikum vorgeführt und hinterher mit eben jener Künstlerpersönlichkeit diskutiert wird. Den Anfang machte der Manifesta-Kurator Kasper König persönlich mit Billy Wilders “One, two, three” von 1961 – ein Film über das Berlin des Kalten Kriegs, der leider kaum an Aktualität verloren hat.

Die atemlose Komödie spielt im geteilten Berlin von 1961. Mr. McNamara, Coca-Cola-König von Westberlin, strebt ständig wachsende Verkaufszahlen in Deutschland und natürlich auch einen höheren Posten beim Cola-Konzern an. Dadurch kommt er auf die reichlich verwegene Idee, auch den russischen Sektor, bzw. die DDR, mit der braunen Limonade zu beliefern. Doch die Tochter seines amerikanischen Chefs, die sich während ihres Berlin-Besuchs in einen strammen Kommunisten verliebt, macht ihm einen dicken Strich durch die Rechnung.

Film wirkte wohltuend entspannend

Die Wirkung dieses über 40 Jahre alten Films beim Petersburger Publikum war erstaunlich – der ganze Saal im Kino “Aurora” lachte und kicherte ununterbrochen und applaudierte am Schluss begeistert. Der Grund dafür war ganz offensichtlich die Aktualität des Streifens in der gegenwärtigen politischen Situation zwischen Ost und West. Die Unbeschwehrtheit des Film wirkte auf alle wohltuend entspannend. Hier wurde das ganze Spektrum von Vorurteilen jener Zeit abgespult, das zwischen Washington und Moskau existierte. Die Slogans “Yankee go home!”, bzw. “Russki go home!”, das man sich damals per Luftballons über die Sektorengrenze schickte, liegt heute mit alter Frische in der Luft – nur verläuft die Mauer nun weiter östlich in der Ukraine.

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