Occupied – Die Besatzung

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Jesper Berg (Henrik Mestad) wurde aufgrund seines ökologischen Programms zum Premierminister von Norwegen gewählt und will nun sein Wahlversprechen umsetzen: die norwegische Energieproduktion ganz auf erneuerbare Ressourcen zu konzentrieren. Doch diese Strategie trifft auf wenig Verständnis seitens der EU, dem größten Energiekunden Norwegens. Sie stellt Berg ein Ultimatum..

Während in dieser Fiktion die USA aus der NATO ausgetreten sind verbündet sich die EU mit Russland um ihre Energieinteressen durchzusetzen.

Vor TV-Start: Russische Botschaft pikiert über neue Nesbø-Serie

Im September, vor der Erstaustrahlung im norwegischen Fernsehen, schrieb Michael Zimmermann auf seinem Blog „VARSOM“:

Mitte August präsentierte der norwegische Privatsender TV2 den Trailer zu einer der teuersten Serienproduktionen in der Geschichte des Landes. 90 Millionen Kronen (etwa zehn Millionen Euro) kosteten die zehn Episoden der Serie “Occupied”, die am 29. September anläuft.Einen Monat vor dem Start sorgt die Serie für diplomatische Verstimmungen zwischen Norwegen und Russland.

Der Trailer zu “Occupied” malt ein düsteres Szenario: In einer nicht allzu fernen Zukunft wählt Norwegen eine umweltfreundliche Regierung, die komplett aus der Öl- und Gasproduktion aussteigt. Europa, stark abhängig von den norwegischen Exporten, stürzt deswegen in eine schwere Energiekrise. Die EU bittet Russland um Hilfe, das daraufhin das Land besetzt. „Offiziell soll Russland nur die Ölversorgung der restlichen Welt sicherstellen und dann wieder aus dem Land abziehen. Doch der eigentliche Plan ist es, das Öl unter Kontrolle zu bringen und den Gewinn einzustreichen. Die Besatzungsmacht hat nie die Absicht, das Land wieder zu verlassen,“ beschreibt die Produktionsgesellschaft Yellow Bird den Ausgangspunkt der Serie, die ab November auch auf arte laufen soll.

Für die Bevölkerung ändert sich zunächst wenig. Die Invasion findet weitgehend gewaltlos statt, die Norweger behalten ihren Reichtum und die meisten ihrer persönlichen Freiheiten.
Der Trailer stellt die entscheidende Frage: „Wer ist bereit, Wohlstand für die Freiheit zu opfern, wenn das Leben weitergeht wie bisher?“ Regisseur Erik Skjoldbjærg ist sich sicher: “Nicht alle Norweger würden direkt Widerstand leisten.”

Im Gespräch mit TV2 beteuert er aber, dass “Occupied” nicht von Russlands aktueller Politik handelt, sondern nur ein Beispiel sei, wie Norweger auf eine Besatzung reagieren würden, wenn ihr materieller Wohlstand nicht berührt wäre. “Die Serie dreht sich um norwegische Charaktere und darum, wie wir uns in einer solchen Situation verhalten würden,” sagt er.

Trotzdem warnen Osteuropaexperten vor den Reaktionen aus Russland, “Im Moment ist die Temperatur in den russischen Medien relativ hoch, was das Ausland angeht. Man muss sich also auf ein wenig Geschrei einstellen. Ich glaube aber nicht, dass es ernsthafte politische Folgen geben wird,” meint beispielsweise Arild Moe vom Fridtjof-Nansen-Institut gegenüber TV2. Der Sender nahm schließlich selbst Kontakt mit der Russischen Botschaft in Oslo auf. Per E-Mail antwortet der Presseattaché der Botschaft, Andrey Kulikov, etwas pikiert,

“Selbstverständlich kennen wir die Pläne von TV2 zur Serie “Occupied”, die derzeit stark in den norwegischen Medien diskutiert werden. Obwohl die Verfasser deutlich unterstreichen, dass die Handlung ausgedacht ist und nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, handelt die Serie von realen Staaten, und Russland wird leider als Aggressor präsentiert. Man braucht von der russischen Seite keine Hysterie zu erwarten – das ist nicht unser Stil. Gleichzeitig ist es selbstverständlich schade, dass die Autoren in dem Jahr, in dem wir den 70. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg feiern, sich entschieden haben, die norwegischen Zuschauer mit einer nicht existierenden Bedrohung aus dem Osten zu verschrecken – ganz so, als hätten sie den heroischen Einsatz der Sowjetischen Armee für die Befreiung Nordnorwegens von der Nazi-Besatzung vergessen.”

Die Erklärung wurde auch an die russische Nachrichtenagentur TASS geschickt, die russische und internationale Medien auf den Botschaftsprotest aufmerksam werden ließ. Der Chef der TV2-Fiktionsabteilung war von den vielen Presseanfragen am vergangenen Wochenende sehr überrascht. Man registriere wohl die vielen Reaktionen, so Christopher Haug zur Tageszeitung “Aftenposten”, dennoch sollten doch alle, die die Serie kritisieren, erst einmal abwarten, bis sie sie gesehen hätten und dann die einzelnen Szenen ins Verhältnis zueinander setzen könnten. “Wir versuchen nicht, dokumentarisch zu sein oder ein Bild der Wirklichkeit zu zeichnen. Die Begebenheiten sind ausgedacht und spiegeln nicht das norwegisch-russische Verhältnis wider, genauso wenig wie das Verhältnis zur EU oder den USA.”

In der Tat spielen letztgenannte in der Serie ebenso wenig ruhmreiche Rollen wie der fiktive Besatzer selbst. Leonid Bershidsky sieht auf bloombergviews genau darin das Erfolgsrezept von “Occupied”: Die Serie rühre nicht nur an der Sorge vor Russland, sondern auch am Unbehagen, Europas Tankstelle zu sein, zerrieben zwischen zwei Großmächten, Das Leben an der Grenze zwischen Ost und West könne manchmal etwas Angst machen.

Ausstrahlung

Gestern liefen auf ARTE die Folgen 7 und 8 die beiden Schlussfolgen 9 und 10 werden nächsten Donnerstag ausgestrahlt.

Da die Mediathek von ARTE leider nicht mehr alle Folgen zur Verfügung stellt bleibt einem nur die Hoffnung auf Youtube oder über den onlinetvrecorder.

Vielen Dank an Michael Zimmermann für den Text.

Der Trailer de norwegischen Fernsehens: