Odessa: Antimaidan-Kundgebung am Siegestag [Videos aus YouTube]

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Antifaschistisch und antimaidanisch waren die Parolen, die am 70. Jahrestag des Kriegsendes in Odessa in der Südukraine zu hören waren, als 40.000 Menschen zum Gedenken an den Sieg im Zweiten Weltkrieg zusammen kamen.

An einem anderen Jahrestag vor einer Woche, als sich das Massaker im Gewerkschaftshaus jährte, herrschte großes Militäraufgebot und fast gespenstische Stille in der Stadt. Die Gegner der Kiewer Regierung in der mehrheitlich russischsprachigen Stadt wichen dann ganz offensichtlich auf den Siegestag aus, um ihrem Unmut Luft zu machen:

„Raus aus Odessa, Bandera-Teufel“ ist zu hören, wobei Stepan Banderas eine Symbolfigur der westukrainischen Nationalisten und in Tagen des Euromaidan-Regimes ein Nationalheld ist. „Odessa ohne Faschismus“ und „Odessa, Stadt der Helden“ waren anderen Parolen die aus Trotz zu hören waren. Hierbei ist zu beachten, dass Kiew den nationalen Feiertag am 9. Mai abgeschafft hat und das demonstrative Gedenken an den Sieg der UdSSR, da man sich eher in der Tradition der ukrainischen Nationalisten sieht, die zu Beginn mit Hitlerdeutschland gegen die Rote Armee gekämpft hatten. Schon die Fortführung der Tradition des Siegestages ist als trotziger Akt der Opposition zu sehen, ebenso wie das spontane Absingen alter Kampflieder in einer Straßenbahn sowie das Zeigen des St. Georgsbandes, das ebenfalls im Machtbereich der Kiewer Regierung zur Verhaftung führen kann:

Die örtlichen Euromaidaner haben laut der Onlinezeitung Tajmer bereits eine harte Reaktion auf die Kundgebung und ihre „separatistischen Tendenzen“ angekündigt. Es war das zweite offene Aufbegehren der örtlichen Opposition nach den blutigen Straßenschlachten und der Brandschatzung des Gewerkschaftshauses in der Stadt am 02.05.2014. Bereits bei einem früheren Poroschenko-Besuch war offener Unmut ausgebrochen.