Off limits für Obelix in der Ukraine

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Wer hat Angst vorm großen Mann? Niemand wäre an dieser Stelle unpassend, denn die Ukraine scheint sich ziemlich vor dem fleischgewordenen Obelix aus Frankreich zu fürchten. Kurzerhand wurde der Schauspieler von Kiew zur persona non grata erklärt. Mit einem Fünf-Jahres-Bann wurde Gerard Depardieu belegt, da er angeblich „eine Bedrohung der nationalen Sicherheit“ darstelle.

Hoppla, was war geschehen? Zugegeben, eine Rauferei möchte man mit dem schwerlastigen Hünen nicht anzetteln. Aber wie kann ein Mime, auch wenn er uns stark und kräftig erscheint, eine Gefahr für eine ganze Nation verkörpern. Gut, wir sollten uns vor Augen halten, dass er sich in der Vergangenheit nicht überall beliebt gemacht hat. Veranstalter hatten bereits ihre diversen Erfahrungen mit dem, einem guten Tropfen nie abgeneigten, Depardieu gemacht und seitdem er aus Trotz mitten in einen Flieger gepinkelt hat, stellen auch Fluggesellschaften ihre Ohren, wenn sie seinen Namen hören.

Aber im ukrainischen Lex Depardieu dürfte es wohl eher an seiner Verbundenheit zu Russland liegen. Wir erinnern uns: Im Januar 2013 wurde dem Schwergewicht im grellen Glanz der medialen Aufmerksamkeit die russische Staatsbürgerschaft verliehen. Nicht minder medial aufgezäumt von Wladimir Putin höchstpersönlich. Die Vorgeschichte: Dem Obelix wurden die Tribut-Abgaben von 75 Prozent an die französischen Präfekten deutlich zu hoch und er ging in die Provinz Gallia Belgica, pardon nach Belgien. Bereits da schon wollte er die französische Staatsbürgerschaft ablegen, was ihm damals vom französischen Premierminister Ayrault als „armseliges Verhalten“ vorgeworfen wurde.

Eine bestehende Staatsbürgerschaft, und das ist der Haken, lässt sich jedoch nur tilgen, sofern eine andere, in dem Fall eine neue, vorliegt. Und dann trat Putin auf den Plan. Generös bot der russische Präsident Depardieu an, doch einfach Russe zu werden. Ob sein Hintergedanke bei Depardieus Erfahrungen auf seinen Weingütern beruhte, ist so nicht verbrieft. Jedenfalls spart der Obelix seitdem nicht mit überschwänglicher Lobhudelei an Russland und seinem Präsidenten. Das dürfte auch der Obrigkeit in Kiew zu Ohren gekommen sein. Zusammen mit 117 anderen Prominenten wurde Depardieu auf eine „Im Lande unerwünscht-Liste“ gesetzt. Der pauschale Vorwurf lautet auf „Äußerungen zugunsten der Verletzung der ukrainischen territorialen Integrität und Souveränität“.

Vielleicht hätte der Schauspieler vor ziemlich einem Jahr ja auch nicht einfach sagen dürfen: „Ich liebe Russland und die Ukraine, die ein Teil Russlands ist!“. Vielleicht auch nicht, dass er den Anschluss der Krim an Russland gutheiße, wer weiß. Jedenfalls missfielen seine Äußerungen dem ukrainischen Kulturministerium und man schloss ihn kurzerhand aus. Das Edikt gilt ab dieser Woche. Wir schätzen allerdings, dass das Gerard Depardieu alias Obelix nicht weiter stören wird. Der lässt sich da schon lieber vom weißrussischen Staatsoberhaupt Lukaschenko beibringen, wie man mit einer Sense mäht.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.